»Ja;« er nahm ihre Hand; noch nie hatte er sie mit so schmerzlichem Drucke festgehalten. »Ich — wußte nicht, daß du hier bist,« sprach er, »ich wollte dich nicht erschrecken, Kind. Ich komme, um Sir Jasper aufzusuchen.«
»Sir Jasper? Aber was ist denn geschehen? Wie sind Sie zu der Wunde gekommen?« Sie blickte Sherriff an und dann wieder ihren Verlobten, und etwas wie schreckensvolles Verständnis dämmerte in ihren Zügen auf. »Sie sind verletzt — Sie kommen her, um mit Sir Jasper zu reden? Herr Sherriff,« rief sie gebieterisch, »lassen Sie ihn mir erzählen, was das alles zu bedeuten hat!«
Leath wandte sich zu seinem Begleiter, ehe dieser antworten konnte.
»Soll ich es ihr sagen? Sie wenigstens muß es doch wohl erfahren?«
»Erzähle es ihr lieber! Wie kannst du es jetzt noch vor ihr geheimhalten? Und sie hat ein Recht, es zu wissen.«
»Ich will es wissen,« sprach Florence, »sagen Sie es mir.«
Er tat es. Das junge Mädchen saß auf der Fensterbank und hörte mit weitgeöffneten, entsetzten Augen, die unverwandt an seinem Gesichte hingen, der Erzählung zu, die er barmherzigerweise so kurz machte, wie er konnte. Er war seit einer vollen Minute zu Ende, ehe sie den Kopf hob und auf Sherriff deutete.
»Sie haben ihm alles gesagt?«
»Alles. Mir blieb kaum eine Wahl — ich konnte nicht länger schweigen. Ich weiß, damit habe ich gewissermaßen unser Übereinkommen gebrochen, aber nicht in Wirklichkeit. Du kennst deinen alten Freund. Du weißt, du darfst dich darauf verlassen, daß er ein ebenso unverbrüchliches Schweigen beobachten wird wie du oder ich.«
»Sie dürfen mir trauen, meine Liebe,« sprach Sherriff mit versagender Stimme. Er war bleicher als der junge Mann; die seelische Erregung hatte tiefe Spuren in seinen Zügen zurückgelassen. »Ich — bin entsetzt — bin bestürzt! Aber um Ihrer selbst willen, um der Lebenden und der einen Toten willen können Sie sich wirklich auf mich verlassen, mein Kind.«