Nach dem Tode des Nikolaus überliessen seine Erben das sämtliche Material der Brüderschaft des gemeinsamen Lebens zu Marienthal in der Nähe von Eltville. Von diesen kam es 1508 an Fr. Hewmann aus Nürnberg, Buchdrucker im Kirschgarten zu Mainz. Beim genauen Durchgehen eines Buches aus dessen Offizin soll die älteste Type Gutenbergs aus den Ablassbriefen von 1454 und 1455 und der 36zeiligen Bibel wieder erkannt worden sein, während die Nachfolger Gutenbergs bis dahin von dessen Typen nur die des Catholicons benutzt hatten[7].

Gutenbergs
Andenken.

Hiermit nehmen wir Abschied von Gutenberg und dessen Offizin. Das erste äussere Andenken an ihn wurde 1504 von Ivo Wittig gestiftet und bestand in einem Denkstein im Hofe „Zum Gutenberg“. Seitdem hatte Mainz seinen grossen Bürger ganz vergessen und die typographischen Schätze von Mainz waren in ausgedehntester Weise verschleudert. Die Stadt musste die Demütigung erleben, dass der französische Präfekt Jeanbon-St.-André 1804 den ersten Vorschlag machte, Gutenberg ein Denkmal zu setzen, zu dem ganz Europa beitragen sollte, und dass Napoleon im Sept. 1804 in Mainz dekretierte, dass ein grosser Gutenbergplatz geschaffen werden sollte. Es blieb allerdings beim Dekret. Erst die mit vielem Pomp, 1821, in Haarlem begangene vierte Säkularfeier der, von den Holländern für sich in Anspruch genommenen Erfindung der Buchdruckerkunst war imstande Gutenbergs Vaterstadt aufzurütteln. Die Kasinogesellschaft liess ihrem neu eingeweihten Hause den ursprünglichen Namen „Zum Gutenberg“ wiedergeben und eine goldene Inschrift über das Eingangsthor setzen. Am 24. Oktb. 1824 folgte ein Denkstein im Garten. Im Hofe selbst stiftete der Kunstverein ein Standbild in Sandstein, den „Ritter“ Gutenberg, eine Satzform haltend, darstellend.

Die Denkmäler
Gutenbergs.

Im Jahre 1831 erging ein Aufruf „an die gebildete Welt“ zur Errichtung eines erhabenen Monuments zur Säkular-Feier der Buchdruckerkunst 1836![8] Es wurde eine Aufforderung an die Künstler der Plastik erlassen, Entwürfe einzusenden, „um dann das beste aus jedem zu benutzen“. Thorwaldsen erklärte 1832 die Ausführung eines, für den Erzguss berechneten Modells ohne Entgelt übernehmen zu wollen, jedoch ohne Konkurrenz. Der Vorschlag wurde angenommen und Crozatier in Paris mit dem Guss betraut. Die feierliche Einweihung fand am 17. Aug. 1837 statt[9].

Seit dem 24. Juni 1840 besitzt auch Strassburg auf dem Gutenbergsplatz ein Standbild des Erfinders, von David modelliert und von Soyez & Ingé in Paris gegossen. Ein drittes schönes Denkmal von Herrn von der Launitz in Frankfurt a. M. zeigt Gutenberg, Fust und Schöffer in einer Einigkeit, wie sie bei ihren Lebzeiten so sehr erwünscht gewesen wäre, die jedoch auf dem Denkmal fast wie eine Satire aussieht.

„Alles zusammengenommen“, so sagt Dr. van der Linde, „existiert noch kein der Erfindung der Typographie entsprechendes Monument. Gleichwie das nächste Jahrhundert bei seiner Säkularfeier den schlüpfrigen Boden der Sage zu verlassen und sich auf den Felsen der Geschichte zu stellen, das heisst, das erste halbe Jahrtausend der Typographie

1450-1950

zu feiern hat, so errichte auch das neu entstandene Deutsche Reich entweder in seiner politischen Hauptstadt Berlin oder in seiner typographischen Hauptstadt Leipzig ein grossartiges, alle Kleinkrämerei beschämendes Gutenberg-Monument.“

[1] „Mazarinsche“, weil das erste Exemplar in der Bibliothek des Kardinal Mazarin entdeckt wurde; „Schellhornsche“, weil der Superintendent Schellhorn besonders bemüht war, derselben ihr Recht als ein Werk Gutenbergs zu wahren.