»Ich beabsichtige auch, mit ihr zu reden. Wenn sie nicht ganz verrückt geworden ist, so will ich sie schon zur Vernunft bringen. Bleibe, bitte, hier, Agathe; es ist mir lieber, du hörst, was ich sage. Mit deiner Erlaubnis werde ich sie sofort kommen lassen.«
Die Herzogin zog heftig die Klingel und erteilte ihren Befehl in herrischem Tone.
Sie thronte wieder majestätisch auf dem Sofa, und Lady Agathe trocknete sich noch die Augen, als die Tür aufging und Florence gemächlich eintrat.
Sie sah entzückend aus: sie trug ein dunkelrotes Samtkleid mit einem breiten Kragen und Manschetten aus alten gelblichen Spitzen, und ihr kastanienbraunes Haar war tief im Nacken lose zusammengedreht. Ihre großen, grauen Augen leuchteten, sie hatte frische, schöne Farben, und sie lächelte, als sie mit stolz erhobenem Köpfchen näher trat. Dem verwunderten, entrüsteten Blicke der Herzogin schien sie glücklich, zuversichtlich, belustigt, von schelmischem Trotz beseelt zu sein. Aber ihre Tante wußte, daß ihre Figur schlanker war, als sie vor einem Monat gewesen.
»Durchlaucht haben mich rufen lassen. Wie erhitzt Sie aussehen! Ich glaube, ich würde ein wenig vom Kaminfeuer fortrücken. O, Tante Agathe, was fehlt dir denn, liebes Herz?«
Die spöttische Heiterkeit war auf einmal wie weggewischt aus ihren Zügen, als sie auf Lady Agathe zueilte und zärtlich tröstend, wie schützend, den Arm um sie legte.
Die stattliche Herzogin auf dem Sofa sah noch stattlicher aus. In dem Auftreten des Mädchens lag entschieden unverschämte Herausforderung.
»Es ist kein Wunder, daß deine Tante weint, Florence! Sie tut wohl daran, dünkt mich.«
»Nein — es ist kein Wunder, weil Sie sie dazu gebracht haben. Trockne dir die Augen, Tantchen; wenn Durchlaucht böse ist, so ist sie es auf mich, nicht auf dich.«
Sie blickte ihre Patin mit kühler Gelassenheit an und fragte: »Ich fürchte, Durchlaucht sind wieder böse?«