Die Forellen haben ähnliche Laichverhältnisse wie die Lachse. Die Meerforellen und Seeforellen wandern zur Laichzeit stromaufwärts, letztere gegebenen Falles auch stromabwärts, um in geeigneten Bächen auf Kies- oder Sandgrund zu laichen.

Alle einheimischen Salmoniden mit Ausnahme des Stint, des Huchen und der Aesche, laichen im Herbst oder Winter, und die Jungen schlüpfen erst im Beginn des Frühjahres aus den Eiern. Diese bleiben also monatelang unausgebrütet, ohne jeden Schutz, der Vernichtung durch zahlreiche tierische Feinde, durch Wasserschimmel, durch die Abwässer der Fabriken ausgesetzt.

Um diese als Delikatesse gesuchten Edelfische nun vor der Ausrottung zu bewahren, hat man sich in grossem Massstabe und mit viel Erfolg eines Hilfsmittels bedient, welches ihnen den Kampf ums Dasein mit den übrigen Wassertieren erheblich erleichtert, der sogenannten künstlichen Fischzucht[71], durch welche nicht nur die Vermehrung der Salmoniden in den deutschen Seen, Flüssen und Meeren, sondern auch die vieler anderer Fische in stehenden und fliessenden Gewässern, sowie die Übertragung von Fischarten in neue, von ihnen nicht bewohnte Gewässer in zahlreichen Fällen erzielt ist.

Unter „künstlicher Fischzucht“ versteht man zunächst die Befruchtung und Erbrütung von Fischeiern unter Zuthun des Menschen. Ein Detmolder Landwirt, Jakobi, erfand diese Methode in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, doch wurde sie wegen der mühsamen Bedienung des im Bache stehenden Brutkastens selten angewendet. In Norwegen, Russland, namentlich aber in Frankreich wurden später ähnliche Verfahren entdeckt. Professor Coste in Paris interessierte sich dafür, und auf seine Veranlassung wurde 1852 von der französischen Regierung die Brutanstalt in Hüningen bei St. Ludwig im Elsass gegründet, welche 1871 vom Deutschen Reiche übernommen wurde. Von Deutschen ist zuerst in München ein Bruthaus für künstliche Fischerbrütung angelegt. Inzwischen ist die Methode besonders in Amerika, in neuerer Zeit auch in Deutschland weitergebildet und sehr vervollkommnet worden[72], und jetzt zählen die Anstalten für künstliche Fischzucht in Deutschland nach hunderten.

