Ausser den Cloëon-Larven habe ich in kleineren stehenden Gewässern nur noch hie und da die von Caenis luctuosa angetroffen. Dieselben sind leicht daran zu erkennen, dass das erste Paar Kiemenblättchen zu Schutzdecken für die folgenden umgewandelt ist und dass die letzteren blattartig, aber am Rande mit zarten Fortsätzen versehen sind. Die vier letzten Hinterleibsringe sind von jenen Schutzplatten nicht bedeckt.
Ungleich reicher als in stehenden Gewässern sind die Ephemeriden-Larven in fliessenden entwickelt; reicher und mannigfaltiger gestalten sich dort auch die Lebensbedingungen derselben. Manche von ihnen (z. B. Ephemera und Palingenia) graben sich mit den kräftigen Vorderbeinen Gänge in das Ufer; andere wieder, wie die der alten Gattung Baëtis, drücken sich bei eigenartig platter Gestalt dicht den Steinen an und vermögen sich so im Strome zu halten; noch andere kriechen, wohl an ruhigeren Stellen, auf alles Andere Verzicht leistend, im Schlamme umher[XLVII]. Recht mannigfach ändert dabei auch die Gestalt der Tracheenkiemen ab. Näher hierauf einzugehen, muss ich mir schon aus äusseren Gründen versagen[5].
[XLVII] Die Cloëon-Larven würden zu denen gehören, welche Pictet als Schwimmer bezeichnet.
3. Larven der Perliden oder Afterfrühlingsfliegen.
Die Larven der Perliden scheinen stehende Gewässer ganz zu meiden; auch schwächer fliessende sind arm an ihnen, wogegen reissende Gebirgsbäche ihre rechte Heimat sind.
Die einzige Larve, welche ich in schwach fliessenden Gräben um Berlin angetroffen habe, ist die von Nemura variegata ([Fig. 10], 24 S. 109). Als Orthopteren-Larve ist sie, wenigstens in den älteren Stadien, an den Flügelansätzen des zweiten und dritten Brustringes kenntlich; von den Ephemeriden-Larven, mit denen sie noch am ersten verwechselt werden könnte, unterscheidet sie sich erstens durch den Mangel an Tracheenkiemen und zweitens dadurch, dass sie nicht drei, sondern nur zwei lange Anhänge am Hinterleibsende hat. Innerhalb der Familie gehört die Larve zu denen, bei welchen das zweite Glied des dreigliedrigen Fusses kleiner ist als das erste.
Die Larve besitzt keine Tracheenkiemen; wie atmet sie denn? Ich habe sie weder jemals zur Atmung an die Oberfläche kommen sehen, noch spricht die Derbheit ihrer Haut und ihre Grösse für Hautatmung, so dass mir die Atemverhältnisse der Larve rätselhaft sind.
Eigenartig nimmt sich die Bewegung der Larve aus. Bei keiner bisher genannten Larve sind die Beine so kräftig und lang zugleich, wird der Hinterleib so wenig auf dem Boden nachgeschleppt, ist die Bewegung ein so flinkes Gehen wie bei dieser Larve. Ihre Lebensweise ist eine räuberische.
Die Ähnlichkeit zwischen der älteren Larve und dem entwickelten Insekt ist recht auffallend; der Schritt von dem einen zum andern Zustand scheint deswegen auch recht leicht und schnell zu geschehen. Brachte ich Larven in feuchter Schachtel mit Moos zusammen heim, so fand ich am nächsten Tage meist mehrere davon schon ausgeschlüpft.
Von den übrigen Larven der Familie, die sich alle einander recht ähnlich sehen, möchte ich nur noch die grösseren Perla-Larven erwähnen, die durch Tracheenkiemen an der Unterseite der Brust ausgezeichnet sind[XLVIII].