Christoph Sauer.

Für die deutschen Ansiedler war die Errichtung von Druckereien eine schwierige Aufgabe. Pressen, Schriften, Papier, Schwärze, kurz alles zum Druck Notwendige musste aus Deutschland beschafft werden. Die grössten Verdienste erwarb sich Christoph Sauer (Saur, Sower), geboren 1693 in Laasphe in Westfalen. Er übte die Profession eines Brillenmachers und wanderte 1724 nach GERMANTOWN aus. Von 1726-1731 lebte er in Lancaster als Heilkünstler, kehrte dann nach Germantown zurück, wo er 1737 oder 1738 eine Druckerei kaufte, die ein Freund in Deutschland erworben und von dort nach Amerika befördert hatte.

Anfänglich wollte es nicht recht gehen und Sauer hatte viele Sorgen. Sein erstes Verlagswerk war ein „ABC Buch, bei allen Religionen ohne billigen Anstoss zu gebrauchen“ (1738) und ein Kalender, welcher bis 1777 fortgesetzt wurde. Sein erstes grösseres Verlagswerk war das, von der Sekte der Siebentäger (die den Sonnabend als Sabbat feierten) herausgegebene Gesangbuch: „Zionitischer Weyrauchs-Hügel oder Myrrhen Berg, worinnen allerley liebliches und wohlriechendes nach Apotheker-Kunst zubereitetes Rauch-Werk zu finden“. Gewidmet war es: „allen in der Wüsten Girrenden und einsamen Turteltäublein“.

Im Jahre 1739 gab Sauer das erste Stück der ersten deutsch-amerikanischen Zeitung heraus: „Der hochdeutsch Pennsylvanische Geschicht Schreiber, oder Sammlung wichtiger Nachrichten aus dem Natur und Kirchen-Reich“, die viermal jährlich erscheinen sollte, hieraus ward bald zwölf- und von 1762 ab 24mal. Von 1775-1777 erschien das Blatt wöchentlich und soll bereits 1751 4000 Abonnenten gehabt haben; die Zahl steigerte sich später auf 8000. Der Titel ward mehrmals geändert, zuletzt von dem jüngern Sauer in „Germantowner Zeitung oder Sammlung wahrscheinlicher Nachrichten aus dem Natur- und Kirchenreich“. Er wählte das Wort „wahrscheinlicher“, da er zu gewissenhaft war, um die Leser durch den Titel zu dem Glauben veranlassen zu wollen, es sei alles wahr, was in der Zeitung stände.

Sauers Bibel-
druck.

Sauers bedeutendstes Unternehmen war die Herausgabe der deutschen lutherischen Bibel. Bei dieser Veranlassung legte er (1740) selbst eine Schriftgiesserei an, die erste in Amerika, und 1743 war das Werk von 1284 Seiten in Royal-Quart in 1200 Exemplaren vollständig und in Leder gebunden. Diese Bibel war die erste in einer europäischen Sprache in Nordamerika gedruckte; die erste Ausgabe in englischer Sprache erschien, auf Grund des Monopols der Universität Oxford, erst 1782. Ausser der Bibel druckte Sauer das Neue Testament in 7 Auflagen und eine grosse Anzahl Bücher, meist Nachdrucke von in Deutschland erschienenen theologischen Schriften und Andachtsbüchern. Politisch gehörte Sauer zu den Gesinnungsgenossen Franklins und der Einfluss seines Blattes ward von den Regierungsmännern besonders gefürchtet.

Christ. Sauer d. j.

Christoph Sauer d. j. dehnte das Geschäft sehr aus, beschränkte jedoch, wie der Vater, den Verlag hauptsächlich auf Schul- und Andachtsbücher. Nur einer seiner vielen Verlagsartikel hat nähern Bezug auf Deutschland: „Das Leben und die heroischen Thaten des König Friedrich ii. von Preussen“. Auch als Buchdrucker blieb der Sohn der bedeutendste Vertreter der deutsch-amerikanischen Presse. Die Bibel druckte er noch in zwei Auflagen, von welchen die letzte fast gänzlich von den Soldaten zu Patronen verwendet wurde, als 1776 der Freiheitskrieg sich nach Germantown gezogen hatte. Alle Druckwerke des Vaters sowohl als des Sohnes zeichnen sich durch Reinheit der Schriften und guten Druck aus; auch das Papier ist kräftig und gut geleimt. Der Sohn stand politisch auf Seiten der englischen Regierung und zog zu seinen Kindern nach Philadelphia, welche ebenfalls für den König Partei nahmen. Er ward als Verräter erklärt, sein Eigentum konfisciert und er nach seiner Rückkehr zu Germantown verhaftet und misshandelt. Seinen Lebensabend verbrachte der tüchtige und redliche Mann in ärmlichen Verhältnissen, und starb 1784.

Die späteren
Nachkommen
Sauers.

Zwei seiner Söhne, Peter und Christoph iii., gaben in Philadelphia das einzige, sich zugleich durch seine masslose Sprache auszeichnende deutsche, englischgesinnte Blatt, heraus. Ein dritter Sohn Samuel liess sich erst in Philadelphia, dann in Baltimore als Schriftgiesser, Drucker und Verleger nieder und genoss einen bedeutenden Ruf; der vierte Sohn Daniel setzte das alte väterliche und grossväterliche Geschäft in Philadelphia fort.