Oben. Sl. Unten.

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II

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III

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IV

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V

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VI

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VII

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VIII

Zum Verständnis desselben braucht wohl nur bemerkt zu werden, dass Sl. die Seitenlinie, die römischen Ziffern die Hinterleibsringe und die arabischen Ziffern die Anzahl der Kiemenfäden bedeuten, welche teils nahe dem Vorder-, teils nahe dem Hinterrande, und zwar nahe der Seitenlinie oder weiter nach oben oder unten stehen. Am ersten Hinterleibsringe stehen keine Tracheenkiemen, dagegen in der Mitte oben und an jeder Seite je ein vorstülpbarer Fleischzapfen; am letzten Hinterleibsring befinden sich seitlich zwei kurze derbe Chitinhaken und in der Mitte in einem länglichen Spalt der After. Mit den Chitinhaken des Hinterleibsendes halten sich die Tiere recht erfolgreich im Gehäuse fest. Erwachsen kriechen die Larven langsam im Wasser umher; jugendliche Phryganiden-Larven habe ich fast immer — ob freilich solche unserer Art dabei waren, ist ungewiss — daneben lebhaft mit Hilfe der langen, stark bewimperten Hinterbeine umherschwimmen sehen. Solche jugendliche, wohl eben dem Ei entschlüpfte Larven sind übrigens von den älteren noch durch den Mangel an Tracheenkiemen unterschieden, so dass sie ganz auf Hautatmung angewiesen sind.

Dass die Atmung bei den älteren Larven durch Tracheenkiemen und daneben wohl durch die zarte Hinterleibshaut geschieht, ist oben schon angedeutet worden. In Beziehung zur Atmung dürfte auch die sogenannte Seitenlinie, d. h. der beiderseitige Wimpersaum des Hinterleibes stehen, wenigstens wenn sie stärker entwickelt ist. Bei durchsichtigen Phryganiden-Gehäusen sieht man nämlich oft, besonders wenn das Wasser sauerstoffarm ist, die Larve den Hinterleib in der Mittelebene schwingen, höchst wahrscheinlich, um das den Körper umspülende Wasser schneller zu erneuern. Die Seitenlinie macht nun, indem sie den Hinterleib verbreitert, dieses Verfahren sicher wirksamer. Auch die Fleischzapfen des ersten Hinterleibsringes finden dabei ihre Verwendung; der Körper wird durch sie mehr in der Mitte des Gehäuses gehalten, ein allseitig den Körper umspülender Wasserstrom also wohl dadurch erleichtert. Wenn übrigens das Wasser recht schlecht zur Atmung wird, so sieht man die Larven vorn weit aus dem Gehäuse kommen und nun lebhaft in gleicher Richtung wie im Gehäuse das Wasser schlagen.

Dass die Phryganiden-Larven wie die Raupen vorherrschend Pflanzenfresser sind, kann man leicht beobachten; doch lässt sich auch unschwer feststellen, dass sie keineswegs Fleischkost, lebende und tote Tiere, deren sie habhaft werden können, verschmähen. Hat man einer Larve das Gehäuse genommen, so ist man nicht sicher, ob dieselbe nicht in kurzer Zeit von ihres Gleichen angefressen wird.

Zur Verpuppung spinnt unsere Larve wie die meisten anderen Phryganiden-Larven das Gehäuse an Wasserpflanzen oder Steinen etc. fest, schliesst die Öffnungen durch ein Gitterwerk von Fäden, denen noch Stengelstückchen angeklebt sind, so dass einerseits Feinde dadurch abgehalten werden und anderseits das Atemwasser hindurchspülen kann.

Die Puppe ([Fig. 8], 18) bietet mit ihren frei abstehenden Fühlern, Beinen und Flügeln, mit den stark auffälligen Augen und gekreuzten, hakenförmigen Oberkiefern, mit den weissen, fädigen Tracheenkiemen und der schwarzen, mächtig entwickelten Seitenlinie am Hinterleib einen seltsamen Anblick dar. Die nach dem Geschlecht verschiedene Gestaltung der Hinterleibsanhänge und die Zahl und Verteilung der Dorne an den Beinen geben zusammen mit dem Kiemenschema wichtige Anhaltspunkte zur Unterscheidung der Gattungen und Arten. Dass auch hier die Seitenlinie gleiche Bedeutung für die Atmung hat wie die oben beschriebene, scheint mir zweifellos. Die Atmungsbewegungen der Puppen kann man unschwer beobachten.

Hält man die Puppen im Zimmer, so steht Einem unmittelbar vor dem Ausschlüpfen der Köcherfliege noch eine seltsame Beobachtung bevor. Die Puppen kommen eines Tages aus dem Gehäuse, indem sie die Oberkiefer zum öffnen benutzen, und schwimmen mit dem bewimperten zweiten Beinpaar oder kriechen mit Hilfe der beiden vorderen Beinpaare lebhaft umher, bis sie eine geeignete Stelle an der Oberfläche für das Ausschlüpfen gefunden haben. Die ausgeschlüpften Insekten, denen die Oberkiefer der Puppen fehlen, sehen so schmetterlingsartig und im besondern mottenartig aus, dass sie von Laien wohl stets für Motten gehalten werden. Das Fehlen des Saugrüssels, die Aderung der Flügel und die Faltung der Hinterflügel können zur Unterscheidung von den Schmetterlingen dienen.

Der Laich der Phryganiden — den unserer Art im besondern kenne ich nicht — bildet meist eine grosse, oft ringförmige Schleimmasse, in der die Eier eingebettet liegen; leicht kann derselbe mit Schneckenlaich verwechselt werden. —

Ist diese Larvenform der Köcherfliegen auch die unbedingt vorherrschende im Tieflande, so möchte ich doch nicht ganz den Vertreter des zweiten unter den Phryganiden-Larven vorhandenen Typus übergehen, welchen ich um Berlin mehrfach, besonders auch an Stratiotes, angetroffen habe. Nach Vergleich mit den Abbildungen und Angaben von Klapalek gehört diese Larve zur Gattung Polycentropus (Unterfamilie Rhyacophilidae). Der auffälligste Unterschied der ziemlich durchsichtigen, etwas grünlich und rötlich gefärbten Larve gegen die des ersten Typus bildet das Fehlen eines Gehäuses und der Tracheenkiemen. Die Larve ist ein Hautatmer[XLII].

[XLII] Es ist bemerkenswert, dass keine Neuropteren-Larve des Wassers durch Luftlöcher atmet, während das in allen früheren Ordnungen ein recht häufiger Fall war.