Aus der Familie der Perciden kommen vor die Gattungen der Barsche, Zander, Streber und Kaulbarsche. Der Flussbarsch (Perca fluviatilis L.)[LXXIII] ist nicht nur durch das ganze Gebiet verbreitet, sondern findet sich durch ganz Europa, Nordasien und Nordamerika. Er ist bei uns einer der gemeinsten Fische, und fehlt kaum in irgend einem Tümpel. Der Zander oder Schill (Lucioperca sandra C.) ist ein östlicher Fisch, welcher sich von Osteuropa aus nach Westen verbreitet zu haben scheint. Er findet sich ursprünglich nicht im Rheingebiet und im Gebiet der Weser. Obwohl er in den Seen, in denen er vorkommt, vortrefflich wächst und daher durchaus nicht als ausschliesslicher Flussfisch bezeichnet werden kann, so findet man ihn doch in zahlreichen von den von ihm bewohnten Hauptströmen weit abgelegenen Seen desselben Flussgebietes nicht, was darauf schliessen lässt, dass seine Ausbreitung spät nach dem Ende der Eiszeit, wenn auch während des Bestehens der Verbindung zwischen Elbe, Oder und Weichsel erfolgt ist. Eine nahe verwandte Art ist L. volgensis Pall., die sich in der Donau und ihren grossen ungarischen Nebenflüssen, sowie in den übrigen Flüssen des pontisch-kaspischen Gebietes findet. Ganz auf die Donau, bezw. auf das pontische Gebiet beschränken sich die Arten der Streber (Aspro zingel C. und A. streber Syb.), welche gelegentlich auch in den Zuflüssen der obern Donau gefunden werden. Von den Kaulbarschen ist der gemeine Kaulbarsch (Acerina cernua L.) durch das Gebiet, durch ganz Mitteleuropa und Sibirien verbreitet. Auch er fehlt bei uns kaum in irgend einem Gewässer. Der ihm verwandte Schrätzer (Acerina schrätzer L.) dagegen findet sich ausschliesslich in den Zuflüssen des Schwarzen Meeres, also auch im Donaugebiet.

[LXXIII] Da für die vorliegende Abhandlung nur ein im Verhältnis zu dem weiten Umfange des Themas geringer Raum zur Verfügung gestellt werden konnte, so musste auf die Beschreibung der einzelnen Fischarten sowie auf Abbildungen verzichtet werden. Man findet mehr oder weniger ausführliche Beschreibungen in den im Litteraturverzeichnis angeführten Werken von Heckel und Kner, von Siebold, Benecke u. a.; neuerdings sind mehrere Werke[14] erschienen, welche eine zum Bestimmen der Fischarten bequeme Übersicht der Hauptmerkmale bieten, sowie Auszüge aus dem Beneckeschen Werke[15], welche die meisten deutschen Fische in guten Abbildungen geben.

Während die Perciden ziemlich gleichmässig im Salzwasser und in den süssen Gewässern verbreitet sind, gehört die Familie der Cottiden fast ausschliesslich dem Meere an. Ein Vertreter dieser Familie, der Kaulkopf (Cottus gobio L.), lebt auch in den süssen Gewässern der paläarktischen Region, während er im Meere nur in der salzarmen Ostsee östlich von Gotland vorkommt. Wenig verschieden von ihm ist der C. poecilopus Heck.[16], welcher sich in den Gewässern der Karpathen aufhält, sonst nur noch aus den Pyrenäen bekannt ist. Gleichfalls aus den Küstengegenden des Meeres stammt die Familie der Stichlinge (Gasterosteiden), welche meist Bewohner des Seewassers wie des Süsswassers sind. Wir haben in unseren süssen Gewässern zwei Stichlingsarten, von denen die kleinere (Gasterosteus pungitius) vornehmlich in den süssen Gewässern der Küstengegenden vorkommt, die grössere (G. aculeatus) auch die mehr im Binnenlande belegenen Gewässerteile bewohnt, ohne dass beide Arten indessen sich ausschliessen. Man unterscheidet bei beiden Arten je zwei Varietäten, von denen die eine (trachurus) an den Seiten des Schwanzes ebenso wie an den Körperseiten Knochenplatten trägt und längere Stacheln besitzt, während die zweite (leiurus) kleinere Stacheln und einen unbewehrten Schwanz hat. Beide Stichlingsarten sind durch das ganze Gebiet mit Ausnahme der Donau und ihrer Zuflüsse verbreitet. Über unser Gebiet hinaus findet sich der kleine Stichling an allen Küsten der Nordmeere, der grosse Stichling durch ganz Europa mit Ausnahme des pontischen Gebietes, sowie in Algier und in Nordamerika[17].

