Die Druckkunst nahm in Lyon einen sehr schnellen Aufschwung und die Stadt hatte zu Ende des xv. Jahrhunderts schon 50 Buchdruckereien, aus denen gegen 400 Werke hervorgegangen waren. Viele hunderte von Setzern, Druckern und Giessern fanden dort Beschäftigung. Die Mehrzahl der Drucker waren deutschen Ursprungs. Die Papiermühlen produzierten grosse Quantitäten des vortrefflichsten Papiers. Der Buchhandel in der freien Messstadt Lyon war ein sehr bedeutender, welches damals dem Buchhandel das war, was ihm Leipzig heute ist, und mit Ausnahme von Venedig lieferte keine Stadt dem Buchhandel eine grössere Zahl von Büchern. Von dem Nachdruck hielt sie sich nicht frei, namentlich hatte Aldus unter diesem zu leiden.
Nach BORDEAUX brachte Michel Svirler aus Ulm 1486 die Druckerkunst.
Dierik Martens.
In den NIEDERLANDEN druckte wahrscheinlich Dierik Martens[5] 1473 zu AALST in Ostflandern das erste Buch, jedoch noch lange erhielt sich die Anfertigung der Manuskripte neben dem Druck von Büchern, die sich mit ihren rohen, ungeschlachten Holzschnitten nicht mit den prachtvollen Miniaturen messen konnten. Ein Zentralpunkt der Manuskriptmanufaktur war die reiche Handelsstadt BRÜGGE. Kunstlosere Manuskripte wurden zu sehr billigen Preisen hergestellt, während die kostbar ausgestatteten einen hohen Wert behielten. Jacques Raponde erhielt z. B. 500 Goldkronen für La legende dorée, ystorié de belles ystories. Ein Werk mit Miniaturen illustrieren, die sich auf den historischen Inhalt bezogen, nannte man historier, die Bilder selbst hiessen histoires. Eine grosse Stütze fanden die Illuminatoren in dem kunstsinnigen Burgundischen Hofe, namentlich war der mächtige Herzog Philipp der Gute ein grosser Liebhaber, der überall seine Agenten hatte, um seltene Bücher zu erwerben; auch unterstützte er die Umarbeitung älterer Werke in das neuere Französisch. Fraglich ist es sogar, ob er nicht die neue Kunst zuerst in Belgien einführte. Raoul le Fèvre hatte eine Bearbeitung der Iliade: Histoires de Troyes, geschrieben und 1464 dem Herzog ein prachtvolles Exemplar überreicht. Es fand so vielen Beifall, dass die Schreiber und die Illuminatoren nicht genug Exemplare schaffen konnten, und es ist nicht unmöglich, dass das Werk unmittelbar am Hofe des Herzogs gedruckt wurde. Karl der Kühne, der Sohn und Nachfolger Philipps, war zwar auch ein Freund schön ausgestatteter Manuskripte, aber seine kriegerischen Unternehmungen machten es ihm unmöglich, den Künsten des Friedens dieselbe Unterstützung zu gewähren, wie es sein Vater gethan.
Colard Mansion.
In Brügge war ein hervorragendes Mitglied der Künstlergilde, Colard Mansion[6], der Gründer der ersten Presse (1476). Er war als Illuminator, Autor und Drucker thätig und bediente sich in seinen Drucken einer eigentümlichen, nach französischen Handschriften gebildeten, semigothischen Type. Die holländischen Schriften damaliger Zeit waren im ganzen sehr roh. Nur Richard Paff in Deventer zeichnet sich durch eine schöne nationale Schrift (Duits) aus, die den Leistungen des berühmten Schriftschneiders Fleischmann im xviii. Jahrhundert wenig nachsteht.
Die Brüder des
gemeins. Lebens.