Als MADRID 1560 Residenz geworden, zogen die Könige auch Buchdrucker nach dort, und ernannten königliche Hofbuchdrucker, auch wurde, in Nachahmung der Pariser Anstalt, eine königl. Buchdruckerei errichtet. Die Kunst kam jedoch nicht recht in Flor; wollte man ein Buch recht schön gedruckt haben, so suchte man vorzugsweise Plantin in Antwerpen, oder dessen Nachfolger Moretus, auf. Unter den Madrider Buchdruckern müssen wir Johann de la Cuesta nennen, dem die Ehre vorbehalten blieb, die erste Ausgabe von Miguel de Cervantes' unsterblichem Werke: El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha, zu drucken.

Einen bedeutenden Namen hatte Antonio Bortazar in Valencia. Der König Philipp v. wurde auf ihn aufmerksam gemacht; bevor jedoch die Organisationspläne zur Ausführung kommen konnten, starb Bortazar. In SEVILLA zeichnete sich Johann Kromberger, ein Deutscher, aus. Der berühmteste Name der spanischen Druckkunst, Joachim Ibarra, gehört der nächsten Periode an.

Süd-Amerika.


Begreiflicherweise waren die Spanier die ersten, welche die Buchdruckerkunst in MITTEL- und SÜD-AMERIKA einführten und zwar volle hundert Jahre bevor Nordamerika eine Presse hatte. Dort, wie hier, waren die, in dieser Periode gedruckten Schriften hauptsächlich religiösen Inhalts. In MEXICO erschienen jedoch auch einige geschichtliche Werke und viele sprachliche Bücher für den Gebrauch der Eingeborenen, in den mancherlei Idiomen derselben abgefasst[8]. Was die Zahl, den Umfang und die Ausstattung der Bücher betrifft, ging der Süden Amerikas bis gegen das Ende des xvii. Jahrh. bedeutend dem Norden voran.

Über die Zeit der Einführung und die Person des Einführenden herrschten sehr abweichende Ansichten; jetzt steht es wenigstens unwiderleglich fest, dass Bücher 1540 in Mexico gedruckt wurden, und dass die Einführung der Kunst also noch vor diesem Jahre, wahrscheinlich um 1537, auf Betrieb des Vicekönigs Antonio de Mendoza geschah.

Lange galt die Annahme, dass das Vocabulario en lingva Castellana y Mexicana (1571) des Franziskaners Alonso de Molina das erste Werk und Antonio de Spinosa der erste Drucker gewesen. Die Druckerlaubnis wurde 1569 erteilt und so ist auch das Vorwort datiert. Der erste Teil dieses bedeutenden Werkes besteht aus 122, das zweite aus 162 numerierten Blättern in Folio, dasselbe also im ganzen aus 568 Seiten[9].

Später ward Johan Krombergers Druck: Doctrina Christiana, in dem Jahre 1544 mit gothischer Schrift ausgeführt, aufgefunden, die man nun für das älteste Buch Mexicos hielt, bis auch diese Annahme, und zwar durch sechs eigene Drucke Krombergers älteren Datums, widerlegt wurde. Sein erstes Buch, Manual de adultos, von welchem jedoch nur die letzten Blätter erhalten wurden, stammt nämlich schon aus dem J. 1540; das zweite: Relacion del espantable terremoto etc. de Guatemala, erschien 1541[10].

Nach den angesehenen Geschichtsforschern D. Padella, Alonzo Fernandez und Gonzales Danila hat Juan de Estrada in dem Novizenhause zu Mexico noch vor 1740 eine Übersetzung aus dem Lateinischen des Joh. Climachus: Escala esperitual para llegar al cielo geliefert und Juan Pablos sie gedruckt. Nur nennt Danila den Verfasser Juan de la Magdalena, was sich leicht als Klostername des Paters Juan de Estrada erklärt.

Es dürfte jedoch nicht gar zu schwer sein, diese widersprechenden Nachrichten mit einander in Einklang zu bringen. Da der Vizekönig Antonio de Mendoza 1535 nach Mexico kam und dem (oben erwähnten) Kromberger in „Sevilla“ den Auftrag gegeben hatte, eine Druckerei in Mexico anzulegen, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Kromberger den Juan Pablos nach dorthin gesandt hat, so dass dieser mit einem gewissen Recht als der erste Drucker der neuen Welt bezeichnet werden, und Kromberger doch die erste Druckfirma dort gewesen sein konnte. Pablos kann also für Kromberger die erwähnte Escala esperitual um 1537 gedruckt haben. Kromberger starb vor 1541, doch hat man später aus dem Geschäft in Sevilla Bücher mit seiner Firma. Und so wird es wohl auch in Mexico gewesen sein, bis wahrscheinlich Pablos das Geschäft erwarb, denn 1550 kommt auf der Doctrina Christiana seine Firma vor und dann später öfters.