Sehr sporadisch trifft man dagegen den Strömer (Telestes Agassizii Val.) an, der ausser im Rhein und in den Zuflüssen der Donau neuerdings auch in einem kleinen Oderzufluss am Zobten aufgefunden ist[21]. Die Nase (Chondrostoma nasus L.) ist ein osteuropäischer Fisch, welcher in den Flussgebieten der Nordsee mit Ausnahme der Elbe (wie der Zander) fehlt. Eine andere Nasenart, C. Genei Bon., welche im allgemeinen auf Südeuropa beschränkt ist, wird von Siebold auf Grund eines gelegentlichen Vorkommens zur Fauna des Rheins gerechnet.

Die Schleie (Tinca vulgaris C.) ist ein in ganz Europa verbreiteter Fisch weichgründiger Gewässer.

Zweifelhaft ist es, ob man zu den Cypriniden auch die kleine Gruppe der Acanthopsiden oder Schmerlen zu rechnen hat, die sich namentlich durch ihre knöcherne Schwimmblasenhülle und durch den Bau ihrer Unterschlundknochen von den ihnen sonst nahestehenden Cypriniden unterscheiden. Aus unserer Fauna gehören hierher die Steinbeisser, Schlammpeitzker und Schmerlen. Der Steinbeisser (Cobitis taenia L.) findet sich durch ganz Europa, die Schmerle (C. barbatula L.) auch in Asien, der Schlammpeitzker (C. fossilis L.) endlich in Asien und dem östlichen Europa mit Einschluss unseres Gebietes.

Eine ganz isolierte Stellung nimmt die kleine Familie der Umbriden ein, welche nur aus zwei Süsswasserarten besteht, von denen die eine im mittleren Nordamerika, die andere, der Hundsfisch (Umbra Crameri Müll.), in einigen Nebengewässern der unteren Donau (Neusiedler See, Plattensee u. a.) und anscheinend auch in anderen Teilen des Pontischen Gebietes sich vorfindet.

Die Familie der Salmoniden[22] ist bei uns durch fünf Gattungen vertreten, deren Arten grossenteils zur Varietätenbildung neigen, sodass eine Übereinstimmung unter den Fischkundigen über die Abgrenzung der Arten in mehreren Fällen noch nicht erzielt ist. Die meisten Arten sind als Sport- und Speisefische hochgeschätzt und werden als Edelfische bezeichnet. Die Gattungen, welche hierher gehören, sind: die Maränen oder Renken, die Aesche, der Stint, die Saiblinge und die Forellen und Lachse.

Es ist schon erwähnt, dass die Salmoniden sich anscheinend von Norden her verbreitet haben, dass sie noch jetzt im Norden die stärkste Artentwickelung besitzen und in unserem Gebiet meist kühle Wohnplätze aufsuchen. Solche finden die Bewohner der Seen in den sehr tiefen Seen der Alpen und in einigen norddeutschen Seen, in Tiefen, in welchen beständig eine Temperatur von nur 2–6° C. herrscht. Grösstenteils Bewohner solcher Seen sind die Maränen oder Coregonen. Nüsslin[23] hat die Arten derselben nach der Form der Schnauze und der Bezahnung der Kiemenbögen geschieden; nach diesem System hat man zu unterscheiden: den Nordseeschnepel (Coregonus oxyrhynchus L.), einen Wanderfisch, der die Nordsee bewohnt und ihre Ströme zur Laichzeit aufsucht, die kleine Maräne (C. albula L.), die in den tieferen Seen der baltischen Seenplatte von Holstein bis nach Russland hinein, sowie in den skandinavischen Seen lebt, den Kilch oder Kropffelchen (C. hiemalis Jur.) aus der Tiefe des Bodensees und des Ammersees, den Ostseeschnepel (C. lavaretus L.), der die Ostsee bewohnt und in den Buchten und Haffen derselben laicht, die Madümaräne (C. maraena Bl.) aus dem Madüsee in Pommern, die Bodenrenke (C. fera Jur.) aus den tiefen schweizerischen, oberösterreichischen und bayrischen Seen, die Pulsseemaräne (C. generosus Peters)[24] aus dem Pulssee in der brandenburgischen Neumark[25] (Ostseeschnepel, Madümaräne, Bodenrenke und Edelmaräne werden von Anderen für Varietäten einer Art gehalten)[26], ferner den Blaufelchen (C. Wartmanni Bl.) aus den tieferen nordalpinen Seen, die Traunseemaräne (C. Steindachneri Nüssl.), Pfäffikoner Maräne (C. Sulzeri Nüssl.) aus dem Traunsee bezw. Pfäffikoner See, und den Gangfisch (C. macrophthalmus Nüssl.) aus dem Bodensee (die drei letztgenannten Arten werden von anderer Seite für Varietäten des Blaufelchen gehalten).

