Ulrich Gering.
Der Anblick der gedruckten Bücher, die gebotene Möglichkeit, z. B. eine gedruckte Bibel für 50 Kronen kaufen zu können, veranlasste Wilhelm Fichet, Doktor an der berühmten theologischen Fakultät, der sogenannten Sorbonne, den Rektor der Universität Johann Heinlein, nach seinem Geburtsort Stein bei Constanz Johann von Stein genannt, zu bewegen, für die Einführung der Kunst Schritte zu thun. Stein berief demzufolge seinen Landsmann Ulrich Gering aus Constanz nach Paris. Gering, der die Kunst in Mainz gelernt hatte, brachte Martin Crantz von Basel und Michel Friburger von Colmar mit sich und errichtete die erste Buchdruckerei Frankreichs in den Gebäuden der Sorbonne. Das erste Buch, welches dort gedruckt wurde, waren die Briefe von Gasparino di Bergamo (1470), denen später ein rhetorisches Werk Fichets und mehrere Klassikerausgaben mit Kommentaren von Stein folgten. Für diese Werke bediente sich Gering, vielleicht unter dem Einflusse seiner Gönner von der Sorbonne, einer, der römischen Type Jensons ähnlichen Schrift. Als er aber später die Räume der Sorbonne verliess und seine Offizin nach der rue St. Jacques verlegte, nahm er die allgemein beliebte gothische Type an, die man Allemand, oder auch, nach den gebrochenen Ecken, lettres de forme nannte. Die kleinere Schrift, mit der man Schulbücher druckte, wurde nach der: Summa St. Thomæ, einem solchen Buche, lettres de somme genannt. Die grössern Anfangsbuchstaben hiessen lettres cadeaux, die runden Anfangsbuchstaben der Kapitel lettres tourneurs. Die gothische Schrift wurde auch von Peter Kaiser (Caesaris) und Johann Stoll, ebenfalls zwei Deutschen, die sich kaum drei Jahre nach Gering in Paris etabliert hatten, angewendet. Später bildete sich eine halbgothische Schrift aus, bis Jod. Badius 1501 die römische Type wieder einführte, die nun endgültig die herrschende blieb.
Gerings Wirken.
Durch das Beispiel mit Schöffers Faktor klug geworden, hatte Gering schon 1474 um Naturalisation nachgesucht, die ihm auch gewährt wurde. Crantz und Friburger gingen 1478 wieder nach Deutschland zurück und Gering nahm später Berthold Remboldt zum Teilnehmer, dessen Virgil so sorgfältig korrigirt war, dass er als fehlerfrei gilt. Ein Meisterwerk ist sein Corpus juris canonici, in fünf Spalten, mit verschiedenen Schriften, rot und schwarz, gedruckt. Gering erwarb sich ein bedeutendes Vermögen und vermachte dasselbe bei seinem Tode (1510) grösstenteils der Sorbonne.
Das erste „französisch“ in Frankreich gedruckte Buch Les grandes chroniques de la France stammt nicht aus Gerings Presse, sondern wurde 1476 von Pasquier Bonhomme gedruckt. Einmal aufgenommen, verbreiteten sich die Buchdruckereien rasch, es sind deren bis zum Jahre 1500 in Paris 66 bekannt.
Lyon.
In LYON führte Bartholomäus Buyer die Kunst (1473) ein. Das erste Werk war das „Compendium“ des Kardinal Lothar. Der eigentliche Drucker war jedoch nicht Buyer, sondern Wilh. Leroy, trotz des französischen Namens wahrscheinlich ein Deutscher (König). Mit dem Jahre 1477 verschwindet dieser Name und kommt erst 1488 wieder zum Vorschein. Einen bedeutenden Platz nimmt Joh. Trechsel ein, der, selbst ein gelehrter Mann, mit einer grossen Zahl von Gelehrten auf dem besten Fusse stand. Seine Tochter Thalie, die eine gelehrte Erziehung, wie es mit den Töchtern der Buchdrucker damaliger Zeit öfters der Fall war, genossen hatte, war mit dem berühmten Buchdrucker Joh. Badius verheiratet, der zusammen mit Joh. Lascaris als Korrektor für Trechsel gewirkt hatte.
Grosse Bedeu-
tung Lyons.