»Dagegen?«
Herr Chichester setzte sich in seinem Stuhle aufrecht. Sein Ton wurde würdevoller, er fühlte, daß das, was Florence sagte, abgeschmackt sei. War nicht die Familie Chichester auf Highmount sogar noch älter als das Geschlecht der Mortlakes, und reich genug, um ihnen ihren ganzen Besitz drei- oder viermal abzukaufen?
»Meine liebe Florence,« meinte er nachsichtig, »das ist sicherlich eine ziemlich überflüssige Frage! Wir sind nicht von Adel, das ist freilich wahr, — wir haben die Ehre immer abgelehnt, — aber in jeder anderen Hinsicht ist es kaum möglich, daß die Herzogin etwas gegen mich als Bewerber um deine Hand einzuwenden haben könnte. Du kannst das nicht für wahrscheinlich halten.«
»Ich durchaus nicht!« sagte Florence fröhlich. »Ich glaube nicht, daß sie etwas dagegen haben wird; weshalb, wie du sagst, sollte sie das? Ich wollte nur gern wissen, wie du darüber dächtest.«
»Du gibst mir also die Erlaubnis, ihr binnen kurzem zu schreiben?«
»Ja. Sobald sie in Pontresina ist. Ich will ihr mit derselben Post schreiben, damit sie erfährt, daß ich an deinem bisherigen Schweigen schuld bin.«
»Danke! Das ist alles, was ich wissen wollte.« Florence nickte leicht und wandte ihr Gesicht dem Fenster zu. Vielleicht verbarg sie ein unterdrücktes Gähnen hinter der weißen Hand, die sie sich vor den Mund hielt. Ein Plauderstündchen mit Talbot Chichester, obgleich er ihr Verlobter war, wirkte nicht sehr belebend auf sie.
Cis und Harry kamen am Fenster vorbei; die Hand des jungen Mädchens ruhte auf dem Arm ihres Verlobten; seine Lippen waren dicht an ihrem kleinen Ohre, während er ihr Worte zuflüsterte, die niemand anders verstehen konnte. Florences rote Lippen zuckten eigentümlich bei dem Gedanken, Chichester könne so gehen, so flüstern — der Einfall belustigte sie. Er hatte es nie getan oder zu tun versucht, weder vor seinem Heiratsantrag noch nachher. Als sie ihm ihr Jawort gab, hatte sie sich gesagt, daß sein großer Vorzug sei, daß er niemals versucht, ihr den Hof zu machen. Andere hatten das getan, und sie hatte das unendlich langweilig gefunden und gleich im Keime erstickt. Talbot Chichester hatte sich solcher Schwäche niemals schuldig gemacht, und sie hatte versprochen, ihn zu heiraten.
Cis und Harry gingen wieder vorüber. Herr Chichester saß noch immer stumm da. Florence schaute in den tiefstehenden Mond; das Schweigen dauerte fort. Roy, der seine fruchtlosen Bemühungen, einzuschlafen, aufgab, stand vom Sofa auf und schlenderte auf das Paar am Fenster zu. Florences Verlobung mit dem ›alten Chichester‹, die er anfangs durchaus nicht hatte glauben wollen und mit unbändigem Gelächter aufgenommen hatte, war dem Jüngling noch immer unendlich komisch. Da es ihm jetzt vorkam, als sähe Florence gelangweilt aus, warf er sich in einen Stuhl und machte endgültig den Versuch, die Unterhaltung wieder in Gang zu bringen.