Dem Mädchen entfuhr ein Schrei schreckensvoller Bestürzung. Leaths zerrissener und beschmutzter Anzug war durch einen sauberen ersetzt worden, die Blutspuren waren von Kopf und Antlitz fortgewaschen, aber das Haar war an der einen Seite weggeschnitten worden und ließ eine weiße Binde sehen. Das sowohl wie seine finster blickenden Augen und sein totenbleiches Gesicht hatten Florence den Schrei entlockt. Sie beachtete Sherriff kaum, noch wunderte sie sich über sein Erscheinen. Sie eilte auf Leath zu.
»Was ist geschehen? Sie sind verletzt worden? Sie haben sich weh getan!«
»Ja;« er nahm ihre Hand; noch nie hatte er sie mit so schmerzlichem Drucke festgehalten. »Ich — wußte nicht, daß du hier bist,« sprach er, »ich wollte dich nicht erschrecken, Kind. Ich komme, um Sir Jasper aufzusuchen.«
»Sir Jasper? Aber was ist denn geschehen? Wie sind Sie zu der Wunde gekommen?« Sie blickte Sherriff an und dann wieder ihren Verlobten, und etwas wie schreckensvolles Verständnis dämmerte in ihren Zügen auf. »Sie sind verletzt — Sie kommen her, um mit Sir Jasper zu reden? Herr Sherriff,« rief sie gebieterisch, »lassen Sie ihn mir erzählen, was das alles zu bedeuten hat!«
Leath wandte sich zu seinem Begleiter, ehe dieser antworten konnte.
»Soll ich es ihr sagen? Sie wenigstens muß es doch wohl erfahren?«
»Erzähle es ihr lieber! Wie kannst du es jetzt noch vor ihr geheimhalten? Und sie hat ein Recht, es zu wissen.«
»Ich will es wissen,« sprach Florence, »sagen Sie es mir.«
Er tat es. Das junge Mädchen saß auf der Fensterbank und hörte mit weitgeöffneten, entsetzten Augen, die unverwandt an seinem Gesichte hingen, der Erzählung zu, die er barmherzigerweise so kurz machte, wie er konnte. Er war seit einer vollen Minute zu Ende, ehe sie den Kopf hob und auf Sherriff deutete.
»Sie haben ihm alles gesagt?«