»Ist es schon lange her?«
»Daß Robert Mortlake starb? O — viele Jahre — ehe Sir Jasper heiratete — etwa dreißig — oder vielleicht noch länger!«
Leath antwortete nicht, er hatte sich schnell erhoben. Durchaus nicht unzufrieden darüber, — denn sie fand, daß die Unterhaltung lange genug gedauert, und hatte während der letzten Minuten schon überlegt, wie sie ihr am besten ein Ende machen könnte, — stand Florence ebenfalls auf und nahm die hilfreiche Hand, die er ihr darbot, als etwas Selbstverständliches an. So flüchtig und gleichgültig sie sie auch berührte, so konnte sie doch nicht umhin, zu bemerken, wie kalt sie war, obgleich sie sich kaum die Mühe nahm, sich darüber zu wundern.
»Ja,« fuhr sie in leichtem Tone fort, »es muß dreißig Jahre her sein, wenn nicht länger, daß Robert Mortlake starb. Nein — es sind gerade dreißig Jahre, denn das Datum steht auf seinem Denkstein in der Kirche. Sie können sich ihn ansehen, Herr Leath, wenn es Sie interessiert. Er ist in der südwestlichen Ecke; von unserm Gestühl blickt man gerade darauf hin. Er liegt natürlich in der Familiengruft im Park begraben wie alle Mortlake. Er wurde deshalb hierher geschafft.«
»Hierher geschafft?« wiederholte Leath hastig. »Starb er denn im Auslande?«
»Freilich! Er war meistens im Auslande — hat sich in der ganzen Welt umhergetrieben — wo, weiß ich nicht.«
Sie dämpfte die Stimme, beugte sich etwas näher zu ihm hinüber und schlug die grauen Augen mit plötzlicher Vertraulichkeit zu ihm auf. »Wissen Sie, ich sagte eben, Tante Agathe hätte nicht gewollt, daß Roy nach ihm genannt wurde. Nun — das war der Grund: er war ein schrecklicher Tunichtgut.«
»Inwiefern?«
»Inwiefern? Was weiß ich!« Sie zuckte die Achseln. »Was meint man gewöhnlich, wenn man von einem Menschen als von einem schrecklichen Tunichtgut spricht? Wohl, daß er’s in jeder Beziehung ist. Mehr habe ich nie darüber gehört, Robert Mortlake ist verfemt in Turret Court.«
»Sir Jasper spricht nicht von ihm?«