»Das fürchte ich auch. Es tut mir sehr leid.«

»Mir auch, der Aufenthalt hier ist keineswegs so behaglich, wie er sein könnte.«

Ihr Ton war jetzt förmlich und gezwungen, er dagegen hatte einen leichten und heiteren angeschlagen.

»Selbst wenn das Gewitter vor Mitternacht vorüber sein sollte, — und jetzt sieht es nicht darnach aus, — ist es rätselhaft, wie Sie ohne einen Wagen, den ich nicht besitze, über die Halde kommen sollten. Sie müssen hier bleiben und es sich so bequem wie möglich machen, und ich will nach dem Bungalow hinübergehen — das ist die nächste Behausung. Herr Sherriff wird mir schon ein Unterkommen für die Nacht gewähren. Daran hätte ich schon eher denken sollen.«

»Nach dem Bungalow?« wiederholte Florence mechanisch. Sie fuhr wieder von ihrem Stuhl auf.

»Das sollen Sie nicht!« sagte sie entschieden. »Sie wollen den weiten Weg — fast dreiviertel Stunden — in solch einem furchtbaren Gewitter machen! Sie würden bis auf die Haut durchnäßt — Sie könnten vom Blitz erschlagen werden. Ich will es nicht, Herr Leath, — ich gebe es nicht zu, — Sie können unmöglich glauben, daß ich das dulden würde! Und außerdem würde ich ganz allein sein! Ich könnte es in diesem einsamen Hause, noch dazu bei diesem Gewitter, nicht aushalten! O, Sie müssen mich hier nicht allein lassen — wirklich nicht! Ich glaube, ich würde vor Angst umkommen, ehe der Morgen anbräche.«

»Nein — nein — Sie mißverstehen mich! Glauben Sie mir, es ist mir nicht eingefallen, Sie allein zu lassen,« antwortete Leath in sanftem Tone.

Es berührte ihn sonderbar, das Zittern der Hand zu spüren, mit der sie sein Handgelenk umfaßte, wie dem angstvollen Flehen ihrer Augen zu begegnen. Dies war nicht Gräfin Esmond, die er zuerst kennen gelernt, auch nicht die Florence, die er auf der Halde getroffen, selbst wenn sie in ihrer zutraulichsten, liebenswürdigsten Stimmung gewesen, sondern ein furchtsames Geschöpfchen, das sich wie ein Kind schutzheischend an ihn klammerte.

»Es würde mir nicht im Traume einfallen, Sie hier allein zu lassen,« sprach er beschwichtigend. »Sie kennen die Alte, die für mich sorgt — Frau Young — Sie kennen alle Welt in St. Mellions — Sie werden in ihrer Obhut sicher geborgen sein.«

»Ja — ich — das mag schon sein. Ich hatte sie vergessen.« Sie ließ seinen Arm los. »Aber, Herr Leath, Sie müssen sich nicht in dies Unwetter hinauswagen, nur weil ich hier bin. Es ist töricht — abgeschmackt! Ich kann es wirklich nicht zulassen.«