Koster-Legende.
Diese Nachrichten wurden nun oft nachgeschrieben und jeder neue Abdruck als ein neuer Beweis für Haarlem ausgebeutet. Indes wären diese Mythen wahrscheinlich längst vergessen, wäre nicht Hadrianus Junius (Adrian de Jonghe), Doktor und Rektor zu Haarlem, aufs neue als Vertreter der Erfindungsrechte Haarlems aufgetreten und zwar unter genauer Angabe des Namens, Zunamens, der Wohnung des Erfinders und der Jahreszahl der Erfindung. In seinem, auf Veranlassung der Deputation der Stände von Holland geschriebenen Werke: Batavia, das von grossartigen Fabeln wimmelt, erzählt er, dass Laurenz, Johanns Sohn, mit dem Beinamen Koster (Küster), beim Spazierengehen in einem Wäldchen bei Haarlem Buchstaben aus Baumrinde als Spielzeug für seine Enkel geschnitzt habe. Ein zufälliger Abdruck eines solchen Buchstabens veranlasste ihn, der ein Mann von grossem Verstand war, mit seinem Schwiegersohne Thomas Peter weitergehende Entwürfe zu machen und schliesslich die Buchdruckerkunst in optima forma zu erfinden und zu betreiben.
Das Geschäft erweiterte sich und warf reichlichen Gewinn ab. Unter seinen Gehülfen befand sich jedoch ein ungetreuer Diener, „Johannes, wahrscheinlich Faust“. Dieser steckte am Christabend, während der Meister und seine Familie in der Kirche war, die Offizin in den Sack, und fort war er, als man nach den Feiertagen die Druckerei wieder eröffnete. Hadrianus Junius erinnert sich ganz genau, dass ein alter ehrwürdiger Mann mit langen weissen Haaren, Namens Nikolaus Gelius, erzählt habe, wie „er“ sich wieder erinnere, in „seiner“ Jugend von einem gewissen Buchbinder, Cornelius, damals ein Mann von 80 Jahren, die Geschichte gehört zu haben, und dass letzterer, wenn er von dem Räuber erzählte, jedesmal bitterlich geweint habe.
Das ist die Koster-Legende, die so viele Federn in Bewegung gesetzt, so viele Bitterkeit hervorgerufen und Kosters Manen zwei öffentliche Denkmäler eingebracht hat. Die Holländer haben, wie aus dem nächsten Abschnitt hervorgehen wird, so viele wahrhaft grosse Verdienste um die Buchdruckerkunst, die von der ganzen gebildeten Welt freudig anerkannt werden, dass sie ohne Nachteil ihren Koster-Missgriff zugeben können[9].
Nachdem über die Einführung der Kunst in ENGLAND vieles hin und her gestritten worden, kann es jetzt als feststehend betrachtet werden, dass sie im Jahre 1477 durch Caxton stattfand.
William Caxton.
William Caxton[10] wurde in der Grafschaft Kent geboren. Da er im Jahre 1438 bei einem der angesehensten Kaufleute der City, Robert Large, in die Lehre kam und eine solche Lehre gewöhnlich sieben Jahre dauerte und mit dem 24. Jahre endigte, so ist, wenn wir diese Zahlen für Caxton gelten lassen, sein Geburtsjahr etwa 1421.
Caxton am Bur-
gundischen Hof.