Da jede Diatomee aus zwei Schalen besteht, so muss man jede vollständige Diatomee als 2 zählen, jede allein liegende Schale als 1, und dann die erhaltene Summe durch 2 dividieren, dann erhält man die Zahl der Zellen. Bei Melosira würde dieses Verfahren zu viel Zeit in Anspruch nehmen, man zählt daher nur die Fäden und stellt bei einer Zahl von Fäden die Zellenzahl fest. In unserem Fange fanden sich pro 1 qm[CIX] 984614400 Fäden, von denen 20 = 246 Zellen enthielten, es wären also im ganzen 12110757120 Zellen vorhanden gewesen. Ohne Berechnung der Zellen kann man Melosira nicht mit anderen Diatomeen vergleichen. Von Melosira kamen zwei Arten vor, nämlich M. granulata und eine andere, nicht näher bestimmte. An 226 Fäden war erstere mit 208, letztere mit 18 beteiligt. Coscinodiscus fand sich in 6440890 und Bacillaria paradoxa in 7388640 Individuen. Letztere Diatomee zeigt bei ihrer Zählung ziemlich abweichende Resultate, da mehrere Zellen an einander liegen und so Platten bilden, andere sind auseinandergefallen, so dass, wo einmal eine Bacillaria gefunden wird, ein ander Mal eine Platte, die aus mehreren Individuen besteht, sich vorfindet. In geringerer Anzahl war eine Surirella-Art vorhanden, nämlich 477570 pro 1 qm. Gegen Melosira tritt aber die Summe aller übrigen Diatomeen weit zurück.

[CIX] Wenn die Zahlen in folgendem auf 1 qm Oberfläche berechnet sind, so bedeutet dies stets eine Wassersäule vom Querschnitt 1 qm und einer Tiefe von 5 m.

Die zweite Hauptgruppe der Algen bildeten die Schizophyceen. Einzelne von diesen verursachen zu Zeiten die sogen. „Wasserblüte“. Sie sollen den Fischen verderblich werden, jedoch ist die Ursache davon noch unbekannt.

Vor allen trat Limnochlide flosaquae Ktz. hervor, es wurden von ihr unter 1 qm Oberfläche 96530000000 Fäden gefunden, von denen 20 = 294 Zellen enthielten, so dass wir fast 1½ Billion Zellen erhalten. Die filtrierte Wassermenge betrug fast 0.5 cbm = 500 Millionen Kubikmillimeter, es fanden sich also in 1 cmm Wasser 2838 Zellen = 142 Fäden. Ihre Bedeutung für den Stoffwechsel ist mir nicht klar, es wäre aber möglich, dass die Sporen dieser Alge ebenfalls (siehe Diatomeen) den Tieren der Tiefenregion zur Nahrung dienen könnten.

Neben Limnochlide kamen noch mehrere Arten von Chroococcaceen vor. Sie sind im Protokoll einfach mit Coccus bezeichnet und mit einem Beinamen versehen, der auf die Form der Kolonie oder der einzelnen Individuen Bezug hat. Sie gehörten meist der Gattung Polycistis an, der sogenannte feinkörnige Coccus war P. ichthyoblabe. Dagegen ähnelte Coccus 1 (viereckig) mehr einer Merismopedia.

Die in Pikrinsäure konservierten Algen lassen aber nicht ihre natürliche Färbung erkennen und sind dann nicht mehr bestimmbar. Zusammen fanden sich 109824460 Kolonien, die einzelnen Individuen sind nicht zu zählen.

Zur Urnahrung müssen wir ferner, wie in der Einleitung erwähnt ist, die Peridineen rechnen. Es waren im Fange drei Arten vorhanden, Ceratium tripos, C. fusus und Peridinium divergens. Diese drei Peridineen sind echte Meeresbewohner und es muss daher ihr Vorkommen im Süsswasser[CX] sehr auffallen. Ich vermutete daher zuerst, dass sie von früheren Fängen aus der westlichen Ostsee am Netze hängen geblieben waren, dieses war aber nicht der Fall, da, wie ich nachher erfuhr, ein ganz neues Netz zum Fischen verwendet war. Es müssen also sich die Peridineen dem Leben im Süsswasser angepasst haben. Der Salzgehalt im Stettiner Haff war so gering, dass er mit den Instrumenten nicht mehr gemessen werden konnte. Von den Peridineen, die bisher im Süsswasser gefunden wurden, sind keine beobachtet.

[CX] Hensen[105] führt auch an, dass Ceratium tripos von Pringsheim nahe bei Berlin gefunden ist, also im Süsswasser (S. 74).

Von den Protozoen finden wir im Plankton die Tintinnen. Dieses sind die niedrigststehenden Tiere, die durch einen Mund geformte Nahrung aufnehmen. Worin diese Nahrung besteht, ist nicht bekannt, Hensen[CXI] vermutet darunter der geringen Grösse der Tintinnen wegen noch kleinere Wesen, als bis jetzt nachgewiesen sind, und die regelmässig durch das Netzzeug hindurchschlüpfen. Tintinnen sind in zwei Arten im Fange vorhanden gewesen. Tintinnus ventricosus, der auch im Meere zahlreich vorkommt, war sehr häufig, auf 1 qm Oberfläche 1586040 Tiere, noch mehr war T. borealis Hensen[CXII] zu finden, eine neue Art, die eine Länge von nur 0.048 mm hat, und an Chaetoceros und anderen Organismen festsass. Von ihm waren 2881960 Individuen unter 1 qm Oberfläche.

[CXI] Hensen, [Planktonwerk] S. 71.