»Und das ist auch wahr, glaube ich. Ich habe seine Bekanntschaft auf fast ebenso zwanglose Weise gemacht wie Sie. Als ich vor einigen Abenden spazieren ging, überkam mich einer meiner unglücklichen Schwächeanfälle. Ja, ohne ihn würde ich hingestürzt sein, denn ich hatte das Bewußtsein fast gänzlich verloren.«

»O, wie mir das leid tut!« Das fröhliche, neugierige Gesicht des jungen Mädchens wurde ernst. »Und er — dieser Herr Leath — brachte Sie nach Hause, nicht wahr?«

»Ja, mein Kind — als ich mich hinreichend erholt hatte, um ihm zu sagen, wo ich wohnte, was ohne seine Kognakflasche wohl noch länger gedauert haben würde. Natürlich kamen wir nachher ins Gespräch, und ich erfuhr, daß er hier fremd, daß er aus Australien sei und in den Chichester Arms abgestiegen wäre. Ich sagte ihm, daß er an einem einsamen alten Mann ein gutes Werk tun würde, wenn er mir während seines Aufenthalts in St. Mellions einen Teil seiner Zeit widmen wolle. Er scheint sich auch einsam zu fühlen, denn er ist jeden Tag mehrere Stunden bei mir gewesen. Gestern lud ich ihn für heute zu Tisch ein. Ist diese Erklärung vollständig genug?«

»J—a.« Florence zog die Brauen zusammen. »Ausgenommen,« fuhr sie in etwas pikiertem Tone fort, »daß ich nicht recht einsehe, weshalb Sie einen völlig Fremden so gern haben sollten, Herr Sherriff.«

»Habe ich gesagt, daß ich ihn sehr gern habe, mein Kind?«

»Nein. Aber Sie tun es. Das sehe ich,« schmollte sie.

»Selbst wenn dem so wäre, so hat die Sache ihren Präzedenzfall. Vor zehn Jahren zum Beispiel wurde ich einer jungen Dame vorgestellt, die ich immer seither von Herzen liebgehabt habe.«

»Es ist so lieb von Ihnen, das zu sagen.« Mit einem reizenden Lächeln legte sie zärtlich die Hand auf seinen Arm. »Aber gestehen Sie — mögen Sie diesen Herrn Leath leiden? Nun?«

»Ich gestehe, mein Herz, daß ich ihn sehr gern habe.«

»Und um nichts,« sagte Florence wieder schmollend, »aus keinem besonderen Grunde.«