Aldus Pius
Manutius.

Am Schluss des Jahrhunderts (1494) ging noch ein typographischer Stern erster Grösse in Venedig auf: Aldus Pius Manutius, dessen Glanz die nächste Periode erfüllt. Zu dieser Zeit waren gegen 150 Druckereien auf einmal in Venedig in Betrieb. Über 3000 Werke hatten bis dahin hier das Licht erblickt. Nimmt man die Auflage eines Werkes durchschnittlich auf nur 300 Exemplare an, und jedes Werk durchschnittlich zu zwei Bänden, so macht dies gegen zwei Millionen Bände.

Joh. Numeister.

Das Städtchen FOLIGNO im Kirchenstaate ist durch Zufall zu einer typographischen Rolle gekommen. Johann Numeister, ein Schüler Gutenbergs, suchte sein Glück in Italien und kam auf seiner Reise nach Rom durch Foligno. Ein angesehener Bürger dort, Emilianus de Orfinis, veranlasste ihn (1470), seine Presse in Foligno aufzuschlagen. Im Jahre 1472 erschien seine Prachtausgabe von Dantes Divina commedia. Numeister verwendete anfänglich die römische Schrift, später eine gothische, der Gutenbergschen Bibelschrift ähnliche.

Mailand.



MAILAND und FLORENZ bekamen die ersten Pressen durch Eingeborene. Über die Einführung in Mailand ist viel gestritten worden; es scheint jedoch unzweifelhaft, dass sie durch Philippus de Lavagna (1469) geschah. In Florenz lebte ein Goldschmied, Bernardo Cennini, der mit an Ghibertis berühmten Thüren gearbeitet hatte. Es schmerzte ihn, dass Italien gänzlich von Deutschland in der Buchdruckerkunst abhängig sein sollte. Er studierte deshalb genau die Drucke und Manuskripte und ging nun selbst daran, Stempel, Schriften, Pressen u. s. w. herzustellen, was ihm zwar gelang, jedoch unter solchen Opfern, dass er bald wieder zu drucken aufhören musste. Es scheint, als habe er die griechischen Schriften für den Homer geliefert, womit Demetrius Chalcondylas, ein von Candia ausgewanderter Grieche, im J. 1488 hervortrat[2]. Es dauerte aber nicht lange, dass kunsterfahrene Deutsche nach Florenz kamen, darunter Nikolas von Breslau, der 1477 Bellinis Monte Sancto di Dio druckte, das erste Werk mit Illustrationen in Metallplatten, da Sweynheims Ptolomäus noch nicht erschienen war. Noch bedeutender ist seine Ausgabe von Dante. Die Wirksamkeit der berühmten Familie Giunta gehört der folgenden Periode an.

Genua und an-
dere Städte.

Nach GENUA kam als erster Drucker Matthias Moravus („aus Olmütz“, 1474), die Schreiber petitionierten jedoch gegen die Konkurrenz und Moravus ging nach Neapel. In SONCINO druckte Abraham Colorito 1488 eine schöne hebräische Bibel mit reichen Ornamenten und Einfassungen. Die erste Offizin Siciliens wurde in MONTREALE bei Palermo 1472 angelegt. In FANO druckte 1514 Gregor Gregorio das erste arabische Buch.