Zu einer echten Seefischfamilie, den Dorschen (Gadoiden), gehört ferner ein anderer unserer verbreitetsten Fische, die Aalquappe oder Rutte (Lota vulgaris C.), welche sowohl in Flüssen und Bächen, als auch in tieferen Seen der paläarktischen Region sich überall verbreitet findet. Als einzigen Vertreter einer überaus zahlreichen Familie des Süsswassers, der Siluriden, besitzen wir den Wels oder Schaiden (Siluris glanis L.), der durch Osteuropa bis zum Rhein und in Nordasien verbreitet ist. Die Siluriden bilden nach Günther ein Vierteil aller bekannten Süsswasserfische. Ihre Heimat ist anscheinend in Ostindien zu suchen; von dort haben sie sich durch die süssen Gewässer fast aller Gegenden, besonders aber in den Tropen, verbreitet.

Von Cypriniden[18] besitzt unsere Fauna, abgesehen von lokalen Varietäten und Bastardformen, etwa dreissig Arten. Man hat die zahlreichen Arten der Cypriniden zu Gruppen zusammengestellt. Zu der Gruppe der Cypriniden gehören der Karpfen, die Karausche, die Barben und die Gründlinge.

Der Karpfen (Cyprinus carpio L.) stammt anscheinend aus Südosteuropa, wo er im Gebiete des Pontus und des Caspisees bis weit nach Mittelasien hinein wild lebt. In Europa, neuerdings auch in Nordamerika ist er durch die Fischzucht jetzt weit verbreitet. Die Teichwirtschaft, welche in Böhmen sich besonders stark entwickelt hat, hat mehrere Varietäten erzeugt. Zu diesen gehört der Lederkarpfen, welcher keine Schuppen trägt, der Spiegelkarpfen (C. rex cyprinorum), welcher an jeder Körperseite nur eine Reihe sehr grosser Schuppen trägt, der blaue Karpfen, der Goldkarpfen (Carpe d’or), dessen rötlicher Schimmer nach Carbonnier von der Lachsfarbe seines Fleisches herrührt, der galizische Karpfen u. a. Die Karausche (Carassius vulgaris Nils.) ist über das ganze Gebiet wie überhaupt in der paläarktischen Region verbreitet. Sie bewohnt stehende und langsam fliessende Gewässer mit weichem Grunde. Als Giebel bezeichnet man im Gegensatz zu der hochrückigen sog. Seekarausche die schlankeren Formen, welche sich in kleinen Gewässern entwickeln. Eine nahe verwandte Karauschenart, vielleicht nur eine Abart unserer gewöhnlichen Karausche, ist der aus Japan und China stammende Goldfisch (Carassius auratus), der in zahlreichen Varietäten (Teleskopfisch, Schleierfisch) jetzt auch in Europa gezogen wird[19].

