Er ließ ihre Hände los. Florence eilte davon; als sie sich bei einer Biegung des Weges umblickte, sah sie ihn noch an derselben Stelle stehen, an der sie ihn verlassen hatte; augenscheinlich wartete er, bis sie außer Sicht sei. Sie eilte jetzt nur um so schneller weiter und hielt sich nicht auf, bis sie das Haus erreicht hatte.

Sie fühlte, daß sie ohne Aufschub, ohne Zögern tun müsse, was ihr oblag, wollte sie nicht zusammenbrechen. Sie nahm im Flur ihren Hut ab und begab sich dann in die Bibliothek. Dort mußte sie, wie sie wußte, Sir Jasper antreffen.

Er war da. Als Florence eintrat, sah sie ihn in seinem gewohnten Stuhl sitzen, ein Buch in der Hand haltend. Er las nicht, sondern brütete mit finster gerunzelter Stirn vor sich hin. Einen Augenblick blieb sie stehen, und es durchfuhr sie der Gedanke, wie sein Gesicht sich wohl verändern würde, wenn sie mit ihm geredet.

Zwischen Vormund und Mündel hatte, seitdem Florence mit Chichester gebrochen, nur eine Zusammenkunft stattgefunden, die nicht sehr angenehm gewesen und in der das junge Mädchen ihn daran erinnert hatte, daß sie mündig sei und daß sie Turret Court auf immer zu verlassen gedenke. Es berührte ihn daher eigentümlich, daß sie ihn aus freien Stücken aufsuchte, und er fragte sie in einem so beißenden Tone, wie er ihn ihr gegenüber noch niemals angeschlagen:

»Wie komme ich zu dieser unverdienten Ehre, Florence?«

»Ich habe dir etwas zu sagen, Onkel Jasper.« Sie war jetzt ganz nahe, und er schrak beim Anblick ihres Gesichtes unwillkürlich zusammen. Als sie sich mit den Händen auf eine Stuhllehne stützte, als bedürfe sie eines Haltes, erhob er sich von seinem Sitze.

»Was gibt’s?« fragte er brüsk. »Weshalb siehst du so aus? Was ist los?«

»Um dir das zu sagen, bin ich hier. Ich war heute nachmittag im Bungalow.«

»Nun? Was führte dich dorthin?«

»Ich wollte Herrn Sherriff vor meiner Abreise von St. Mellions Lebewohl sagen.«