DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IN DEUTSCHLAND.

Schnelle Verbreitung der Kunst. Die Nachfolger Gutenbergs in Mainz. Peter Schöffer und seine Nachkommen. Ulm. Beromünster. Basel. Bamberg, Albrecht Pfister. Augsburg. Nürnberg. Wien. Der Norden: Köln, Münster, Magdeburg, Leipzig.

Art der Verbrei-
tung der Kunst.

ES ist eins der Hauptwunder der überhaupt wunderbaren Geschichte der Buchdruckerkunst, dass sie sich in einer verhältnismässig so kurzen Zeit von 1455-1475 beinahe über das ganze zivilisierte Europa verbreitete. Zwar liegt es auf der Hand, dass eine so wichtige Erfindung, nachdem sie einmal in den ersten Erzeugnissen der Presse ans Licht getreten war, auch von Anderen erfasst werden und, durch kein Gesetz geschützt, sofort Nachahmung finden würde. Vergleichen wir jedoch ihr schnelles Vordringen mit dem Gang der grossen Erfindungen der neueren Zeit, z. B. der Gasbeleuchtung oder der Eisenbahnen, so wird man finden, dass letztere, obwohl durch viele mitwirkende Umstände unterstützt, sich nicht so schnell Bahn gebrochen haben wie die Buchdruckerkunst.

Und wie geschah dieses Wunder?

Zu einer Zeit, wo das Reisen ein so beschwerliches und gefahrvolles Unternehmen war, wie wir es uns jetzt nicht mehr recht vorstellen können, bahnten ausdauernde deutsche Arbeiter, die unermüdlichen Pioniere der Erfindung, sich ihren Weg über die weiten Gefilde Deutschlands und Frankreichs, ja überschritten die Alpen und die Pyrenäen, um die Fahne der neuen Kunst in fremden Ländern aufzupflanzen. Es war, als ob Gutenberg ihnen einen unwiderstehlichen Talisman vermacht hätte, durch welchen Deutschland bestimmt wurde, die Wiege der Reformation zu werden und den Weg für jegliche Art des Fortschrittes im Vaterlande sowohl wie in fremden Ländern zu ebnen.

War auch die Absicht, den Lebensunterhalt zu verdienen, die erste Triebfeder der Jünger Gutenbergs gewesen, so ist doch die Unermüdlichkeit, mit der sie, das Geheimnis der neuen Kunst mit sich führend, nach den fernsten Teilen Europas drangen, der höchsten Bewunderung wert. Ein gewisser berechtigter Künstlerstolz und ein achtungswerter Ehrgeiz erwarben ihnen Zuneigung und Vertrauen, wo sie erschienen. Mit Energie verfolgten sie ihr Ziel ohne Rücksicht auf Hindernisse und Gefahren, als furchtlose Apostel und prädestinierte Verbreiter eines neuen Glaubens, von dem sie durchdrungen und begeistert waren[1].

Folgen wir nun diesen begeisterten Jüngern auf ihren Wegen in Deutschland und in den fremden Ländern bis zum Schluss des Jahrhunderts, nachdem wir erst Kenntnis von dem Fortschreiten der Druckerei von Fust und Schöffer genommen.