[XLVIII] Zuerst bei Tieren dieser Familie wurde die überraschende Thatsache festgestellt, dass auch entwickelte Kerfe noch Tracheenkiemen besitzen. Palmén hat dann diese Erscheinung als allgemeiner verbreitet nachgewiesen.

Fig. 10.
24 Larve von Nemura variegata25 Notonecta glauca, von der Bauchseite — 26 Corisa striata27 Naucoris cimicoides28 Ranatra linearis29 Binsenstück mit zahlreichen Eiern von Ranatra30 Ein einzelnes Ei von Ranatra, vergrössert.

Schlussbemerkung. Sowohl am Anfang dieser wie der vorigen Ordnung hob ich hervor, dass die Anzahl der Wasserlarven innerhalb der Ordnung ungleich grösser als bei den früheren ist. Dazu kommt nun noch ein Anderes. Bei den Larven der Käfer, Zweiflügler und Schmetterlinge war die Anpassung an das Wasserleben, besonders hinsichtlich der Atmung, eine recht verschiedene; eine Reihe von Arten atmete noch durch Luftlöcher, daneben fand sich mehr oder minder ausgedehnt Atmung durch die Haut, echte Kiemen oder Tracheenkiemen. Ungleich einheitlicher, geschlossener erscheinen darin die Larven der Neuropteren und amphibischen Orthopteren: fast alle sind sie Tracheenkiemenatmer, selten finden sich daneben Hautatmer und nie einfache Luftatmer. Ferner sind sie einerseits alle nach ihrer Organisation ausgesprochene Wassertiere, und anderseits werden die einzelnen Gruppen den verschiedenartigen Bedingungen des Wasserlebens in oft recht eigenartiger Weise gerecht. Das Alles legt die Frage nahe: Ist das Verhältnis dieser Larven zum Wasserleben nicht ein ganz anderes als das der Käfer-, Zweiflügler-, Schmetterlings- und — wie wir gleich hinzufügen wollen — Wanzen-Larven? Diese verglichen wir den Seehunden und Walen, d. h. wir hielten für recht wahrscheinlich, dass sie von Vorfahren abstammen, die samt ihren Larven in der Luft lebten; sind jene Larven dagegen nicht vielleicht echte, ursprüngliche Wassertiere. Besonders für die Ephemeriden ist wegen der unvollkommenen Verwandlung, wegen der einfachen Bildung der Mundteile und weil sich die Bildung der Flügel bei ihrem ersten Auftreten mit der der Tracheenkiemen vergleichen lässt, schon öfters ausgesprochen worden, dass sie dem Urtypus der Insekten ziemlich nahe stehen dürften; leiten sie sich vielleicht unmittelbar von einer im Wasser lebenden Stammform ab? Sind sie also den Amphibien im Kreise der Wirbeltiere zu vergleichen? Diese Frage näher zu erwägen[XLIX], ist hier nicht der Ort, doch möchte ich hier kurz auf den einen Punkt hinweisen, dass man im Falle der Bejahung annehmen müsste, die Bildung eines Tracheensystems und zwar eines geschlossenen, das für die Bewegung der Luft im Körper so ungünstige Bedingungen bietet, sei bei Tieren, die unter Wasser leben, an Stelle der Kiemen entstanden!

[XLIX] Verwiesen sei hier besonders auf die für die Frage wichtigen Untersuchungen und Erörterungen von Palmén („Morphologie des Tracheensystems“).

Schnabelkerfe[6].

Die Schnabelkerfe oder Rhynchoten lassen sich hinsichtlich ihres Verhaltens zum Wasser recht wohl mit den Käfern vergleichen; wie bei diesen leben unter den Schnabelkerfen nicht nur eine Reihe von Larven im Wasser, sondern auch entwickelte Kerfe, die in beiden Ordnungen freilich nicht völlig an diesen Aufenthalt gebannt sind. Ferner gilt auch in dieser Ordnung wie in jener[L] der Satz, dass, wenn das entwickelte Tier diesem Element angehört, auch die Larve im Wasser lebt. Endlich stellen sich, wie schon bei den Käfern erwähnt wurde, beide Ordnungen auch darin neben einander, dass einige ihrer Arten auf der Wasseroberfläche leben: neben den sich auf der Oberfläche herumtummelnden Gyriniden finden sich die nicht minder auffälligen Wasserläufer, welche innerhalb der Ordnung eine besondere kleine Familie bilden.

[L] Vergl. jedoch die Ausnahme von Parnus.

Am häufigsten trifft man auf stehenden Gewässern die Arten der Gattung Hydrometra an. Der Körper ist ebenso wie die beiden hinteren Beinpaare auffallend lang und dünn, die Vorderbeine, zwischen denen der ziemlich lange, mit Stechborsten versehene Rüssel liegt, ungleich kürzer. Eigenartig ist der Eindruck, den ihr Stehen und ihre Bewegung auf dem Wasser macht. Mit den wagerecht gestreckten Fussgliedern der Mittelbeine und zeitweise der Vorderbeine, sowie den Schienen und Fussgliedern der Hinterbeine ruhen sie auf der Wasseroberfläche, die an der betreffenden Stelle eingedrückt erscheint, wie bei einer auf der Oberfläche schwimmenden Nähnadel. Durch ein feines, lufthaltiges Haarkleid der Beine ist die Gefahr des Einsinkens gemindert. Bei der Bewegung gebrauchen die Tiere vornehmlich die Mittelbeine, dieselben gleichzeitig bewegend; stossweise gleiten sie auf der Oberfläche ziemlich schnell dahin[LI].

[LI] Die Gattung Velia, welche schattige, fliessende Gewässer liebt, schreitet oder läuft dagegen auf dem Wasser.