Der Komet, dessen Schweif nicht weniger als vierzig Millionen Meilen Länge besaß, dessen noch nicht fester Kern fünftausendvierhundert Meilen im Durchmesser maß und dessen Strahlen sich auf vierhundertsechsundachtzigtausend Meilen Ausdehnung in der Breite erstreckten – heutzutage sind seine Dimensionen nur halb so groß, als sie damals waren –, der Komet, der sich bisher höchstens mit den Monden des Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun befaßt hatte und der immer nur unter der vornehmsten Gesellschaft des Firmaments umhergestreift war, sah sich beim Anblick unseres kleinen irdischen Gestirns seltsam und fast unangenehm überrascht.

Wenn sich auch unser Held der unendlichen Mannigfaltigkeit der Schöpfung bewußt war, so hatte er sich doch niemals vorstellen können, daß es auch solch kleine Weltkörper geben könnte. Er mußte unsere Erde mehrmals ansehen, bevor er seinen Augen glauben wollte, und erst, als er sich überzeugt hatte, daß jede Täuschung ausgeschlossen sei, ließ er sich herab, von dem Dasein der neuen Weltkugel Kenntnis zu nehmen. Die niedrige Stellung, die diese unter den Gestirnen des Himmels einnahm, erschien in den Augen des Kometen noch geringer. Indem er sich in seine kometarische Majestät hüllte, flog er stolz an dem kleinen neuen Sprößling der Schöpfung vorüber, wobei er den Kopf abwandte. Seinen strahlenden Schweif aufrichtend, nahm er dann seinen alten Weg wieder auf, um stolz seinen glänzenden Flug durch die Tiefen des Weltalls fortzusetzen.

So gehen – leider nur zu oft in der Welt – die Großen an den Kleinen, die Mächtigen an den Schwachen vorüber. In ihrem Hochmut erkennen sie den Wert des Kleinen nicht und ihre Verblendung macht sie ungerecht. Als ob Geschöpfe, denen Schönheit und Anmut abgeht, nicht auch Kinder derselben Natur wie sie und Glieder derselben großen Familie wären!

Man muß indessen zugeben, daß unsere Erde für diejenigen, die sich über ihre Bedeutung in keiner Täuschung befinden, wie wir, eine recht kleine Welt ist. Unser Patriotismus für unsere »Mutter Erde«, so berechtigt er auch an sich sein mag, läßt sie uns größer und bedeutender erscheinen, als sie es in der Tat ist, und die Wanderer, die den Himmelsraum durchfliegen, mögen es durchaus nicht begreifen können, daß wir davon so viel Wesens machen.

Der Komet, einer der schönsten, wenn nicht überhaupt der schönste unseres gesamten Sonnensystems, kommt nicht näher an die Sonne als die Erde heran: Zwanzig Millionen Meilen. In seiner Bahn beschreibt er eine Ellipse, und sobald er in die Gegend kommt, in der wir uns befinden, kehrt er in einem großen Halbkreise wieder um. Mit einer Schnelligkeit von vierhundert Meilen in der Minute eilt der himmlische Wanderer zu den Grenzen des Sonnensystems und kreuzt dabei die Bahnen sämtlicher darin kreisender Welten. Als ob es ihm leid tue, sich von der Sonne mit ihrer leuchtenden Krone entfernen zu müssen, verlangsamt er seinen Flug, je weiter er sich von ihr entfernt. Bis auf acht Milliarden dreihundertundsiebzehn Millionen Meilen Entfernung von der Sonne führt ihn seine Wanderung; soviel beträgt sein Aphelium, seine Sonnenferne. In diesen unfaßbaren Tiefen des Weltenraumes hat sich seine Schnelligkeit sehr verringert, und sie ist nicht mehr größer als die des Windes, das heißt, einige Meter in der Sekunde. Seine Kurve schließt sich jetzt von neuem, und er kehrt zu dem leuchtenden Tagesgestirn zurück, dessen Scheibe in dieser ungeheuren Entfernung allmählich so an Größe abgenommen hat, daß sie nur noch als ein kleiner Stern zu erkennen ist. Aus dieser erschreckenden Entfernung noch ruft ihn die Sonne, und der Komet hört ihre Stimme. Er wendet sich um und von seinen Polhöhen aus stürzt er sich auf die Sonnenbahn, wobei er es sorgfältig vermeidet, zu nahe an Jupiter und Saturn heranzukommen. Seine Schnelligkeit vergrößert sich zusehends, sie wächst und wird ungeheuer, heiß und gewaltig wie das Verlangen, und von neuem fliegt er der Sonne zu, die auf alle Planeten solch wunderbare Anziehung ausübt. Nach einer Reise von fünfzehnhundert Jahren erreicht er wieder sein Perihelium, seine Sonnennähe. Sein leuchtender Schweif, der immer blasser geworden war, je weiter sich der Komet von der Sonne entfernte, und der schließlich vollständig verschwunden war, kommt wieder zum Vorschein und wächst in dem Maße, in dem sich der Komet dem Mittelpunkt der Sphäre nähert. Seine Gestalt nimmt an Umfang zu, ebenso sein Schweif an Pracht und Glanz. Es ist gleichsam so, als ob ein hoher irdischer Würdenträger vor seinen Herrscher treten soll und zu diesem Behufe seine mit Gold und Edelsteinen reich geschmückten Festkleider anlegt. Der Komet hat das Gebiet der Königin des Lichtes betreten, und vor den erstaunten Augen entfaltet er majestätisch die Reize seiner Schönheit und seiner prächtigen Gewandung.

Als im Jahre Sechshundertachttausend­einhundertvierundzwanzig vor Christi Geburt das leuchtende Gestirn auf seiner Wanderung wiederum in die Gegend kam, in der sich unsere Erde bewegt, wurde seine Aufmerksamkeit von neuem auf diesen kleinen meergrünen Ball gelenkt, und es gewann es nicht mehr über sich, ihn unbeachtet zu lassen. Große Personen interessieren sich ja oft für Kinder, und auch der Komet hielt es nicht unter seiner Würde, Beobachtungen über die Erde anzustellen; er wollte gern wissen, bis zu welchem Grade sich auf solch unscheinbarer Kugel wohl das Leben entwickeln könnte.

Es traf sich insofern recht gut, als gerade damals der Komet ein volles Jahr lang in Sicht der Erde blieb und eine vorteilhafte Stellung für ihre Beobachtung einnahm; aber dies vermochte ihn doch nicht von der entgegengesetzten Richtung seines Umlaufs abwendig zu machen, die ihn wieder fortführte.

Anstatt wie alle Planeten und fast alle Begleitsterne unseres Sonnensystems sich von Osten nach Westen zu bewegen, bewegt sich unser Komet von Westen nach Osten, also gerade entgegengesetzt. Diese konträre Bewegung machte die Beobachtung zwar schwieriger, aber gerade dadurch wurde sein Forschungseifer noch mehr angespornt, und während der zwölf Monate, während deren die Erde in seinem Gesichtsfelde blieb, ließ er keinen Tag und keine Nacht unbenutzt für seine Beobachtungen vorübergehen.