»Mit dem Heiraten? Nein — ich glaube nicht. Im Gegenteil. Auch Sir Jasper nicht. Sie verbringt fast das ganze Jahr in Turret Court — sie hängt sehr an Lady Agathe und Fräulein Mortlake, und ihre Heirat würde eine Mindereinnahme von tausend Pfund Sterling jährlich für Jasper bedeuten. Und ich bin, wie Sie wohl schon wissen, eine Art Verwalter des Gutes — ich weiß, daß ihm der Verlust nicht angenehm sein würde. Die Mortlakes sind nicht allzu wohlhabend.«

»Es hat mich gewundert,« hub Leath stockend an, »daß Sie Lust zu dem Posten haben. Nach dem, was ich mir aus den Reden der guten Leute hier zusammengereimt habe, scheint es mir nicht leicht, mit Sir Jasper auszukommen.«

»Nun,« antwortete der alte Mann mit großer Milde, während er seine Pfeife schmauchte, »das mag im allgemeinen schon so sein. Sir Jasper ist sehr rechthaberisch und oft sehr schlechter Laune, aber mein Gehalt bildet einen willkommenen Zuschuß zu meinem geringen Einkommen. Und ich habe wirklich kein Recht, mich über Sir Jasper zu beklagen. Er behandelt mich auf alle Fälle ebenso gut, wenn nicht besser als andere.«

»Ich fürchte, das sagt nicht viel.«

Leath blickte mit einem halb zornigen Lächeln in das schöne alte Antlitz, das so sanft und gelassen war. »Nach allem, was ich über ihn hörte, befremdet es mich, daß ein Mann mit Ihren Fähigkeiten sich in eine untergeordnete Stellung einem solchen Menschen gegenüber begeben konnte. Sie nehmen mir meine Offenherzigkeit doch nicht übel?«

»Nein, nein,« sagte der andere hastig mit wehmütigem Lächeln und blickte in den Garten hinaus; die Hand, die die Pfeife hielt, zitterte auf seinem Knie. Dann erzählte er mit leiser Stimme, daß er vor langen Jahren — mehr als dreißig — einen bitteren Kummer gehabt, der sein ganzes Leben verdüstert, der allen Ehrgeiz, alles Streben in ihm ertödet, der ihn vor der Zeit alt gemacht habe.

»Hier, fern von der Welt, im stillen Kreislauf meiner Pflichten, in meinem Garten bei meinen Büchern bin ich so glücklich, wie ich überhaupt je wieder werden kann. Doch genug davon, und genug von mir. Lassen Sie’s gut sein,« schloß er.

Er legte die Hand über die Augen und saß ein Weilchen so da. Leath, in dessen Gesicht ein ungewohnter sanfter, weicher Ausdruck getreten war, blickte rücksichtsvoll von ihm fort auf den Rasen hinaus. Als Sherriff wieder zu sprechen anhub, war es mit seiner gewohnten Ruhe und in einem anderen Tone.

»Es freut mich, daß wir zufällig auf Sir Jasper zu reden kamen,« sagte er, »denn dabei fällt mir ein, was ich sonst vergessen härte, — daß ich ihm einen Brief schicken muß, und zwar so bald wie möglich. Joe muß sogleich damit fort.«

Leath erhob sich, um Joe herbeizurufen, aber es stellte sich heraus, daß dieser mit einem Auftrage nach Lychet Hook geschickt worden, und zwar von dem Hausherrn selbst, was diesem ganz entfallen. Er erklärte nun, den Brief selbst nach Turret Court bringen zu müssen, aber Leath legte ihm die Hand auf die Schulter, drückte ihn sanft in seinen Stuhl zurück und erbot sich, nach Turret Court zu gehen, das er sich schon längst gern einmal habe ansehen wollen, solange er in der Gegend bleibe.