[CXII] Hensen[105] hier auch Beschreibung und Figur.
Von Rädertieren wurden sechs Arten gefischt. Drei davon gehörten zu der Gattung Anuraea, die anderen drei konnten nicht bestimmt werden, da sie zu sehr kontrahiert waren, es befand sich darunter eine sehr grosse durchsichtige Art[CXIII], von der nur 3180 unter 1 qm Oberfläche lebten.
[CXIII] Synchaeta?
Die beiden anderen unbestimmten Rotatorien waren sehr zahlreich zu finden, das eine in der Zahl von 776240, das andere von 3203200 unter derselben Oberfläche. Von Anuraea fanden sich A. aculeata Ehbg. mit 203840, quadridentata mit 722180 und foliacea Ehbg. mit 58240 Individuen. Ausserdem 2567380 Rädertiereier.
Von Daphniden wurden sechs Arten gefunden. Drei von diesen sind allgemein als pelagisch bekannt, nämlich Leptodora hyalina Lilj., Hyalodaphnia Kahlbergensis Schödler und Chydorus sphaericus O. Fr. M., während die drei übrigen bei den bisherigen Untersuchungen von Süsswasserbecken meist als littorale Formen nachgewiesen wurden. Daphnia longispina Leyd. ist jedoch auch von Zacharias[109] in den 6–8 m tiefen Mansfelder Seen pelagisch gefunden, ebenso Sida crystallina von Forel[99] in Schweizer Seen. Da die Daphniden vielen Süsswasserfischen zur Nahrung dienen, so ist ihre Bestimmung von hohem praktischen Interesse, namentlich da sie sich in Bezug auf ihren Gehalt an organischer Substanz ähnlich wie die Copepoden verhalten dürften, für die wir oben 99.4% gefunden haben. Wenn wir in unserem Fange unter einem Quadratmeter Oberfläche 1826100 Daphniden finden, so können wir uns leicht ein Bild von ihrer Bedeutung für die Fischzucht machen. Mit Hilfe der Planktonmethode würde sich ein sehr klares Bild über den Entwickelungsgang dieser Tiere finden lassen. Bei fortgesetzten Untersuchungen könnte man das Auftreten der Daphniden im Frühjahr feststellen, sowie dessen Abhängigkeit von der Wassertemperatur, ferner würde sich die rapide Zunahme gegen den Sommer hin zeigen, wobei es von Wichtigkeit wäre, die Zahl der Eier und Embryonen im Brutraume zu berücksichtigen, so dass sich für jede Art eine Durchschnittszahl ergeben würde. Zugleich liesse sich das Erscheinen der verschiedenen Arten in den einzelnen Monaten finden. Im Spätsommer würden dann die Männchen hinzukommen und schliesslich würde man die Cladoceren verschwinden sehen, nachdem man die Bildung der Dauereier beobachtet hätte.
Es würden sich alle diese Verhältnisse zahlenmässig klarlegen lassen und einen präzisen Ausdruck liefern für die bisherigen Ausdrücke, wie „im Frühjahr nach Schmelzen des Schnees massenhaft auftretend“.
Die Copepoden, deren Bedeutung wir schon oben gesehen haben, bilden einen anderen Hauptbestandteil des Plankton. Sie waren unter 1 qm Oberfläche mit 697480 vertreten. Dazu kommen noch die Larvenformen mit 786520.
In dem Protokoll sind die einzelnen Arten nicht getrennt aufgeführt worden. Es schien anfangs nicht möglich, während des Zählens die verschiedenen Spezies auseinanderzuhalten, und mit Hilfe der bisherigen Diagnosen ist dieses auch nicht auszuführen. Nachdem es sich aber herausgestellt hat, dass in einem Fange selten mehr als sechs Arten (bei Zählungen der Copepoden des Plankton im Kieler Hafen) vorhanden sind, ist die getrennte Zählung versucht worden und hat sich auch durchführen lassen, da jede Spezies irgend ein bestimmtes Merkmal besitzt, an dem sie sofort erkannt werden kann. Man kann schliesslich noch weiter gehen und auch die Geschlechter getrennt zählen. Neben den ausgewachsenen Copepoden werden dann die Larven berücksichtigt. Diese nach der Spezies zu zählen wird wohl fürs erste kaum geschehen können, da die Entwickelungsreihen vom Ei bis zum erwachsenen Tier nur erst für sehr wenig Formen festgestellt sind, bei genauem Studium und einiger Ausdauer liesse sich dieses vielleicht auch ausführen. Ebenso müssten die Eiersäckchen mit der durchschnittlichen Zahl der Eier berücksichtigt werden.
Nach den erwähnten Untersuchungen von Hensen nähren sich die Meerescopepoden von Peridineen. Die des Süsswassers müssen aber andere Nahrung zu sich nehmen, denn nach unserem Fange standen 697480 Copepoden, ohne Larven, nur 122090 Peridineen zur Verfügung, die nach den Hensenschen Berechnungen nur 10000 Copepoden genügen würden. Nach Claus[98] leben sie von pflanzlichem und tierischem Detritus, Vosseler[108] hat dasselbe beobachtet, meint jedoch, dass noch Infusorien sich beigesellen. Ob dieses aber auch die Nahrung der pelagischen Copepoden ist, wäre noch experimentell festzustellen.
Von Hydrachniden wurde Nesaea elliptica Kram. in erwachsenen und jugendlichen Formen gefunden. Ihre immerhin beträchtliche Zahl von 2400 pro 1 qm ist bemerkenswert. Ob sie in dem Haushalt der Natur irgend eine Rolle spielen, vermag ich nicht anzugeben. Eigentümlich ist das pelagische Vorkommen, obgleich Zacharias[110] in norddeutschen Seen die Milben nur littoral gefunden hat. Dagegen erwähnt auch Nordquist[106] in seinem Aufsatz über die pelagische und Tiefseefauna finnischer Seen pelagische Hydrachniden.