JOHANNES GENSFLEISCH ZU GUTENBERG, geboren in Mainz um das Jahr 1397, gehörte einer dortigen angesehenen Patrizierfamilie an. Sein Vater, Frielo Gensfleisch, heiratete Else, letzte Sprosse des Patriziergeschlechtes „zum Gutenberg“. Dieser Ehe entstammten zwei Söhne Frielo und Henne (Johannes).
Herkunft und
Jugend Guten-
bergs.
Von den Jugendjahren und dem Bildungsgang des Johannes ist nichts bekannt. In die Streitigkeiten zwischen dem Adel und den Bürgern von Mainz verwickelt, wanderte die Familie Gensfleisch 1421 von Mainz aus und zog wahrscheinlich zuerst nach Eltville im Rheingau, wo sie Güter besass. Hier wohnte 1434 noch der älteste Sohn Frielo. Aus einer Urkunde, welche Johannes Gutenberg (bei diesem seinen Weltnamen werden wir ihn künftig nennen) im Jahre 1434 in Strassburg ausstellte, erfährt man erst mit Bestimmtheit, dass er dort sein Domizil aufgeschlagen hatte. Er wohnte im Kloster Arbogast an der Ill, eine Viertelstunde vor dem Weissturmthore, an der, jetzt Grüneberg genannten Stelle. In der erwähnten Urkunde erklärt Gutenberg, dass er, dem Strassburger Magistrat zuliebe, den Mainzer Stadtschreiber Nikolaus, den er hatte festnehmen lassen, um die Zahlung einer Rente von dem Mainzer Rate zu erzwingen, welche dieser beanstandete, weil Gutenberg nicht nach Mainz zurückgekehrt war, loslassen wolle. Gleichzeitig verzichtet Gutenberg auf jede Forderung an die Stadt Mainz.
Gutenbergs
Associationen.
Als industrielles Talent zeigt sich Gutenberg erst um das Jahr 1435 („etliche Jahre vor 1439“). Zu der erwähnten Zeit sucht Andreas Dritzehn ihn auf, mit dem Begehren, Gutenberg möge ihn in einige von den Künsten einweihen, mit welchen er sich abgebe. Gutenberg ging hierauf ein und schloss einen Vertrag in Betreff des „Steinepolierens“ mit Dritzehn ab. Im Jahre 1437 traf Gutenberg ein weiteres Abkommen mit Hans Riffe, Voigt zu Lichtenau, bezüglich des „Spiegelmachens“, einer Kunst, die man anlässlich der 1439 bevorstehenden Wallfahrt nach Aachen mit Vorteil auszubeuten hoffte. Gutenberg sollte zwei Anteile von dem Ertrag haben, Riffe einen. Als Dritzehn hiervon Kenntnis erhielt, drang er darauf, auch in diese Gemeinschaft aufgenommen zu werden und Gutenberg gab ihm schliesslich den einen seiner zwei Anteile. Später erlangte Anthonin Heilmann, ein geistlicher Herr, noch für seinen Bruder Andreas Heilmann, der wie Dritzehn zur Kürschnerzunft gehörte, eine Teilnahme. Man einigte sich schliesslich dahin, dass er die Hälfte von Dritzehns Drittel bekam. Jeder Teilnehmer musste an Gutenberg 80 Gulden zahlen.
Als die Aachener Wallfahrt auf das Jahr 1440 verschoben wurde, entschlossen sich die Teilnehmer, den Vertrag zu prolongieren und auf andere Zweige zu erweitern. Andr. Dritzehn und Andr. Heilmann sollten je 125 Gulden einzahlen. Nach einigen Schwierigkeiten wurde der Vertrag im Sommer 1438 auf fünf Jahre abgeschlossen. Starb in dieser Zeit einer der Beteiligten, so sollten dessen Erben nach Ablauf des Vertrags mit 100 Gulden abgefunden werden. Das Verhältnis unter den Teilnehmern blieb ein freundliches. Das Geschäft war namentlich Spiegelmachen, eine Kunst, die damals Bedeutung hatte. Besonderes Gewicht wurde bei dieser Fabrikation auf die gepressten Metallrahmen gelegt. Dass die Compagnons sich mit Metallarbeiten beschäftigten, geht deutlich aus ihren Ankäufen hervor.
Dritzehns Tod.
Weihnachten 1438 erkrankte Dritzehn in gefährlicher Weise und starb an einem der Weihnachtsfeiertage. Andr. Heilmann, dem daran liegen musste, dem Gerede Neugieriger vorzubeugen, ersuchte den Tischler Saspach, der für die Gesellschaft eine Presse gefertigt hatte, diese auseinanderzunehmen, „dann wisse niemand, was die Stücke zu bedeuten hätten“. Saspach ging auch am 26. Dez. hin, aber „das Ding“ war fort. Auch Gutenberg hatte seinen Diener Lorenz Beildeck mit einem ähnlichen Auftrage gesandt. Vergebens; die Presse war fort. Wozu sollte sie aber gedient haben? Es konnte eine Druckerpresse gewesen sein, aber ebenso wohl eine Art von Prägepresse für die Verzierungen der Spiegelrahmen. Andere haben die Vermutung ausgesprochen, es handle sich um ein Giessinstrument, einen Apparat, der wirklich neu und für die Ausbeutung der Erfindung der Buchdruckerkunst, falls es sich doch um diese gehandelt haben sollte, weit massgebender war als eine Presse. Was ein auseinandergenommenes Giessinstrument bedeuten könne, sollte allerdings dem Uneingeweihten zu erraten schwer geworden sein.