Zur künstlichen Befruchtung werden die Eier des reifen Weibchens, welche lose im Ovar, bezw. in der Bauchhöhle liegen, durch gelindes Streichen herausgedrückt und in einer Schale aufgefangen, eine kleine Menge Samen, welcher in gleicher Weise aus den Hoden eines Männchens herausgestrichen ist, wird auf die Eier gebracht und durch vorsichtiges Umrühren zwischen die Eier verteilt, Wasser hinzugegossen und dann die Schale mit ihrem Inhalt für kurze Zeit sich selbst überlassen. Die Samenfäden fangen ihre Schwärm- und Bohrbewegungen an, sobald sie mit dem Wasser in Berührung kommen. Die Eier vieler Fische schwellen durch Wasseraufnahme auf und saugen dabei gewissermassen die Samenfäden in sich ein. Auf diese Weise werden alle reifen Eier, die sich in der Schale befinden, befruchtet (während bei der Laichablage in der freien Natur eine grosse Menge der abgesetzten Eier unbefruchtet bleibt) und sind dann entwicklungsfähig. Sie können jetzt sofort in die freien Gewässer gebracht und dort an geeigneten Stellen, d. h. an solchen, an welchen die Fische ihrer Art laichen würden, ausgesetzt werden. Allein der Fischlaich ist im Freien unzähligen Gefahren ausgesetzt. Fast alle Wassertiere, welche ihn bewältigen können, stellen ihm nach, ungünstige Witterung tötet ihn, Wellenschlag wirft ihn auf das Land. Deshalb ist es besser, ihn so lange als möglich unter Obhut zu behalten, ihn künstlich zu erbrüten. Man bringt ihn in Brutapparate. Die Brutapparate sind fast durchgehends so eingerichtet, dass in ihnen die Eier von fliessendem, klarem, reinem, aber sauerstoffreichem und gleichmässig kühlem Wasser bespült werden. In Jakobis Brutkiste lagen sie auf Kies, die Kiste hatte auf den Schmalseiten Gitter und war so in einen Bach gestellt, dass das Wasser durch die Gitter über die Eier floss. Coste legte die Eier auf einen Glasrost, der in einem Gefäss stand. Solche Gefässe stellte er staffelförmig über einander, so dass das Wasser, das in das höchststehende geleitet war, aus diesem in das nächst tiefere floss etc. Später wandte man Siebe aus Metall oder Thon an. Die Amerikaner scheinen zuerst Drahtgeflechte zur Aufnahme der Eier angewandt zu haben. Dies ist jetzt die übliche Unterlage. Man lässt das Wasser entweder seitlich an den Eiern vorbeifliessen, oder man richtet die Apparate so ein, dass das Wasser von unten her durch die Unterlage und dann durch die Eierschichten strömt, wodurch das Wasser am besten ausgenutzt wird. In anderen Apparaten werden die Eier nicht ruhend, sondern schwebend ausgebrütet, indem in das kelchförmige oder cylinderförmige Brutgefäss ein kräftiger Wasserstrahl von unten her eingeleitet wird, welcher die Eier in die Höhe trägt; nach oben hin verteilt sich der Wasserstrom und verliert an Kraft, die Eier geraten in das ruhigere Wasser an den Gefässwänden, sinken hier durch ihre Eigenschwere hinab und werden von dem Wasserstrom unten sofort in erneutem Spiel in die Höhe getrieben[73]. Diese Apparate sind besonders für kleinere Eier, wie die der Hechte und Coregonen, geeignet. Sie haben unter anderem den besondern Vorteil, dass die abgestorbenen Eier, welche etwas leichter werden als die lebenden, sich von den letzteren absondern und bei etwas verstärktem Strome von selbst mit dem durchgeleiteten Wasser abschwimmen können. Man nennt sie deshalb Selbstausleser.

Eine dritte Methode ist die Erbrütung in Eisschränken, in welchen die Eier nur von dem tropfenweise herabrinnenden Schmelzwasser des über ihnen angebrachten Eises feucht und kühl gehalten werden. Diese Eisbrutschränke dienen auch zum Transport von Eiern, welche wochenlang unterwegs sein müssen. Man hat in ihnen die Eier fremder Fischarten über die Ozeane in neue Gebiete, selbst über den Äquator hinaus, eingeführt, z. B. den Lachs der nördlichen Hemisphäre in australische Gewässer.

Leider ist die Methode der künstlichen Befruchtung und Erbrütung nur bei einer beschränkten Zahl von Fischarten praktisch anwendbar. Der erste Mangel, den diese Methode hat, liegt in der Notwendigkeit, dass die Laichfische in dem gerade zur Befruchtung geeigneten Laichreifestadium zur Hand sein müssen. Einige Fische können dieses Stadium in der Gefangenschaft erreichen. Viele andere aber werden, auch kurz vor der Laichreife eingefangen, in engen Behältern nicht laichreif. Bei anderen Fischarten (Karpfen, Bressen, Stör und den meisten anderen Sommerlaichern) quillt, wie oben erwähnt, die Eihaut bei der Berührung mit Wasser zu einer klebrigen Substanz auf; diese Eier ballen sich zu zähen Klumpen zusammen, wenn sie abgestrichen sind, so dass die Zuführung von Wasser und Sauerstoff zu den im Innern des Klumpens gelegenen Eiern und dadurch ihre Erbrütung unmöglich gemacht wird. Man kann diese Eier indessen unmittelbar nach der Befruchtung auf Wacholder, Moos oder Wasserkräuter vorsichtig in dünner Schicht verteilen und sie in flachen Körben in stillem, warmem Wasser ausbrüten lassen; die Jungen schlüpfen dann nach einigen Tagen aus und gelangen durch die Korböffnungen in das Gewässer, in dem der Korb steht, worin sie, wenn das Gewässer fischleer ist, so lange aufwachsen, als sie Nahrung finden.

