Es fehlen auch die Seitenlinie und die Fleischzapfen des ersten Hinterleibsringes, was nach unserer obigen Deutung beim Fehlen des Gehäuses ohne weiteres verständlich ist. Die Chitinhaken am Unterleibsende stehen dagegen auf langen, zweigliedrigen „Nachschiebern“; die Larven gebrauchen dieselben besonders, wenn sie beunruhigt werden und sich dann unter medianen Schwingungen des Hinterleibes rückwärts in Sicherheit zu bringen suchen[XLIII].

[XLIII] Eine derartige Rückwärtsbewegung der Larven, sobald sie beunruhigt werden, scheint im ganzen Gebiet der Netzflügler, gleichgültig ob die Larven im Wasser leben oder nicht, die allgemeine Regel zu sein.

Mangelt den Larven auch das Gehäuse, so heften sie doch mit Hilfe der Spinnmasse an Blättern einzelne Gegenstände derart fest, dass ein gedeckter Gang entsteht, der ihnen als Zufluchtsort dient. Zur Zeit der Verpuppung wird dann eine festere Schutzhülle hergestellt. Die Puppe ist mit Tracheenkiemen und Seitenlinie versehen.

Eine Mittelstellung zwischen den beiden obigen Typen nehmen die Larven der Gattung Hydropsyche ein, die in stärker fliessenden Gewässern, z. B. hier in der Panke, an und unter den Steinen des Bodens leben. Sie haben ebenfalls kein Gehäuse, welches sie mit sich herumtragen, sondern fertigen sich aus grösseren und kleineren Sandkörnern Gänge an den Steinen, dagegen besitzen sie büschelförmige Tracheenkiemen. Abweichend von der oben beschriebenen Verteilung der Kiemen bei Limnophilus, stehen dieselben hier nur auf der Unterseite von Brust und Hinterleib. Die Nachschieber sind von ähnlicher Länge wie bei Polycentropus und durch ein starkes, auffälliges Borstenbüschel an der Ansatzstelle der Krallen ausgezeichnet.

Zur Verpuppung wird auch von diesen Larven ein besonderes Schutzgehäuse hergestellt.

Die übrigen Neuropteren.

In den übrigen Familien der Netzflügler giebt es nur noch vereinzelte Gattungen, deren Larven im Wasser leben, nämlich die Gattungen Sialis, Sisyra und Osmylus. Häufiger habe ich davon nur die Sialis-Larven angetroffen und zwar stets am Boden stehender, mit Schlammgrund versehener Gewässer. Man muss schon mit dem Netz etwas Schlamm mitfassen, wenn man die Larven fangen will. Die Ähnlichkeit mit den Phryganiden-Larven ist nicht zu verkennen. Nur der Kopf, die Beine und die Brustringe sind stärker chitinisiert, der Hinterleib ist zarthäutig und an den sieben ersten Ringen mit je einem Paar verhältnismässig starker, gefiederter und gegliederter Tracheenkiemenfäden versehen. Das Ende des Hinterleibes läuft in eine einzelne kräftige, gefiederte Endborste aus.

Ausser der abweichenden Bildung der Tracheenkiemen und des Hinterleibsendes kann zur Unterscheidung von den Phryganiden-Larven auch der Umstand dienen, dass der Kopf deutliche, mehrgliedrige Fühler trägt. Die Mundteile, besonders die Oberkiefer, sind zum Raube eingerichtet. Als Kiemenatmer brauchen die Larven nicht an die Oberfläche zu kommen; auf dem Schlammboden kriechen sie nach Beute umher. Beunruhigt schwimmen sie ganz nach Art der Phryganiden-Larven, die ihres Gehäuses beraubt wurden, durch mediane Schwingungen des Körpers rückwärts.

Zur Verpuppung gehen die Larven wie die Käferlarven an das Ufer; die Puppe ruht dann dort im Moose. Das ausgeschlüpfte Insekt, die „Schlammfliege“, findet man im Mai und Juni in der Nähe von Gewässern an Pflanzen träge ruhend, leicht kenntlich an den auch mit zahlreichen Queradern versehenen, eigentümlich grauen Flügeln. Die schwärzlichen Eier werden in regelmässigen dichten Reihen an Pflanzen oberhalb des Wassers abgelegt. —

Die kleinen, etwa 4 mm langen Larven von Sisyra leben in Süsswasserschwämmen. Ausgezeichnet sind dieselben durch vielgliedrige Fühler und sehr lange, gebogene, aus Ober- und Unterkiefer zusammengesetzte Saugzangen. Fühler wie Saugzangen übertreffen den Kopf um das Mehrfache an Länge. Die Hinterleibsringe tragen auf der Unterseite je ein Paar gegliederter Tracheenkiemen und auf der Rückseite je vier mit Borsten versehene Auswüchse.