Während des Herbstzuges sind auf den Platen die Blaumeise, Parus coeruleus L., der Krammetsvogel, Turdus pilaris L., und die Weindrossel, Turdus iliacus L., gar nicht selten anzutreffen. Selbst der grosse Würger, Lanius excubitor L., erscheint einzeln auf den alten Weidenstümpfen, um sich nach einem leckeren Mahle umzusehen. Der Volksmund hat ihn sehr treffend mit „Radäkster“ bezeichnet. In seinem Äussern hat er eine entfernte Ähnlichkeit mit der Elster und er macht an freistehenden Zweigen oft radförmige Bewegungen. Dieser im Fliegen ziemlich ungeschickte Räuber sucht seine Beute zu überlisten. Er sitzt bald auf den Zweigen, bald hängt er mit halbausgebreiteten Flügeln unter denselben, bald macht er radförmige Bewegungen um dieselben. Die kleinen arglosen Vögel werden durch dieses wunderliche Gebahren herangelockt, setzen sich auf die benachbarten Sträucher, oft ganz in seine Nähe, um diesem tollen Treiben zuzusehen, und im unbemerkten Augenblicke werden sie von diesem arglistigen Räuber gefangen. Seine erwischte Beute spiesst er oft auf Dornen, um sie dann stückweise und nach Bedarf zu verzehren.
Auch die Familie der Finken schickt ihre Vertreter an die Gewässer. Auf dem Frühjahrszuge bemerken wir den Flachsfinken, Acanthis linaria Bp.; zur Herbstzeit treffen wir den Berghänfling, Linota montium Bp.; ebenso den Stieglitz, den muntersten und schönsten seiner Sippschaft, Carduelis elegans Steph.; den ungeschickten, im Baue etwas plumpen Grünling, Chlorospiza chloris Bp.; selbst „Jochen“, der wohl mit Unrecht so sehr gescholtene Strauchdieb und Gassenbube, der Sperling, Passer domesticus Koch, dem sogar der Ausrottungskrieg angekündigt werden soll, mischt sich unter die Gäste auf den Inseln und Platen. Wenn man aber diesen, allerdings bei vielen gehassten munteren und kecken Burschen während der Brütezeit beobachtet, wie er von Zweig zu Zweig, von Blatt zu Blatt, von Blüte zu Blüte die Obstbäume absucht, um die heisshungrigen Jungen zu befriedigen, die er fast ausschliesslich mit Kerbtieren und deren Larven füttert, dann muss man ihm doch wohl etwas freundlicher gesinnt werden, denn der Nutzen, den er dadurch unseren Obstgärten zuwendet, ist jedenfalls ein recht bedeutender und hebt gewiss einen grossen Teil seines Schadens auf. Nehmen sie zu sehr überhand und fügen sie später den Kornfeldern und Erbsenäckern zu grossen Schaden zu, so möge man sie im Herbste dezimieren, aber jedenfalls nicht zur Brutzeit, denn dann gerade stiften sie Nutzen. Ebenso thöricht ist es, die junge Brut zu zerstören, die gerade der Kerbtiere zu ihrer Nahrung bedarf.
Zu Tausenden und Abertausenden sind die Staare, Sturnus vulgaris L., im Spätsommer und zur Herbstzeit in den Flussniederungen, in den Rohrfeldern an Flüssen und Seen nach beendigtem Brutgeschäfte anzutreffen. Gegen Abend sieht man sie in dichten Wolken, bald nahe über dem Boden, bald hoch durch die Lüfte umherziehen, dann in die grossen Rohrfelder einfallen, um dort ihre Nachtruhe zu halten.
Ganz buntfarbig ist zur Herbstzugzeit das Bild der Sumpf- und Schwimmvögel. Da treffen wir den nordischen Kiebitzregenpfeifer, Squatarola helvetica Cuv.; den Goldregenpfeifer, Charadrius pluvialis L.; den Halsbandregenpfeifer, Pluvialis hiaticula Briss.; den gravitätisch einherstolzierenden Austernfischer, Haematopus ostralegus L.; die rasch über die Sandflächen dahintrippelnden Wasserläufer, Totanus glottis Bechst., Totanus fuscus Leisl., Totanus glareola Temm., Totanus ochropus Temm.; die zierlichen, blitzschnellen Strandläufer, Tringa subarquata Temm., Tringa alpina L., Tringa minuta Leisl. und Tringa Temminckii Leisl. Auch die stumme Bekassine, Telmatias gallinula Boie, gesellt sich hinzu.
