Die beiden Feuerkröten, Bombinator pachypus Bonap., mit gelbem Bauch und schwarzen Flecken, und Bombinator bombinus L., mit blauschwarzem Bauch und fast zinnoberroten Flecken, legen wie die Frösche ihren Laich klumpweise ab, sind auch fast ausschliesslich Wassertiere. Man findet sie mehr in gebirgigen Gegenden als in der Ebene, besonders in lehmhaltigen Tümpeln, welche sie, sobald sie sich beobachtet sehen, durch Aufwühlen des Bodens trübe machen und sich dadurch dem Auge des Beobachters entziehen.
Die bekannten Vertreter aus der Familie der Bufoniden sind die gemeine Kröte, volkstümlich „Ütze“, auch „Pädde“ genannt, Bufo vulgaris Laur.; die Kreuzkröte, Bufo calamita Laur., und die Wechselkröte, Bufo variabilis Pall. Nur zur Laichzeit trifft man sie zahlreich beisammen in stehenden Gewässern und vernimmt dann schon aus der Ferne ihren Unkengesang. Die Laichzeit beginnt oft schon im April und dauert gewöhnlich nur kurze Zeit; einzeln trifft man sie auch noch im Mai in der Begattung. Mit Vorliebe wählen sie mit Rohr bewachsene Tümpel und Gräben und man kann in denselben den Laich, welcher in Schnüren abgesetzt wird, um die Stengel geschlungen sehen. Bei Bufo vulgaris erreichen die Laichschnüre oft eine Länge von einigen Metern, die einzelnen Eier (oft mehrere Tausend) sind etwas schräg gestellt und dreireihig angeordnet. Beim Absetzen der Eier wird die Schnur bedeutend ausgedehnt und erscheint sie dann oft zwei-, ja sogar nur einreihig. Die jungen Kaulquappen schlüpfen gewöhnlich nach vierzehn Tagen aus und man trifft sie dann zu Tausenden im Wasser umherschwimmend. Die Eier in der 3–4 m langen Laichschnur von Bufo variabilis Pall. sind spiralig angeordnet und erscheinen daher bei einer oberflächlichen Betrachtung, als ob sie regelmässige Dreiecke bildeten. Bufo calamita Laur. setzt eine zweireihige dünne Laichschnur ab.
Aus der Abteilung der Discodactylia gehört schliesslich noch hierher der gemeine Laubfrosch, Hyla arborea L. Dieses muntere und zierliche Tier trifft man gewöhnlich nur einzeln auf den Blättern von Bäumen und Sträuchern an. Er weiss seine Farbe aber dem Blatte, auf welchem er sitzt, so anzupassen, dass er in den meisten Fällen von dem Beobachter übersehen wird. Anfang Mai jedoch, zur Paarungszeit, trifft man sie in grösserer Zahl bei einander und mit Vorliebe wählen sie alljährlich denselben Laichplatz wieder. Es sind gewöhnlich flache, etwas lehmige Tümpel, in denen sie ihren Laich, wie die echten Frösche, klumpweise absetzen, und auch nach beendeter Laichzeit trifft man sie dann noch einige Tage an den Ufern im Grase oder auf dem unmittelbar am Wasser stehenden Gesträuch.
Lassen wir nun auch noch die Urodelen, welche ebenfalls zur Laichzeit unsere süssen Gewässer bewohnen, im Geiste an uns vorüberziehen. Wir bemerken da zuerst den stattlichsten aller Molche, den Feuersalamander, Salamandra maculosa Laur. In den feuchten gebirgigen Teilen unseres Vaterlandes trifft man diesen langsamen, plumpen Molch zur Abendzeit gar nicht selten an. Viel schwieriger ist er in unseren Ebenen, von wo auch einzelne Aufenthaltsorte bekannt sind, aufzufinden. Bei uns treffen wir ihn nur in den allersumpfigsten dunkeln Wäldern und dort nur unter oder in alten halb vermoderten Baumstümpfen. Das Verbreitungsgebiet im Nordwesten ist ein eigentümliches. Bekannt ist er z. B. aus einzelnen feuchten Waldungen der Geest, welche auf der Wasserscheide zwischen Ems und Weser sich befinden. Aus dem Gebiete zwischen Weser und Elbe dagegen ist bislang kein Fundort bekannt. Es ist möglich, dass sein nächtliches und verstecktes Leben in den feuchten Wäldern, denn nur diese kommen für unsere Ebene in Betracht, ihn bislang noch vor dem weiteren Auffinden in unserm Nordwesten bewahrt hat. Aus den Eiern, welche in Waldtümpeln im Mai abgesetzt werden, schlüpfen die fast völlig ausgebildeten Larven aus.
