»Dir dein Wort zurückgeben?« Er war so grenzenlos überrascht, daß er ihre Worte ganz mechanisch wiederholte, während er sie fassungslos anstarrte.
»Ja — ich würde es wirklich tun. Weshalb nicht? Mit mir ist nicht leicht fertig zu werden, und du liebst ein ruhiges Leben. Wir könnten es ›nach gegenseitiger Übereinkunft‹ tun, wie man sagt. Das ist besser als gegenseitige Uneinigkeit hinterher. Dir würde es das Herz brechen, weißt du, und was mich anbetrifft — nun, ich habe keines zu brechen! Ich will an die Herzogin schreiben und ihr sagen, daß es allein meine Schuld ist. Soll ich?«
Sie hielt die linke Hand empor und zeigte den blitzenden Ring. »Er sitzt sehr lose — er würde in einem Augenblick abzustreifen sein. Sieh!«
Ihre Stimme hatte den munteren, scherzenden Ton behalten, aber es klang ein seltsamer, halb rührender Ernst hindurch. Er ergriff ihre Hand und schob den Ring mit festem Druck wieder an seinen Platz. Er sah verdrießlich aus und gab sich keine Mühe, seine Verstimmung zu verbergen.
»Mein liebes Kind, bitte, sei nicht albern! Du bist heute abend wirklich kindischer denn je. Zum Glück fällt es mir nicht im Traume ein, dich ernst zu nehmen. Wenn du nicht aufgelegt bist, über unsere Hochzeit zu sprechen, so will ich dich jetzt nicht durch ein weiteres Eingehen auf die Sache ärgern. Laß uns von etwas anderem reden! Was lasest du eben? Gedichte, glaube ich.«
»Ja.«
Mit völlig verändertem Tone wandte sie sich von ihm und sank apathisch wieder in ihren Stuhl, während er den zerlesenen braunen Band aufnahm, den sie hatte fallen lassen.
»Es sind Adam Lindsay Gordons Gedichte.«
»Adam Lindsay Gordon? Ich entsinne mich des Namens gar nicht.«
»Vielleicht hast du ihn noch nie gehört. Er ist ein australischer Schriftsteller. Herr Leath hat mir das Buch geliehen.«