In DEVENTER entstand auch die Vereinigung der Brüder des gemeinsamen Lebens, welche um die Verbreitung des Sinnes für Bücherwesen und Buchdruckerkunst wesentliche Verdienste sich erworben hat. Zu den Städten, die durch ihre Beteiligung bei dem Bunde der Hansa eine Bedeutung erlangt hatten und wo ein frisches Leben blühte, gehörten die drei Hauptorte Oberyssels: Deventer, Zwolle und Kampen. Namentlich genoss Deventer ein gutes Ansehen.
Hier lebte Gerhard Groote (Gerhardus magnus)[7], geboren 1340 aus einer dortigen Patrizier-Familie. Gerhard bildete sich erst in Paris, dann in Köln aus, trieb scholastische Philosophie, Gottesgelahrtheit und Magie und lehrte in uneigennützigster Weise unter einem ansehnlichen Zulauf. Da fasste er plötzlich den Entschluss der Welt abzuschwören, ohne jedoch in einen geistlichen Orden zu treten, denn er wollte „keine Seele eines Menschen auf seine Verantwortlichkeit nehmen“. Öffentlich verbrannte er seine kostbaren magischen Bücher und nahm ein einfaches Diakonat an, welches ihn berechtigte öffentlich zu lehren.
Gerh. Groote.
Seine Hauptaufgabe ward es nun, den, das Volk verdummenden Einfluss der Bettelmönche zu untergraben. Seine Predigten in Deventer und an anderen Orten waren so stark besucht, dass die Kirchen die Menge nicht fassen konnten und er im Freien reden musste. Selbstverständlich war die Wut der Bettelmönche gegen ihn eine grosse, und es gelang ihnen auch, ein Verbot gegen das Predigen Grootes zu erwirken. Dieser unterwarf sich demütig, um durch Übersetzen und Unterweisung der reiferen Jugend zu wirken. Er lehrte seine Schüler Bücher abzuschreiben und damit etwas Geld zu ihrem Unterhalte zu verdienen. Bei der steigenden Arbeit hatte er in Floris Radewynzoon (Florentinus Radewini) eine vortreffliche Stütze. Was dieser mit den Schülern verdiente gab er an Groote ab. „Was hindert uns“ — rief Florentinus einmal aus —, „dass wir und diese Brüder vom guten Willen (fratres bonæ voluntatis) die Früchte unserer Arbeit zusammenlegen und uns als Brüder zu einem frommen gemeinsamen Leben (fratres vitæ communis) verbinden?“
Hiermit war der Gedanke einer freiwilligen Vereinigung ohne klösterliches Gelübde ausgesprochen, um zugunsten der Bildung und der Wissenschaft die Zeit zu verwenden und das Erworbene in eine gemeinschaftliche Kasse niederzulegen, aus welcher die Bedürfnisse aller bestritten wurden. Auch eine gleichmässige Kleidung bezeichnete die Brüder als solche.
Groote selbst sollte die eigentliche Ausbildung der Gesellschaft der Brüder nicht erleben; er starb, indem er liebevoll andere pflegte, an der Pest am 20. Aug. 1384. Die Stiftung in Deventer hob sich mehr und mehr. Florentinus fand in dem gebildeten Gerhard von Zütphen eine wesentliche Hülfe. Andere Städte folgten dem Beispiel Deventers, so Delft und Münster. Der Neid veranlasste Verfolgungen; die Brüder wurden bei dem Papste Martin v. als der Todsünde schuldig, als Mörder und als falsche Propheten denunziert, jedoch freigesprochen, und eine Bulle Eugens iv. aus dem Jahre 1431 bedrohte denjenigen, der dem Wirken der Brüder etwas in den Weg legte, mit dem Banne.
Nach der Erfindung der Buchdruckerkunst nahmen die Brüder, statt des Abschreibens, das Drucken in die Hand und erwarben sich namentlich in Holland, in Westfalen und in den Nordwestmarken Deutschlands grosse Verdienste um die Anlegung von Druckereien. In Deventer, wo die Schule zum Schluss des ersten Drittels des XVI. Jahrhunderts ihre höchste Blüte erreichte, war dies zwar nicht der Fall, vielleicht weil Paffs Druckerei einen ausgezeichneten Rang einnahm, dagegen in Gouda, Brüssel, Löwen, an welchem letzteren Ort die Druckerei jedoch nicht reussierte, sodass die Brüder sich wieder dem Abschreiben zuwendeten[8].
Haarlem.
HAARLEM erhielt 1483 seinen ersten Buchdrucker Jakob Bellaert. Nach einem langen Zeitraume, in welchem Haarlem keine Buchdruckerei hatte, associiert sich 1561 Jan van Zuren mit Dirk Volckharts Coornhert zur Errichtung einer solchen. In einem Empfehlungsschreiben an den Rat zu Haarlem vindiziert letzterer der Stadt die Ehre der Erfindung und auch sein Socius erzählt hiervon, jedoch ohne den Namen des Erfinders zu nennen. Zu diesen gesellt sich ein Florentiner Luigi Guicciardini, der sich 1550 in Antwerpen aufhielt und eine Beschreibung der Niederlande herausgab, in der viele Erzählungen von Meermännern und Meerweibern, die in Haarlem gelebt haben, enthalten sind. Auch dieser berichtet, dass die Buchdruckerkunst in Haarlem erfunden sei, lässt jedoch die Wahrheit dahingestellt.