Die Nahrung der Hydrometriden besteht aus schwächeren Insekten, besonders wohl auch aus eben ausgeschlüpften Mücken, die sie mit ihrem Stech- und Saugrüssel aussaugen. An den Larven fällt besonders die ganz ausserordentliche Verkürzung des Hinterleibes[LII] auf; hiervon und von dem Mangel ausgebildeter Flügel abgesehen, gleichen sie, besonders auch in der Lebensweise, sehr den entwickelten Kerfen.

[LII] Sonst ist bei Insektenlarven der Hinterleib der am kräftigsten entwickelte Körperteil. Das ist nach der Lebensaufgabe des Larvenstadiums ohne Weiteres verständlich. Hier wird die Abweichung von der Regel durch die Bewegungsweise auf der Oberfläche und die damit verbundenen Anforderungen bedingt.

Die übrigen Schnabelkerfe nun, welche dem Wasser angehören, führen ein Leben ähnlich dem der Dytisciden und Hydrophiliden; einige von ihnen, nämlich die Gattungen Notonecta ([Fig. 10], 25), Plea, Corisa ([Fig. 10], 26), Naucoris ([Fig. 10], 27), sind lebhafte Schwimmer, andere dagegen, Nepa und Ranatra ([Fig. 10], 28), kriechen mehr den Hydrophiliden ähnlich an den Wasserpflanzen umher. Alle aber kommen, den Käfern gleich, zum Atmen an die Oberfläche, im einzelnen dabei freilich verschiedene Einrichtungen und Weisen zeigend. Systematisch sind sie übrigens auch dadurch zusammengehalten, dass sie neben dem gegliederten Saugrüssel und den beiden ungleichartig ausgebildeten Flügelpaaren ausserordentlich kurze Fühler besitzen, die sie verborgen am Unterkopf tragen.

1. Notonecta glauca ([Fig. 10], 25).

Unter den Schwimmern ist der ansehnlichste und mit auch der häufigste Notonecta glauca, in kennzeichnender Weise Rückenschwimmer genannt. Fassen wir ihn, wenn er aus dem Netz genommen werden soll, nicht vorsichtig, so lernen wir wahrscheinlich auch durch seinen empfindlichen Stich verstehen, weshalb er hie und da Wasserbiene heisst.

Die Eigentümlichkeit, mit dem Bauch nach oben zu schwimmen[LIII], kennzeichnet unser Insekt hinreichend. In Beziehung zu dieser Schwimmart steht auch die Färbung des Tieres: nicht der Rücken ist, wie das bei den meisten Wasserinsekten die Regel, dunkel gefärbt, sondern der Bauch, während unter Wasser die Rückseite durch anhaftende Luft lebhaft weiss erscheint. Nachdrücklich wird hierdurch in ähnlicher Weise wie durch die Färbung der Flundern die Auffassung gestützt, dass die dunklere, dem Boden ähnliche Färbung der Rückseite und die lichtere der Bauchseite so vieler Wassertiere, z. B. so vieler Fische, eine Schutzfärbung ist.

[LIII] Nur bei der kleinen, 2 mm grossen Verwandten, Plea minutissima, findet sich die gleiche Schwimmart.

Als Ruder sind nur die stark verlängerten kräftigen Hinterbeine thätig, die an Schienen und Fussgliedern mit zwei Reihen Schwimmhaaren versehen sind; ihre Endkrallen sind verkümmert. Als ordentlicher Schwimmer gebraucht das Tier die Ruder gleichzeitig. Wie es Vorder- und Mittelbeine verwendet, sieht man leicht, wenn man auf die Oberfläche etwa eine Fliege wirft. Meist nimmt der vornehmlich nach oben schauende Rückenschwimmer die Beute schnell wahr, schiesst jählings darauf los und packt sie mit armartig gekrümmten Vorder- und Mittelbeinen, um schwebend sie auszusaugen.

Zur Atmung streckt er, den Schwimmkäfern ähnlich, das Hinterleibsende aus dem Wasser; man möchte also hier auch grosse und ansehnliche Luftlöcher vermuten. Die Luftlöcher des Hinterleibes jedoch sind auffallend klein; grosse, mit zarten Schutzhaaren versehene Luftlöcher, welche fraglos für die Atmung in erster Linie in Betracht kommen, liegen dagegen ziemlich verborgen seitlich an der Brust, etwas nach hinten und bauchwärts von der Ansatzstelle der Hinterflügel, ferner in der Verbindungshaut der Vorder- und Mittelbrust, sowie zwischen Mittel und Hinterbrust und zwar am Rande der Unterseite. Die Luft aber wird von dem Hinterleibsende nach diesen Stigmen in eigentümlicher Weise geleitet. Es ist nämlich der Bauch in der Mitte gekielt ([Fig. 10], 25) und wiederum an den Rändern erhaben, sodass zwei seitliche, freilich flache Rinnen entstehen. Über diesen Rinnen stehen je zwei Haarreihen, eine vom Aussenrande und eine von der Mitte her und unter solchem Haardach wird die Luft in den beiden Rinnen von hinten her zur Brust und zwischen Haaren derselben weiter zu den Stigmen fortgeleitet. Nicht selten sieht man die Hinterbeine, Geigenbogen vergleichbar, über den Hinterleib hinfahren, um die Luft in der einen oder anderen Richtung fortzuschieben. Hin und wider klappen auch an der Oberfläche die Haarreihen aus einander. Die Aussenränder der drei letzten Ringe sind übrigens noch mit nach aussen gerichteten Haarreihen versehen und diese ruhen beim Atmen auf der Oberfläche; auch die Bürste zur Reinigung der Schwimmhaare befindet sich anscheinend hier.

Laich und Larven. Im Zimmeraquarium habe ich die Eier des Rückenschwimmers mehrfach schon im März erhalten; sie waren einzeln an lebenskräftigen, grünen Blättern abgelegt. Die ausschlüpfenden Larven lassen die Zugehörigkeit zu dem entwickelten Insekt in allen Punkten bis auf die weissliche Färbung und den Mangel der Flügel erkennen. In Menge trifft man die Larven während der Sommermonate in den Gewässern an, dem Raube obliegend wie die entwickelten Kerfe. Ende Juni thun die ersten den letzten Schritt in der Entwickelung, der bei den Schnabelkerfen im Vergleich z. B. zu den Käfern recht klein ist. Dass hier kein Ruhe- d. h. Puppenstadium nötig ist, um die letzte Häutung vorzubereiten, ist ohne Weiteres verständlich.