Trennung des
Verlags vom
Sortiment.

Die Trennung des Verlags vom Sortiment wurde immer üblicher. Die Zahl der Verleger wurde durch Buchdrucker vermehrt, die öfters durch die ungünstigen Arbeitsverhältnisse zum Verlegen gedrängt wurden, um das Personal in Zeiten zu beschäftigen, wo die Aufträge der Verleger fehlten.

Hierdurch hörte das Tauschgeschäft ganz auf. Um die Artikel an den Mann zu bringen, sah man sich genötigt die Neuigkeiten „in Kommission“ zu versenden. In dem letzten Viertel des xviii. Jahrhunderts war dies Geschäft vollständig organisiert und führte wieder zur Errichtung der Kommissionslager und der Gross-Sortimentslager in Leipzig. Viele Sortimentshändler zogen es vor, ihren Bedarf von den grossen Leipziger Kommissionären zu beziehen, statt mit den vielen Verlegern in Verbindung zu stehen.

Steigender
Nachdruck.

Durch diese Änderungen, verbunden mit der Verschlechterung des Münzfusses, traten erhöhte Ladenpreise ein, wodurch wieder der Nachdruck gefördert wurde, namentlich waren es der Süden von Deutschland und Österreich, welche den Nachdruck gewerbsmässig betrieben. Die kaiserliche Regierung leistete demselben in den Erblanden Vorschub, indem sie in diesen die erteilten kaiserlich deutschen Privilegien nicht respektierte, ein Beispiel, das gar zu willig bei anderen deutschen Fürsten Nachfolge fand. Da der Verkehr auf der Messe den Nachdruckern so gut wie verschlossen war, so nahmen sie ihre Zuflucht zu dem Colportagehandel und zogen auch Buchbinder, Landgeistliche, Schullehrer in ihr Interesse durch Gewährung von grossen Rabatten. Die Verleger rechtmässig erworbener Schriften folgten dem gegebenen Beispiel.

[1] Vergl. die in der Einführung erwähnten technischen Werke.

[2] Die Gehülfen, welche sowohl setzen als drucken konnten, nannte man „Schweizerdegen“. Wie so oft, wenn einer zu viel treibt, waren sie gewöhnlich in keinem Fach recht zuhause und deshalb weniger gut angeschrieben.

[3] Hieronymus Hornschuh, Ορθοτυπογραφία. Leipzig 1634 und in mehr. Ausg.

[4] Ein solcher Kornutenhut war in der Halleschen Ausstellung 1881, in der Abteilung der Faberschen Buchdruckerei aus Magdeburg, zu sehen.

[5] Es giebt mehrere gedruckte Depositionsspiele; am bekanntesten ist das im Jahre 1654 „der hoch- und weitgerühmten Buchdrucker-Kunst zu unvergleichlichen Ehren“ von Johann Rist abgefasste, das in Ernestis Handbuch mitgeteilt wird.