Truppweise in Flügen zu dreien und vieren besuchen im August und September auch die „Unwährsvögel“, Numenius arquata Latham, ihr Flussrevier. Im Volksmunde führt dieser Vogel den Namen „Gütvoagel“ nach seinem eintönigen Rufe, der etwa wie „tlaüd, tlaüd“ klingt, oder „Unwährsvoagel“; denn meistens, wenn diese Vögel abends ziehen und ihren weitklingenden Ruf ertönen lassen, giebt es schlechtes Wetter, Unwetter. Ganz besonders zahlreich erscheinen zur Zugzeit die Gänse, Anser cinereus W. u. M., die Graugans, und Anser segetum Bechst, die Saatgans — vereinzelt findet sich auch darunter die Blässgans, Anser albifrons Gm., und die Ringelgans, Bernicla brenta Pall. — in den Flussniederungen und es wird in manchen Jahren eifrig Jagd auf die sehr scheuen Tiere gemacht. Doch selten wird in den Ebenen die Jagd mit Erfolg gekrönt, da die ausgestellten Posten den Jäger gewöhnlich viel zu früh wittern. Ehe derselbe zum Schuss kommen kann, geht die ganze Schar auf und davon. Günstiger ist der Erfolg, wenn mehrere Jäger sich verabreden und eine solche Fläche, auf welcher sich ein Gänseschwarm niedergelassen hat, unbemerkt umstellen können; dann treten plötzlich an der einen Seite die Jäger vor, die Gänse streichen sofort nach der entgegengesetzten Richtung ab und kommen nun den dort versteckt stehenden andern in die Schusslinie.
Sehr zahlreich erscheinen auch im Herbst die Vertreter der Entenfamilien. Da können wir an unseren Gewässern beobachten die schöne Brand-, Fuchs- oder Höhlenente, Vulpanser tadorna Pall.; die Schnatterente, Anas strepera L.; die Spiessente, Anas acuta L.; die Pfeifente, Anas Penelope L.; die Tafelente, Fuligula ferina L.; die Reiherente, Fuligula cristata Ray; die Bergente, Fuligula marila L.; die schöne Schellente, Glaucion clangula K. u. Bl.; die Eisente, Harelda glacialis Leach, und die stattliche Trauerente, Oidemia nigra Flemm. An manchen Flüssen und Inseln werden zur Zugzeit in eigens dazu angelegten Entenfängen oder in Entenhütten Hunderte dieser schmackhaften Schwimmvögel erlegt und liefern den Uferbewohnern eine nahrhafte und billige Fleischspeise. Auch der kleine Säger, Mergus albellus L.; der grosse Säger, Mergus merganser L., und der mittlere Säger, Mergus serrator L., erscheinen zur Herbstzeit auf den Binnengewässern. Einzelne Möven, Rissa tridactyla Leach, die dreizehige Möve; Larus canus L., die Sturmmöve; Larus argentatus Brünn., die Silbermöve — letztere fast nur im Jugendkleide —; ganz vereinzelt die grosse, stattliche Mantelmöve, Larus marinus L., und die mittlere Raubmöve, Lestris pomarina Temm., halten sich vorübergehend an unseren Binnengewässern auf. Und endlich trifft man auch noch den rotkehligen Taucher, Eudites septentrionalis Ill.; den Polartaucher, Eudites arcticus Ill., sowie den gehörnten Lappentaucher oder arktischen Steissfuss, Colymbus cornutus L., zur Herbstzeit auf den grösseren, mit Rohr bewachsenen Binnengewässern und Flüssen an.
