»Herr Chichester ist nicht verheiratet, nicht wahr?«
»Gewiß nicht! Wissen Sie denn nicht —« Cis brach ab, dunkelrot im Gesicht, und verriet, was sie angefangen auszusprechen, so unbeholfen durch ihr schuldbewußtes Aussehen, daß er sie sofort verstand. Einen Augenblick zog sich seine Stirn in Falten, dann sprach er mit einer kühnen Gelassenheit, die seine Gefährtin verblüffend fand, wenn sie auch erleichtert aufatmete:
»Das wußte ich allerdings nicht, Fräulein Mortlake. Verzeihen Sie mir die Frage — ist Gräfin Esmonds Verlobung augenblicklich noch ein Geheimnis?«
»Nein, nein!« sagte Cis hastig, »das nicht! Nichts der Art! Wir alle wissen es, aber sie soll noch nicht veröffentlicht werden, ehe die Herzogin — die Patin meiner Cousine und ihr zweiter Vormund — davon in Kenntnis gesetzt ist und ihre Einwilligung gegeben hat.«
»Soll Gräfin Florences Verlobung auch vor Herrn Sherriff geheimgehalten werden?«
»Vor Herrn Sherriff? Hat sie es ihm nicht erzählt? Sie hält so viel von ihm, daß ich glaubte, er sei einer der ersten, dem sie es mitgeteilt. Sind Sie sicher, daß er es nicht weiß?«
»Ganz sicher.«
»Das ist sonderbar!« Cis zog die Stirn kraus. »Das sieht ihr gar nicht ähnlich! Bitte, erwähnen Sie lieber nichts davon gegen ihn, Herr Leath — es könnte ihr unangenehm sein. Die Sache mag wohl so zusammenhängen, daß sie glaubt, daß Herr Sherriff sich nicht darüber freuen würde. Und das glaub’ ich auch. Sehen Sie, Herr Sherriff hat sie so lieb, daß er keinen für gut genug für sie hält.«
Leath verneigte sich ernst. Noch einmal wieder richteten sich seine Augen quer über den Tisch hinüber auf das ruhige, schöne Gesicht des Mannes, das sich ein wenig zu dem kastanienbraunen Mädchenkopfe hinabbeugte, — nur ein wenig mit artiger Höflichkeit, — nicht mehr vielleicht, als er sich eben zu Cis hinuntergebeugt hatte. Der ihr Bräutigam? Er sah aus, als wäre er schon seit zehn Jahren ihr Gatte, so gleichgültig war er.
Cis empfand das Schweigen aufs neue als unbehaglich, und nachdem sie abermals ohne Erfolg zu ihrer Cousine hinübertelegraphiert hatte, begann sie einige Fragen über Australien zu stellen, an die sie, durch eine Antwort ermutigt, weitere anreihte, so daß endlich ein Gespräch zwischen ihr und ihrem Tischnachbar in Gang kam, und was er ihr erzählte, war wirklich amüsant und neu für sie.