Zu den artenreichsten Gattungen der Süsswasserfische gehören die Barben, von denen man etwa 200 meist tropische Arten kennt. In unserem Gebiet ist allverbreitet nur die auf Mitteleuropa beschränkte Flussbarbe (Barbus fluviatilis Ag.), die Seen und Flüsse bewohnt. Eine andere Art (Barbus Petenyi Heck.) ist in den Karpathenflüssen, auch in der Weichsel gefunden worden. Neuerdings glaubt man sie auch in der Lohe, einem Oderzufluss, aufgefunden zu haben[20]. Der Gründling (Gobio fluviatilis C.) ist über ganz Europa verbreitet, wo er in fliessenden und stehenden Gewässern vorkommt. Eine verwandte Art, Gobio uranoscopus Ag., bewohnt die Nebenflüsse der Donau, sowie einzelne Gewässer der obern Weichsel.

Aus der Gruppe der Rhodeina kommt bei uns ein typischer Vertreter, der Bitterling (Rhodeus amarus Bl.), vor, der über ganz Europa verbreitet ist.

In reicherer Zahl finden sich in Deutschland die Abramidina, zu denen die Bressenarten, der Blei, Rapen, Uklei, die Ziege und das Moderlieschen gehören. Der Bressen oder Brachsen (Abramis brama L.) findet sich in ganz Mitteleuropa, mit Ausnahme der Alpen. Ebenso verbreitet ist die Zärthe (A. vimba L.), doch scheint sie vom Rheingebiet ausgeschlossen zu sein. Einen viel engeren Verbreitungsbezirk haben der Seerüssling (A. melanops H.) und der Pleinzen (A. sapa), welche auf das pontische Gebiet beschränkt sind. Die Zope (A. ballerus) findet sich in den Unterläufen der Ströme und in den grossen Seen im Gebiet allenthalben. Sehr gemein in Seen und Flüssen ist der Blei oder Güster (Blicca Björkna L.), der in Mittel- und Nordeuropa vorkommt. Seltener, aber in den grösseren Gewässern des Ostens ebenfalls überall verbreitet, ist die Ziege oder der Sichling (Pelecus cultratus L.); westlich von der Oder scheint dieser Fisch zu fehlen. Dagegen ist der Uklei oder die Laube (Alburnus lucidus Heck.) über ganz Mitteleuropa bis nach Frankreich verbreitet. Nicht weniger verbreitet, aber selten und vielfach übersehen ist der Schneider (A. bipunctatus Bl.). Dagegen ist die nahe verwandte Mairenke (A. mento Ag.) auf das pontische Gebiet beschränkt. Der Rapen oder Schied (Aspius rapax Ag.) und das Moderlieschen, Mutterlosken oder Motken (Leucaspius delineatus Sieb.) sind dagegen im Gebiete überall zu finden.

Die grosse Gruppe der Leuciscina enthält ebenfalls mehrere Arten des Gebietes, die Plötzen, Rotaugen, Döbeln, Orfen, Schleien, Nasen, Elritzen und Strömer. Die Plötze (Leuciscus rutilus L.) ist im ganzen Gebiet wie in ganz Mittel- und Nordeuropa verbreitet und einer der gemeinsten Fische. Dagegen ist der Frauennerfling (L. virgo Heck.) auf die Donau beschränkt, während der Frauenfisch (L. Meidingeri Heck.) zu jenen Bewohnern der tiefen Alpenseen gehört, welche nur zur Zeit der Laichablage gefangen werden können, sonst aber ihr Leben in unzugänglichen Tiefen verbringen. Eine ähnliche Verbreitung wie die Plötze hat das mit ihr oft verwechselte Rotauge oder die Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus L.). Auch die Orfe (Idus melanotus Heck.) ist über das ganze Gebiet verbreitet. Eine schöne Varietät derselben ist die Goldorfe (var. miniatus). Der Döbel oder Aitel (Squalius cephalus L.) und der Häsling oder Hasel (S. leuciscus L.), sowie die Elritze oder Pfrille (Phoxinus laevis Ag.) sind ebenfalls im Gebiete, namentlich in fliessenden Gewässern, überall zu finden.