Ausser Ugo da Carpi (gest. um 1520) besitzt Italien eine ziemliche Anzahl tüchtiger Künstler in diesem Genre, unter welchen Nicolo Boldrini aus Vicenza und Andreas Andreani (geb. 1540, gest. 1625) bedeutende Plätze einnehmen. Letzterer gab Platten von grossen Dimensionen nach den wundervollen Mosaiken Domenico Beccafumis ausgeführt. Sein „Triumphzug Cäsars“, von Andrea Mantegna gezeichnet, ist ebenfalls von grosser Bedeutung.

Graf Zanetti


Noch in später Zeit machte sich der Graf Anton Marie Zanetti, geboren in Venedig 1680, dort gestorben 1766, bekannt durch seine Bestrebungen, den Clair-obscur-Druck aufs neue zu Ehren zu bringen. In einem grossen Werke von 101 Blättern in Folio giebt er besonders Kopien nach Parmesano. Leider wurde dieses kostbare Werk nur in 30 Exemplaren gedruckt und dann die Platten vernichtet. In den Jahren 1738-1743 lebte ein Engländer John Jackson, der in Papillons Schule sich ausgebildet hatte, in Venedig, wo er eine Anzahl sehr tüchtiger Kopien von berühmten italienischen Meistern in Clair-obscur-Manier fertigte.


SPANIEN. PORTUGAL. DER SÜDEN AMERIKAS.

In SPANIEN und PORTUGAL machte die Buchdruckerei in dieser Periode keine grossen Fortschritte. Die bis Ende des xv. Jahrhunderts gedruckten Bücher zeigen keine anderen Schriften, als die in Frankreich verwendeten halbgothischen, und bis in die Mitte des xvi. Jahrhunderts behalten die spanischen Bücher immer noch das Aussehen derjenigen des xv. Jahrhunderts.

Complutinische
Polyglotte.

Eine Berühmtheit der spanischen Buchdruckergeschichte weist die Stadt ALCALA DE HENARES (Complutum) auf. Der Kardinal und Premierminister Ferdinand des Katholischen, Franz Ximenes de Cisneros, hatte 1499 die dortige Universität begründet und einen ausgewählten Kreis von Gelehrten, namentlich Linguisten, dahin versammelt. Man brauchte Bücher für die Studierenden und berief Wilhelm de Brocario aus Pampelona, der als tüchtigster Buchdrucker Spaniens galt. Er druckte erst eine Anzahl von Klassikern und dann auf Befehl des Kardinals die berühmte Complutinsche Polyglott-Bibel in 6 Bänden in Folio (1514-1517), eins der prachtvollsten Druckerzeugnisse damaliger Zeit. Den Kostenaufwand, welchen die Ausarbeitung und Herstellung des Werkes verursachten, schätzt man auf über 50000 Goldkronen. Nach der Vollendung beanstandete der Papst Leo x. die allgemeine Verbreitung, welche erst am 22. März 1520 zugestanden wurde. Die Übergabe des Werkes in den Verkehr fand erst 1522 statt. Brocario druckte bis 1522; sein Sohn, Johann, noch lange nach ihm. Berühmt war auch Michel de Eguia. Alfonse de Fonseca, der Nachfolger Ximenes' bei Karl v., trat ganz in die Spuren seines Vorgängers und unterstützte die Kunst.

Madrid.