»Und mehr wissen Sie nicht — nicht einmal seinen Namen?«

»Ja, den weiß ich, oder, wenn nicht seinen Namen, so doch den, den er einst führte. Es ist mein einziger Leitfaden. Sie meinten vorhin, Sie könnten mir vielleicht helfen, — Sie mögen recht haben. Kennen Sie — haben Sie jemals den Namen Robert Bontine gehört?«

»Bontine?« wiederholte Sherriff sinnend. »Nein — meines Wissens habe ich den Namen niemals gehört.«

»Das wissen Sie bestimmt?«

»So bestimmt, wie es in solchen Fällen möglich ist. Wenn ich den Namen je gehört habe, so hat er sich meinem Gedächtnis nicht eingeprägt. Aber der Name ist eigenartig, und mein Gedächtnis ist gut — ich halte es kaum für wahrscheinlich, daß ich ihn vergessen haben sollte.« Er schüttelte den Kopf. »Nein,« sagte er dann entschieden. »Unglücklicherweise kann ich Ihnen nicht helfen, Leath. Ich habe den Namen Robert Bontine nie gehört.«

10.

Gräfin Florence hatte im Gespräch mit ihrem Verlobten Lychet Hut einmal als eine Ruine bezeichnet. Das war zwar übertrieben, aber doch nicht allzu sehr. Sie hatte die Behausung auch einsam genannt, und das war durchaus nicht übertrieben.

Das Haus lag auf der Halde, am Wege nach Lychet Hook, fast eine halbe Stunde von St. Mellions entfernt, und zwischen ihm und dem Dorfe standen keine Häuser. Es war ein winziges Häuschen mit einem Strohdach und enthielt nur zwei geräumige Zimmer zu ebener Erde, eine Bodenkammer und eine Küche. Es war vor ungefähr zehn Jahren nach eigenem Plane von einer alten, unverheirateten Dame erbaut worden, die ebenso wunderlich wie reich war und von der allgemein angenommen wurde, daß sie infolge einer unglücklichen Liebe der Menschheit entsagt habe. Wie dem auch gewesen sein mochte, so lebte sie dort bis zu ihrem Tode in strenger Zurückgezogenheit nur mit einer Dienerin, die ebenso alt und verschroben war wie sie selbst. Dann hatte Chichester die Wohnung für eine lächerlich kleine Summe von ihren Erben erstanden und war trotzdem nicht auf seine Kosten gekommen, denn es hatte sich nie wieder ein Mieter für das Haus gefunden.

Jetzt hatte Everard Leath es bezogen, und obschon er seit drei Wochen darin hauste, hatte man in St. Mellions noch nicht aufgehört, sich über den ›sonderbaren Herrn aus Australien‹ zu wundern.

Chichester, der, wie Gräfin Florence ihn mit Recht genannt hatte, der beste Hauswirt war, den man sich nur wünschen konnte, hatte alle notwendigen Ausbesserungen vornehmen lassen, und Leath selbst hatte sich nach Market Beverley begeben und sich dort einfache Möbel und Haushaltungsgegenstände bestellt, die er nach wunderlicher eigner Methode selbst aufgestellt hatte. Darauf hatte er eine ältliche Witwe, eine Schwägerin Buckstones, des Wirts der Chichester Arms, in seinen Dienst genommen, um für ihn und seine Bedürfnisse zu sorgen, und dann sich in der abgelegenen Behausung häuslich niedergelassen, als beabsichtige er den Rest seines Lebens dort zu verbringen. Und über ihn, über seinen Hausstand und sein Benehmen im allgemeinen verwunderte man sich in St. Mellions höchlichst.