Leath gewahrte weder ihr Erröten noch das Aufeinanderpressen ihrer Lippen. Er veränderte seine Stellung und runzelte einen Augenblick die Stirn mit einem Ausdruck von Unentschlossenheit, daß ihre Augen ihn unwillkürlich fragend anblickten. Ihrem Blick begegnend, sagte er:

»Ich möchte wissen, Gräfin, ob Sie mir wohl gestatten würden, eine Frage an Sie zu richten?«

»Eine Frage?«

Sie vergaß ihre Gekränktheit über ihrer plötzlich erwachenden Neugier, und außerdem wäre es unerträglich gewesen, ihn glauben zu lassen, daß sie pikiert sei.

»Gewiß,« sprach sie lächelnd. »Weshalb nicht? Was ist es?«

»Danke! Meine Frage wird Sie vielleicht seltsam dünken,« sagte Leath, der eine direkte Antwort umging, »und es ist sehr unwahrscheinlich, daß Sie sie beantworten können, — das weiß ich. Und doch habe ich unzählige Male gewünscht, sie zu stellen.«

»Weshalb haben Sie es denn nicht getan?« lautete die Gegenfrage, die sie auf der Zunge hatte und die ihr fast entschlüpft wäre, aber sie kannte die Antwort darauf so gut, daß sie noch eben zur rechten Zeit innehielt. Bis zu jenem Tage hatte sie ihm nur wenig Gelegenheit gegeben, es zu wagen, Fragen an sie zu richten. »Fragen Sie mich jetzt!« warf sie leicht hin.

»Das will ich sogleich.« Er blickte sie an. »Erinnern Sie sich, daß Sie am ersten Tage unserer Bekanntschaft sagten, Sie kennten die meisten, wenn nicht alle Leute in dieser Gegend?«

»So? Habe ich Ihnen das gesagt? Ich kenne allerdings die meisten, wenn nicht alle.«

»Und ihre Namen?«