Eine ebenfalls eigentümliche Verbreitung haben die Tritonen speziell in unserm Nordwesten. Die vier bekannten deutschen Arten sind sämtlich hier vertreten. Es sind der grosse Kammolch, Triton cristatus Laur.; der kleine Wassermolch, Triton taeniatus Schneider; der Alpenmolch, Triton alpestris Laur., und der Schweizermolch, Triton helveticus Razoumowsky. Die beiden ersten finden sich zur Laichzeit im April fast in jedem lehmigen Graben und Tümpel. Triton alpestris Laur. dagegen ist nur ziemlich häufig an einzelnen Orten der Oldenburger Geest; zwischen Weser und Elbe ist er nicht sicher nachgewiesen; aus dem Hamburger Gebiete dagegen ist er wieder bekannt. Noch eigentümlicher ist die Verbreitung unseres Triton helveticus Razoum. Von demselben hat Verfasser nur einen Fundort, und zwar auf der rechtsseitigen Wesergeest, aufzufinden vermocht, obgleich zur Laichzeit seit fast zwei Dezennien viele Lokalitäten nach diesem seltenen Gaste durchsucht sind. Der fadenförmige Schwanzanhang, sowie die starken Schwimmhäute der Hinterfüsse des Männchens und die Mittelleiste des Rückens statt des Flossensaumes bei den anderen Arten sind so charakteristische Unterscheidungsmerkmale, dass er bei aufmerksamem Beobachten gar nicht mit den anderen verwechselt werden kann. Die Tritonen legen ihre Eier gewöhnlich im April, in milden Frühjahren oft schon im März, einzeln an Pflanzen, Laub, Stengeln u. dergl. im Wasser ab. Die Larven haben ihre volle Entwickelung gewöhnlich Ende des Sommers erreicht, alsdann verlieren sie auch die äusseren Kiemen, oft trifft man aber auch noch im Winter und im folgenden Frühjahre vollständig ausgebildete Tritonen mit den äusseren Kiemen. Verfasser traf in einem Tümpel fast alljährlich zur Laichzeit im April 6 bis 10 cm lange Exemplare von Triton cristatus Laur. mit noch vollständig ausgebildeten äusseren Kiemen.
Den deutschen Süsswasserfischen und ihren Lebensverhältnissen ist in diesem Bande schon eine eingehende Abhandlung gewidmet. Wenn im folgenden auch noch wieder von den Fischen die Rede sein soll, so geschieht es nur zu dem Zwecke, dem Naturbeobachter auch hier ein Bild einer lokalen Fischfauna des süssen Wassers zu geben, um daran zu zeigen, welche Arten an bestimmten Lokalitäten zu finden sind. Zuerst möge das Bild einer Flussfischfauna, sodann das eines Geestsees und endlich das eines Moorsees folgen. Der Fischreichtum in unserer Weser — ich habe dabei das Gebiet etwa eine Meile unter- und oberhalb Vegesack im Auge — ist ein ziemlich bedeutender. Von den Barschen finden sich ziemlich häufig der Flussbarsch, Perca fluviatilis L., sowie der Kaulbarsch, Acerina cernua Cuv. In grossen Mengen ist im Frühjahre in allen Buchten der gemeine Stichling, Gasterosteus aculeatus L., zu beobachten. Ebenso wird recht häufig die schmackhafte Quappe, Lota fluviatilis Bl., gefangen. Von den Pleuronectae ist Platessa flesus, der kleine Wasserbutt, fast nur im ersten Jugendstadium, etwa 2–4 cm gross, vorhanden. Einzeln kommen auch den Weserfischern der Karpfen, Cyprinus carpio L., die Karausche, Carassius vulgaris L., die Schleihe, Tinca vulgaris Cuv., und die Barbe, Barbus fluviatilis Cuv., ins Netz. Letztere gehört allerdings mehr dem oberen Flussgebiete der Weser an. Zwischen den einzelnen Schlengen und in den flachen Ausbuchtungen ist sehr häufig der zierliche Gründling, Gobio fluviatilis Cuv., zu finden. Zu den gewöhnlichsten und am meisten von den Fischern gefangenen Fischen gehören der Alander, Leuciscus Idus Selys-Long., der Rotflossen, Leuciscus erythrophthalmus Valenc., der Döbel, Leuciscus Dobula Valenc., das Rotauge, Leuciscus rutilus Agassiz, der Bresen, Abramis Brama L., und der Schnäpel, Abramis vimba L. Auch wird einzeln der Lachs, Trutta salar L., und die Lachsforelle, Trutta trutta L., gefangen. In grossen Zügen erscheint im Januar, Februar und auch noch im März der Stint, Osmerus eperlanus Art. An Individuenzahl hat in den letzten Jahren der Tielemann, Corregonus oxyrrhynchus L., bedeutend abgenommen, ebenso der Maifisch, Alosa vulgaris Cuv. Letzterer wird jetzt viel weiter weserabwärts gefangen. Häufige Bewohner der Weser dagegen sind der Hecht, Esox lucius L., und der Aal, Anguilla anguilla L. — Alljährlich wird in einzelnen, oft recht stattlichen Exemplaren auch der Stör, Acipenser sturio L., gefangen. Von den Rundmäulern sind beide Neunaugen, die Lamprete, Petromyzon marinus L., und das Flussneunauge, Petromyzon fluviatilis L., zu den Weserbewohnern zu rechnen. Erstere ziemlich selten, letztere dagegen häufig. Gefangen werden die Neunaugen vom Dezember bis zum Februar.