Die Aesche (Thymallus vulgaris Nils.) ist ein anderer Salmonide, der kleine, raschfliessende Flüsse im ganzen Gebiete bewohnt und über dasselbe hinaus durch Europa verbreitet ist; verwandte Formen finden sich in Nordasien und Nordamerika. Der Stint (Osmerus eperlanus L.) findet sich an den Küsten des nördlichen Teiles des Atlantischen Ozeans und in dessen Zuflüssen, in denen er laicht. Im Rhein ist er nicht beobachtet worden. In einigen norddeutschen Seen kommt er ebenfalls vor, ohne zum Meere zu wandern.

Die naheverwandten Gattungen der Saiblinge, Lachse und Forellen hat man nach Siebolds Vorgange nach der Bezahnung des in der Gaumendecke liegenden Pflugscharbeins unterschieden. Das Pflugscharbein der Saiblinge (Salmo) hat eine bezahnte Platte, aber einen unbezahnten Stiel; das der Lachse (Trutta) hat einen bezahnten Stiel bei unbezahnter Platte, während bei den Forellen (Trutta) sowohl Stiel wie Platte bezahnt sind. Der Saibling (Salmo salvelinus L.) bewohnt die tiefen Gebirgsseen Mittel- und Nordeuropas. Der ebenfalls zu den Saiblingen gerechnete Huchen (S. hucho L.) kommt ausschliesslich im Donaugebiete vor. Der Lachs (Trutta salar L.) bewohnt den nordatlantischen Ozean, mit Ausschluss des Schwarzen Meeres und des Mittelmeeres, und steigt in die Flüsse, welche sich in die von ihm bewohnten Meere ergiessen, zum Laichen auf. Die Forellen unterscheidet man als Bachforelle (T. fario L.), Seeforelle (T. lacustris L.) und Meerforelle (T. trutta L.). Die beiden letzteren Arten sind ursprünglich wohl Abarten der Bachforelle[26], aber durch verschiedene Lebensweise und körperliche Abweichungen von ihr unterschieden. Während die Bachforelle in raschfliessenden Bächen im ganzen Gebiete lebt, bewohnt die Seeforelle die tiefen Gebirgsseen, die Meerforelle die Nord- und Ostsee; alle drei Arten laichen aber ausschliesslich in Bächen, in welche die See- und die Meerforelle zu diesem Zweck aufsteigen. Die Meerforelle hat also eine ähnliche Lebensweise wie der Lachs, mit dem sie deshalb oft verwechselt wird.

Die Familie der Hechte (Esociden) ist bei uns durch den allbekannten, in allen süssen Gewässern Europas, Nordasiens und Nordamerikas lebenden Esox lucius L. vertreten.

Aus der Familie der Heringe (Clupeiden) sind zwei Wanderfische zu unserer Fauna zu rechnen, der Maifisch (Alosa vulgaris C.) und die Finte (Alosa finta C.). Ersterer bewohnt die Küstengegenden im nördlichen Atlantischen Ozean, die letztere verbreitet sich noch mehr südlich und östlich bis zum Nil. Beide besuchen zum Laichen die Süsswasserströme. Die Weichsel wird indessen nur von der Finte besucht. Zur Familie der Muräniden gehört unser Aal (Anguilla vulgaris Flem.), der in allen Flüssen lebt, die in den Nordatlantischen Ozean gehen, mit Einschluss des Mittelmeergebietes, mit Ausschluss aber der Pontischen Flüsse.