Fig. 14.
Aplexa hypnorum.

Fig. 15.
Vivipara vera Fr.

Die Limnaeen (Limnaea stagnalis, auricularia, ovata, palustris) steigen bei heiterem, warmem Wetter an Wasserpflanzen an die Oberfläche des Wassers und kriechen, die Fusssohle nach oben gerichtet, das Gehäuse untergetaucht, ebenso sicher dahin, als wenn sie an einem festen Gegenstande kröchen. Wahrscheinlich saugt sich die Sohle an der auf dem Wasser aufstehenden Luftsäule an, da die Tiere sich jederzeit plötzlich zu Boden fallen lassen können. — Das Aufsteigen der Limnaeen an die Oberfläche wird mit dem Bedürfnisse der Tiere, Luft zu atmen, in Verbindung gebracht, da die Limnaeiden mit Lungen ausgerüstet sind, während die mit Kiemen versehenen Deckelschnecken nie an die Oberfläche kommen. Die Limnaeen haben jedoch dieses Bedürfnis nur bei heiterem Wetter und bei erhöhter Temperatur des Wassers ihrer Wohnorte.

Eine Aplexa-Art (Apl. hypnorum [Fig. 14]) besitzt sogar die Fähigkeit, plötzlich vom Grunde des Wassers an die Oberfläche aufzutauchen, von wo sie sich nach einigen Sekunden ebenso schnell wieder zu Boden fallen lassen kann.

Die gedeckelten Wasserschnecken der Genera Vivipara ([Fig. 15]), Bythinia und Valvata leben im Schlamme der Gewässer, und zwar meist in stehenden, höchstens in sehr langsam fliessenden Wassern. — Die Arten der Genera Neritina und jene der Familie der Melaniiden leben nur in bewegtem Wasser, in welchem sie sogar stark flutende Stellen bevorzugen, für welche die Neritinen durch ihr kaum hervortretendes Gewinde und ihre weite Mundöffnung vorzugsweise geeignet erscheinen, weil sie den Fluten wenig Fläche darbieten. — Die Bythinellen ([Fig. 16]) finden sich nur in Quellen an Steinen sitzend; die Vitrella-Arten kommen ausschliesslich in Höhlengewässern vor. — Velletia lacustris lebt in stehendem, Ancylus fluviatilis und verwandte Arten nur in fliessendem Wasser. Doch findet sich erstere zuweilen auch in Bächen, während Ancylus-Arten auch in Seen vorkommen.

Fig. 16.
Bythinella austriaca Frf.

Die Muscheln stecken am Grunde der Gewässer im Schlamme, in dem sie fast völlig eingebettet sind, so dass nur das hintere Ende frei ins Wasser hervorragt. Sie saugen das Wasser durch die Mundöffnung am vordern Ende der Muschel ein, lassen dasselbe durch den Körper zirkulieren und stossen es durch die Atemöffnung am hintern Ende wieder aus. Wenn man eine Muschel rasch aus dem Wasser nimmt, schliesst sie ihre Schalen und das Wasser spritzt dann, oft in ziemlich lebhafter Weise, durch die Atemöffnung aus. Beim Einblick in helles nicht tiefes Wasser kann man die im Schlamme steckenden Muscheltiere leicht bemerken. Man gewahrt jedoch nur die mit Cirren am hintern Mantelrande besetzte Atem- und Analöffnung. Schiebt man vorsichtig ein Rütchen in diese Öffnung, so schliesst das Tier die Schalen, und die Spitze des Rütchens wird mit eingeklemmt. Mit dem Rütchen lässt sich dann die Muschel aus dem Schlamme ziehen, wenn man dieselbe fangen will.

Die Muscheln (s. [Fig. 17]) heften sich in fliessendem Wasser mit dem ausgestreckten Fusse in den unter der Schlammschicht befindlichen festen Boden. Ihre Bewegungsfähigkeit ist eine sehr geringe, und ihr ruckweise erfolgender Marsch erstreckt sich nur auf 1–2 m Länge. Derselbe wird durch Ausstrecken und Einziehen des Fusses bewerkstelligt; bei letzterer Operation wird die Muschel nachgeschleift, wobei sie im Schlamme eine Furche zurücklässt, an welcher man die Länge und Richtung des Marsches erkennen kann. Die kleineren Muscheln der Familie der Cycladen leben ebenfalls frei beweglich im Schlamme. Nur eine Art unserer Süsswassermuscheln, Dreissena polymorpha, heftet sich durch einen Byssus an andere im Wasser liegende feste Gegenstände an, und wechselt dann ihren Standort nicht mehr bis zu ihrem Tode. Die Muscheln sitzen oft in ganzen Klumpen zusammen und verstopfen beispielsweise leicht Wasserleitungsröhren, wenn sie in selbe gelangen. — Das Festsitzen dieser durch ihre dreieckige Form auffallenden Muschel ist die Veranlassung zur Verschleppung in die nord- und westeuropäischen Gewässer geworden: Ursprünglich in den Flüssen heimisch, welche ins Schwarze Meer münden, wurde sie durch Schiffe, an deren Planken sie sich angehängt hatte, an die Küsten der Ost- und Nordsee, sowie des Atlantischen Meeres verschleppt, und gelangte von hier wieder durch Flussschiffe in alle grösseren ins Meer mündenden Flüsse, von welchen sie in deren Nebenflüsse vordrang. Durch den Donau-Main-Kanal war es ihr sogar möglich, die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau zu überschreiten und in die obere Donau zu gelangen, wo ich im Jahre 1868 das erste Exemplar fand. Einige Jahre später wurde sie bei Deggendorf beobachtet und so wird sie nun sicher die Donau abwärts wandern, bis sie wieder das Schwarze Meer, ihren Ausgangspunkt, erreicht hat.