Gutenberg in
Eltville.
Aus dem Jahre 1461 haben wir noch einen Ablassbrief, mit den Typen des Catholicons gedruckt. Dann kam das für Mainz und die junge Kunst so verhängnisvolle Jahr 1462. Der Erzbischof von Mainz, Diether, Graf zu Isenburg, war von Kaiser und Papst abgesetzt. Die Domherren wählten den Grafen Adolf von Nassau; die Bürger aber nahmen Partei für Diether. In der Nacht vom 27. zum 28. Oktober 1462 erstürmte Adolf die Stadt. Hunderte von Bürgern fielen, andere wurden ausgeplündert und vertrieben und ihre Häuser verwüstet. Dies Schicksal traf auch die Offizin Fust und Schöffers. Mainz war in wenigen Tagen entvölkert und seiner Privilegien beraubt. Handel und Gewerbe lagen auf lange darnieder und von einer weiteren Ausdehnung der Buchdruckereien in Mainz konnte vorläufig keine Rede sein. Obwohl die Offizin Gutenbergs verschont geblieben war, da der Besitzer zum Grafen hielt, so musste er doch mit seiner Druckerei auswandern. Er führte dieselbe nach Eltville, der Residenz Adolfs, über.
Gutenberg tritt
in Hofdienst.
Am 15. Januar 1465 wurde er zum Hofdienstmann des Grafen auf Lebenszeit ernannt. Als solcher hatte er jährlich die Hofkleidung eines Edlen, für sein Haus zwanzig Malter Korn und zwei Fuder Wein steuerfrei. Wachdienst, Einschätzung u. s. w. ward ihm auf immer erlassen. Da die Hofdienstmänner für ihre Person freien Tisch am Hoflager und für ihre Pferde Futter erhielten, so dürfen wir uns Gutenberg wenigstens nicht als von materiellen Sorgen zu seinem Lebensende gequält vorstellen. Seine Offizin hatte er pachtweise seinen Verwandten Heinrich und Nikolaus Bechtermünze überlassen.
Gutenbergs
Tod.
Gutenberg starb in der Zeit zwischen dem 24. Nov. 1467 und dem 24. Febr. 1468 und wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der Dominikanerkirche[6] zu Mainz begraben. Diese ging in der Nacht vom 20. zum 21. Juli 1793 bei der Beschiessung von Mainz durch die Franzosen in Flammen auf und auch die an derselben Stelle errichtete Fruchthalle brannte (1875) nieder.
Fortführung des
Geschäfts durch
Bechtermünze.
Am 24. Febr. 1468 bescheinigt Humery, dass der Graf ihm den Vorrat der zu Gutenbergs Nachlass gehörenden Formen, Buchstaben und Werkzeuge verabfolgt habe. Gleichzeitig verpflichtet sich Humery, den betreffenden Apparat nur in der Stadt Mainz zu benutzen. Sollte er jedoch denselben verkaufen und ein Mainzer Bürger soviel dafür geben wollen, wie ein Fremder, dann gebühre dem Mainzer der Vorzug. Aus dieser Fürsorge Adolfs muss man schliessen, dass er Gutenberg sehr zugethan und dass dessen Aufnahme an seinem Hofe eine Belohnung gewesen, entweder für die Verdienste Gutenbergs im allgemeinen oder um ihn selbst insbesondere.
Die Offizin ging in den vollständigen Besitz des Nikolaus Bechtermünze über, dessen Bruder Heinrich bereits 1467 verstorben war. Nikolaus setzte das Geschäft bis 1477 in Verbindung mit einem anderen Patrizier Wigand Spiess von Ortenberg fort. Gegen das neu aufgeblühte Geschäft Fust und Schöffers aufzukommen mag wohl schwer gewesen sein. Die ersten Drucke der neuen Offizin waren mit den Typen des Catholicons ausgeführt.
Weitere Schick-
sale der Offizin
Gutenbergs.