Um für den Druck christlicher Werke nicht auf Juden angewiesen zu sein, liess die Königin Eleonora, Gemahlin Johanns ii., die Buchdrucker Valentin aus Mähren (Valentin de Moravia oder Valentin Fernandes Allemão) und Nikolaus aus Sachsen nach LISSABON kommen. Valentin wirkte von 1495-1513 und wird servidor e empremidor de sua Alteza genannt. Er nahm durch seine Bildung eine angesehene Stellung ein, ward Sekretär für die lateinische Korrespondenz des Königs, Dom Manuel, und verfasste nach den Berichten des Seefahrers Diego Gomes zwei Schriften über dessen Reisen. Als 1496 das Edikt erschien, nach welchem es jedem Nichtchristen unter Todesstrafe verboten wurde, im Lande sich aufzuhalten, mehrte sich die Arbeit seiner Pressen, auch gaben die umgestalteten Justizverhältnisse, der rasch steigende Handelsverkehr und die Kolonialverwaltung, sowie die rege Missionsthätigkeit für die Kolonien viel zu thun. Eine seiner ersten Arbeiten war die, im Verein mit Nikolaus von Sachsen gedruckte Vita Christi des Karthäusermönches Ludolfo de Sachsonia (1495), welche auf direkte Veranlassung der königlichen Familie unternommen wurde. Nur ein einziges vollständiges Exemplar in der Lissaboner Bibliothek existiert. Unter den vielen Werken Valentins befindet sich eine, von ihm selbst besorgte Übersetzung der Reisen des Marco Polo. Nach 1506 verringert sich seine Thätigkeit und sein Name verschwindet 1513, ohne dass es bekannt ist, ob Tod, Geschäftsaufgabe oder Rückreise Veranlassung gewesen.
Hermann von
Kempen
in Setuval.
Im Jahre 1509 hatte sich Hermann von Kempen (Armão de Campos, Alemã) in Setuval niedergelassen. Später zog er nach Lissabon mit dem Titel empremidor und bombardeyro d'El Rei. Die Bombardiere bildeten eine aus hundert Mann bestehende Leibgarde des Königs, die viele Vorteile, als Freiheit von Steuern, vom Kriegsdienst, von Einquartierung, ausserdem einen nicht geringen Sold hatte. Da hauptsächlich Metallarbeiter, die selbst ihre Munition anfertigen konnten, wozu sie das Rohmaterial erhielten, in diese Garde gewählt wurden, so ist Hermanns Beruf als Schriftgiesser wahrscheinlich bei seiner Aufnahme bestimmend gewesen. Sein Hauptwerk ist das von Garcia de Resende herausgegebene Cancioneiro Geral, ein berühmtes Liederbuch, das die Poesien von 275 höfischen Dichtern enthält. Der Druck ist sauber und geschmackvoll in gothischer Schrift. Von diesem Buch sind nur ganz wenige unverstümmelte Exemplare übrig geblieben. Der König, Dom Fernando, übersandte das in seinem Besitz befindliche dem Stuttgarter Verein der Bücherfreunde behufs einer von Dr. v. Kausler 1846-1849 veranstalteten Ausgabe, welche dieses wichtige Werk der portugiesischen Nation erhalten hat.
Andere deutsche
Buchdrucker.
Als Valentins Wirksamkeit zu stocken begann, berief der König, Dom Manuel, Jakob Kromberger aus Sevilla nach Lissabon (1508) und verlieh ihm, wie allen fremden Buchdruckern, die sich in Portugal niederlassen wollten, den Titel Ritter des königlichen Hauses. Sie mussten jedoch den Besitz von 2000 Dublonen in Gold nachweisen und Altchristen (christãos velhos) sein.
Ob Johann Gerling, der 1494 in BRAGA druckte, auch auf königliche Veranlassung berufen wurde, oder ob er ein fahrender Buchdrucker war, lässt sich nicht bestimmen. Das von ihm gedruckte Brevier von Braga, seine einzige Leistung, ist deshalb besonders wichtig, weil es die Gebete und Hymnen nach dem Ritus der Mosaraber, einer Christengemeinde, die unter der Maurenherrschaft fast ohne jede Verbindung mit Rom fortbestanden hatte, enthält. Schliesslich siedelte noch im xvi. Jahrhundert Joãs Blavio de Colonia Agrippina (1554) als Hofbuchdrucker nach Lissabon über und druckte (bis 1556) 36 Werke.
Die älteren portugiesischen Drucke gehören zu den grössten bibliographischen Seltenheiten. Unter 739 Inkunabeln der Lissaboner Bibliothek sind nur 4 portugiesische. Die Bibliothek zu Oporto zählt 109 Inkunabeln, davon bloss 2 portugiesische.
Paris
Dass FRANKREICH[4], wo die Universität PARIS eine so grosse Anziehungskraft auf die ganze wissenschaftliche Welt ausübte, mit der Einführung der Buchdruckerkunst zurückblieb, muss hauptsächlich den ungünstigen politischen Verhältnissen nach dem Tode Karls vii. und der Thronbesteigung seines grausamen Sohnes Ludwigs xi. zugeschrieben werden, obwohl dieser, nach seiner Art, ein Freund der Wissenschaft war. So begünstigte er unter anderen auch Jean Fouchet von Tours, den bedeutendsten Illuminator damaliger Zeit, dessen Miniaturen in Josephus' „Jüdischen Altertümern“ in ihrer Art unerreicht sind. Dass der König an Schöffer einen Ersatz von 2425 Thaler für sein, von dem Gerichte mit Beschlag belegtes Bücherlager gewährte, zeugt auch von Interesse für die Kunst.