Die Eier der meisten Salmoniden sind sehr geeignet zur künstlichen Erbrütung. Forellen und Lachse werden in Behältern reif, und ihre Eier sowie die der Coregonen und Aeschen kleben nur wenig. Gerade diese Salmoniden bedürfen aber auch des besondern Schutzes in hohem Masse. Ihre Laichzeit fällt, bis auf die der Aesche, in den Herbst und den Winter, die Entwickelungsdauer der Eier ist eine sehr lange, und die Eier sind gross und oft lebhaft gefärbt. Dabei ist die Zahl der Eier, welche die Salmoniden produzieren, nicht so bedeutend, wie die vieler im Sommer laichender Fische. Deshalb ist es nötig, den Laich dieser Edelfische so gut als möglich zu schützen und ihn künstlich befruchtet in Bruthäusern ausschlüpfen zu lassen.

Wie auf die meisten anderen Lebensverhältnisse der Fische, so ist auch auf die Länge der Entwickelungszeit der Eier die Wasserwärme von grösstem Einfluss. Je kälter das erbrütende Wasser ist, um so längere Zeit muss es auf die Eier einwirken, bevor dieselben ausschlüpfen[LXXVII]. Die Eier vieler Sommerlaicher vertragen dabei nur schlecht die Kühle und sterben im Freien oft ab, wenn das Wasser auf die Dauer kalt bleibt. Die Eier der Salmoniden dagegen vertragen kaltes Wasser sehr gut, am kräftigsten entwickeln sich die Fische aus Eiern, die in eiskaltem Wasser gebrütet sind. Man unterscheidet während der Brütung der Salmoniden-Eier zwei Hauptperioden. Die erste reicht von der Befruchtung bis zum Sichtbarwerden der schwarzen Augenpupillen des Embryo, und dauert für Lachse und Forellen bei einer Durchschnittstemperatur des Wassers von 5° C. etwa 3½ Monate; die zweite umfasst die Zeit bis zum Ausschlüpfen, sie dauert bei Lachs und Forelle etwa 2 Monate bei der angeführten Wassertemperatur[74]. Die Eier der Coregonen haben eine kürzere Entwickelungsdauer. In der zweiten Entwickelungsperiode sind alle Salmoniden-Eier ziemlich widerstandsfähig; sie können dann, kühlgehalten, auf weiche Unterlage gebettet und mit dieser fest verpackt, weithin versandt werden und wochenlange, im Eisschranke sogar monatelange Reisen überdauern. Nach dem Ausschlüpfen schwärmen die jungen Coregonen wie die Brut der meisten anderen Fische sogleich frei umher, obwohl die Brustflossen noch gar nicht und die Bauchflossen erst als Stummel entwickelt sind. Die Brut der Forellen und Lachse dagegen ist mit einem grossen Dottersäckchen beschwert, das ihr am Bauche hängt und bei den Schwimmbewegungen anfangs hinderlich ist, weshalb diese Tierchen in den ersten Wochen, ohne sich viel zu bewegen, am Boden der Brutgefässe liegen. Erst wenn der Dottervorrat eingesogen ist, haben auch sie freie Beweglichkeit erlangt. Dann ist es Zeit, sie in die freien Gewässer zu bringen.

[LXXVII] Man muss aus den Resultaten der Untersuchungen von Barfurth (Jahresbericht des Rheinischen Fischereivereins 1888) allerdings schliessen, dass die Entwickelungsdauer der Salmoniden nicht genau in dem Verhältnis verkürzt wird, in welchem man die Wassertemperatur erhöht, dass vielmehr die Eier in wärmerem Wasser mehr Wärme verbrauchen als in kälterem Wasser.