Nachdem wir so in der Ornis Umschau gehalten haben nach dem, was der Naturfreund an Flüssen und Seen, auf Inseln und Groden von der befiederten Welt antreffen kann, wollen wir im Folgenden die Kaltblüter Revue passieren lassen. Die Klasse der Reptilien ist bald abgefertigt, denn hier kann es sich höchstens um ein Tier handeln, welches in dem oben bezeichneten Gebiete vorkommt. Es ist die europäische Sumpf-Schildkröte, Emys europaea Gray, welche in den Seen und Flussgebieten des baltischen und karpatischen Höhenrückens in Sachsen, Schlesien, Mecklenburg, Brandenburg u. s. w. gelegentlich, aber nicht gerade sehr häufig, vorkommt. Ihre Verbreitung im nördlichen Deutschland mag eine grössere sein, als augenblicklich allgemein angenommen wird, da sie sich durch ihre versteckte Lebensweise — am Grunde der Gewässer — dem Beobachter entzieht. Meistens wird in den bekannten Gebieten ihr Vorkommen durch frei auf der Wasseroberfläche schwimmende Fischblasen verraten. Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Fischen und ist sie daher der Fischzucht sehr schädlich. Die Vermehrung geschieht durch Eier, welche das Weibchen ausserhalb des Wassers im Mai in selbstgegrabenen kleinen Gruben ablegt. Aus dem Ei entwickelt sich das vollkommene Reptil ohne Metamorphose.
Die Amphibien gehören sämtlich dem Süsswassergebiete an, wenigstens zur Paarungszeit und in ihrem Kaulquappenzustande. Von den fünf deutschen Froscharten, dem braunen Grasfrosch, Rana fusca Rösel; dem Moorfrosche, Rana arvalis Nilsson; dem grünen Wasserfrosche, Rana esculenta L.; dem Seefrosche, Rana fortis Boulenger, und dem Springfrosche, Rana agilis Thomas, ist der letztere im nördlichen Deutschland noch nicht nachgewiesen worden. Ihren Laich legen sie klumpweise ab und sind auch nur dann, während der Begattungszeit, zahlreich bei einander und leicht zu fangen. Sie lassen sich bei der Begattung, ohne sich zu lösen, aus dem Wasser heben, ja zwei Pärchen von Rana arvalis, welche Verfasser in Spiritus abtötete, liessen auch im Tode nicht von einander und zieren jetzt in dieser Stellung die städtischen Sammlungen in Bremen.
Bedeutend schwieriger ist die Geburtshelferkröte, Alytes obstetricans Wagl., zu beobachten. Diese Art lebt das ganze Jahr hindurch in tiefen Erdlöchern, aus denen sie spät abends zum Vorschein kommt, und nur auf ganz kurze Zeit begiebt sich das Männchen ins Wasser, um die um die Hüften gewickelte Eierschnur, aus welcher dann sehr bald die jungen Larven ausschlüpfen, abzustreifen. Am leichtesten findet man ihre Verstecke, wenn man abends sich genau den Ort merkt, von welchem der helle, flötenartig klingende Ruf, der an den Ton, welcher durch Anschlagen an eine Glasglocke hervorgebracht wird, erinnert, herüberschallt, und nun am folgenden Tage die Erdhöhlen, Spalten, Steinhaufen u. s. w. in dem betreffenden Reviere untersucht.
Auch die Knoblauchkröte, Pelobates fuscus Wagl., ist schwer zu beobachten, da sie den Tag über versteckt in der Erde lebt und nur zur Nachtzeit hervorkommt. Zur Paarungszeit im April geht sie ins Wasser und man trifft dann, wenn man einen solchen Laichplatz einmal ausgekundschaftet hat — sie wählen alljährlich denselben Laichplatz wieder —, immer eine grössere Anzahl beisammen, aber fast immer am Boden der Gewässer. Ihren Laich setzen sie schnurweise ab. Die Larven dieser Art sind von allen Anuren-Larven die grössten und erreichen etwa die Länge eines Decimeters. Schon an den Larven, die mit denen keiner anderen Art verwechselt werden können, lässt sich die Spezies identifizieren.