Zum Vergleich möge nun eine Aufzählung der Fische folgen, welche im Zwischenahner Meere, einem auf der Geest gelegenen grossen See, leben. Bekannt aus diesem „Meere“ sind: Der Barsch, Perca fluviatilis L.; der Kaulbarsch, Acerina cernua Cuv.; der Stichling, Gasterosteus aculeatus L., und der kleine Stichling, Gasterosteus pungitius L.; die Quappe, Lota fluviatilis Bl.; der Schlammpeitzger, Cobitis fossilis L.; der Karpfen, Cyprinus carpio L.; die Karausche, Carassius vulgaris L.; die Schleihe, Tinca vulgaris Cuv.; der Gründling, Gobio fluviatilis Cuv.; der Alander, Leuciscus Idus Selys-Long.; der Rotflossen, Leuciscus erythrophthalmus Valenc.; das Rotauge, Leuciscus rutilus Agass.; der Brassen, Abramis Brama L.; der Weissfisch, Abramis Blicca Agass.; der Lachs, Trutta salar L.; die Lachsforelle, Trutta trutta L.; der Stint, Osmerus eperlanus Art.; der Hecht, Esox lucius L., und der Aal, Anguilla anguilla L.
Und endlich ein Verzeichnis der Fische des Balk-Sees, eines mitten im Moore gelegenen 800 Morgen grossen Wasserbeckens. Häufig werden dort der Sandard, Lucioperca sandra Cuv.; Perca fluviatilis L., der Barsch; Lota fluviatilis Bl., die Quappe; Tinca vulgaris Cuv., die Schleihe; Abramis brama L., der Brassen; Esox lucius L., der Hecht; Anguilla anguilla L., der Aal, und vereinzelt auch Cyprinus carpio L., der Karpfen, gefangen.
Was die Mollusken anlangt, so ist denselben in diesem Bande schon ein längerer Aufsatz gewidmet. Im folgenden soll deshalb dem Naturbeobachter nur gezeigt werden, was er im und am Süsswasser von dieser Tierklasse auffinden kann. Von den Nacktschnecken findet man auf den Inseln der Flüsse, an den Ufern unter Genist und Steinen die schwarze Theerschnecke, Arion empiricorum Fér., Arion fuscus Müller, den gefrässigen Limax agrestis L. und den zierlichen braunen Limax brunneus Drap. Unter feuchten und faulenden Weidenblättern lebt die glänzende Hyalina nitida Müller. An den Schlengen Helix hispida L.; Helix rubiginosa Zgl.; Helix liberta West. und besonders häufig da, wo Aster salicifolius Scholler wächst, Helix arbustorum L. In Gesellschaft mit Hyalina trifft man Cionella lubrica Müll.; Cionella lubricella Zgl.; Cionella acicula Müll.; Pupa antivertigo Drap. und Carychium minimum Müll. An den Pflanzen am Wasser ist sehr häufig Succinea putris L. (die Bernsteinschnecke) mit ihren zahlreichen Varietäten, an Pflanzen im Wasser ebenso häufig Succinea Pfeifferi Rossm. und am Boden Succinea oblonga Drap. Von den eigentlichen Wasserschnecken findet der Naturfreund eine ganze Reihe: zunächst die zahlreichen Limnaeen, von der grossen Limnaea stagnalis L. bis zur kleinsten Limnaea truncatula Müll., dann die eigenartig gewundenen Tellerschnecken, Planorbis; die Napfschnecken, Ancylus; ferner eine Reihe von Paludinen, Bythinien, Bythinellen und Valvaten, darunter in der Weser und Elbe die seltene Valvata fluviatilis Colbeau, ferner Neritina fluviatilis L. Von den Lamellibranchien gehören die sämtlichen Unionen, Margaritana, Anodonten, Sphaerien und Pisidien hierher und endlich die seit 1828 in Deutschland bekannte, aus dem Osten eingewanderte Dreyssena polymorpha Pall. Es würde zu weit führen, die sämtlichen Süsswasserschnecken und Muscheln hier eingehender zu behandeln und es möge genügen, im obigen auf die zahlreichen Vertreter dieser Gruppe hingewiesen zu haben. Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die neuerdings aus dem Osten eingewanderte Süsswasserschnecke, Lithoglyphus naticoides Fér., welche vor einigen Jahren zuerst in der Weichsel aufgefunden wurde, dann etwas später auch in der Umgegend von Berlin und Küstrin entdeckt ist und schliesslich auch bei Rotterdam nachgewiesen ist. Bislang war sie nur bekannt aus dem südöstlichen Deutschland und aus den Flussgebieten des Schwarzen Meeres.
Werfen wir nun noch einen flüchtigen Blick auf die Vertreter der niederen Tierklassen, so kann man sich nicht genug wundern über die Menge und Mannigfaltigkeit der niederen Geschöpfe. In einem kleinen Raume, den das Auge bequem mit einem Male übersehen kann, welche Vielfachheit der Gestalten, welches Spiel der Farben, welche Emsigkeit in ihrem Leben und Weben, welch ein Huschen und Flattern, welch ein Springen und Hüpfen an Blüte und Strauch, auf Stein und Boden. In dem von der Flut eben zurückgelassenen Geniste wimmelt es von verschiedenen Käferarten. Hier sieht man die hurtigen Tachys, dort huschen von dannen Nebria- und Elaphrus-Arten; hier über Pflanzenstengel und Gestein, bald drüber, bald drunter weg, eilen Blethisa, Bembidium, Panagaeus und manch andere Arten der kleinen und kleinsten Läufer. Dort erscheinen an der Oberfläche des Wassers Dytisciden und Hydrophiliden. Hier tummeln sich im buntesten Durcheinander die lebendigen und nimmer rastenden Gyriniden. Auf den Blüten der Aster und am Weidengesträuch schwirren die Canthariden und an ebendenselben Pflanzen kriechen die bedächtigen Curculioniden. Auf den Blüten der Umbelliferen tummeln sich die graziösen Cerambiciden. Hier wiegen sich auf schwankendem Rohr die metallisch glänzenden Donacien und dort auf beweglichen Grashalmen schaukeln sich die oft in den herrlichsten Farben schillernden Chrysomeliden. Auf den Blüten von Cirsium oleraceum Scop. gaukeln bunte Falter. Raschen Fluges von Blüte zu Blüte, nirgends lange verweilend, eilen die Sesien dahin; dort sitzt bedächtig an einer Weide, die Flügel übereinandergeschlagen und den Abend erwartend, der Weidenbohrer, Cossus ligniperda F., und neben ihm läuft hastig bald auf bald ab am Stamme der Moschusbock, Aromia moschata L. Hier schwirren über die Wasserfläche die schlanken Agrion-Arten, dort sieht man bald am Rohr sitzend, bald raschen Fluges dahinschwirrend die stattlichen Aeschna- und Libellula-Arten. Über dem Wasser, besonders an warmen Sommerabenden, treiben Hunderte von Fliegen und Mücken ihr lustiges Spiel. Über die Wasserfläche eilen die flinken, langbeinigen Hydrometriden und unter Steinen treiben die lichtscheuen Myriapoden ihr Wesen, daneben hüpfen von Blatt zu Blatt, von Stein auf Stein die bunten Thysanuren. Überall regt sich Leben, am Rohr und im Gras, auf Blüte und Strauch, auf der Wasserfläche und am Grunde des nassen Elements, im Geniste und auf dem Sande des Ufers; ein Leben, welches den Naturfreund fortdauernd mit Wissbegier erfüllt und ihn anspornt, sich den noch unerforschten Problemen desselben mit Eifer zu widmen.