In PADUA[5] gründeten die zwei gelehrten Brüder Gaetano und Giovanni Antonio Volpi eine bedeutende Buchdruckerei zur Herausgabe von Klassikern und übergaben die Leitung dem Giuseppe Comino, der sich durch grosse technische Tüchtigkeit auszeichnete. Die cominischen Ausgaben der Klassiker, der Zahl nach zwanzig, sind sowohl wegen ihrer Ausstattung als Korrektheit berühmt.

Verfall.

Die Blüte der, durch die Unterstützung fein gebildeter Fürsten und Grossen, sowie einer reichen, unabhängigen Bürgerschaft geförderten litterarischen Kultur ging mit dem Ende des xvi. Jahrhunderts zurück; mit ihr verfiel, wie überall, so auch in Italien, die Buchdruckerkunst, die erst in viel späterer Zeit als anderswo, zugleich mit der, auch spät errungenen, politischen, nationalen Unabhängigkeit und damit verbundenen Press-Freiheit, sich wieder zu heben beginnen sollte.


Die
Xylographie.

DER HOLZSCHNITT entwickelte sich in Italien nicht in demselben Masse wie in Deutschland, und der Kupferstich behauptet den Vorrang. Nur Venedig macht einigermassen eine Ausnahme. Doch übte Dürers Stil seinen Einfluss auch in Italien und wir sehen sogar einen bedeutenden Künstler, Marc-Antonio Raimondi, die Holzschnitte Dürers in Kupferstich wiedergeben, weshalb ihn Dürer verklagte, wobei er jedoch nur erreichte, dass es Raimondi untersagt wurde, Dürers Monogramm mit nachzumachen.

Cesar Vecellio.

Eine merkwürdige Erscheinung auf dem Gebiete des illustrierten Druckes ist die von Aldus (1499) herausgegebene Hypnerotomachia oder der Kampf des Schlafes und der Liebe. Die reichen Illustrationen wurden gewöhnlich Benedetto Montagna zugeschrieben, von einigen sogar Raphael, wahrscheinlich gehören sie aber einem, unbekannt gebliebenen Künstler. Von Andrea Mantegna haben wir einige vorzügliche Holzschnitte, ebenso von dem erwähnten Kupferstecher Marc-Antonio Raimondi (geb. 1488, gest. 1546). Cesar Vecellio lieferte seine berühmten Habiti antichi e moderni, 420 Kostümbilder, die von Christoph Krieger (geb. 1550, gest. 1606) aus Nürnberg in Holz geschnitten wurden[6]. Vecellius war ein Neffe Tizians und es ist von Kennern behauptet worden, Tizian selbst habe die Originalzeichnungen geliefert. Jedenfalls ist Vecellius sehr durch seinen berühmten Verwandten beeinflusst worden und die Zeichnungen nähern sich dessen grossartigem Stil. Die Ausführung in Holzschnitt ist leider eine nur mittelmässige[7]. Sonst haben, besonders in Venedig, eine Anzahl tüchtiger, aber dem Namen nach unbekannter Meister der paduanisch-venetianischen Schule gearbeitet. Als Verfertiger der vielen, mit dem aus den Buchstaben J. B. zusammengesetzten Monogramm bezeichneten venetianischen Holzschnitt-Illustrationen ist nunmehr in neuester Zeit Giovanni Brito erkannt worden.

Clair-Obscur-
Druck.

In dem farbigen (Clair-obscur-)Druck behaupteten die Italiener das Übergewicht; wenn sie aber auch auf die Erfindung Anspruch machen, sind sie im Unrecht, da deutsche Clair-obscur-Drucke aus dem Jahre 1509 von Lucas Cranach existieren, während die ersten Drucke des angeblichen Erfinders Ugo da Carpi erst aus dem Jahre 1518 herrühren. Das Verfahren besteht, wie schon kurz erwähnt wurde, darin, durch mehrere Platten, in verschiedenen Farben oder Tonabstufungen gedruckt, den Effekt des mit farbigen Tuschen gezeichneten oder in Sepia ausgeführten Bildes hervorzubringen. Durch gänzliches Aussparen der lichten Stellen fügt das, an diesen Stellen zum Vorschein kommende weisse Papier noch die Wirkung hinzu, als wären weisse Lichter aufgesetzt. Öfters wurden die ersten Konturplatten in Kupfer gestochen, die Töne aber mittels Holzplatten aufgedruckt. Die Schwierigkeit der Ausführung dieser Arbeiten liegt darin, dass die Grenzen der verschiedenen Platten sich vollständig decken müssen, was bei dem Druck, trotz feinster Punkturen und genauester Anlage, äusserst schwer zu erzielen ist, da das Papier während des Druckes seinen Feuchtigkeitszustand, folglich seine Grösse, ändert, auch die Punkturlöcher allmählich sich erweitern, was zur Unsicherheit beiträgt.