UNGARN stand zur Zeit der Erfindung unter dem Scepter des aufgeklärten und sich für die Wissenschaften sehr interessierenden Königs Matthias Corvinus. Derselbe hatte mit grossen Kosten unter Mitwirkung des bekannten Joh. Regiomontanus seine berühmte Bibliothek einrichten lassen. Wenn auch die Angabe der Bändezahl auf 50000 jedenfalls eine äusserst übertriebene ist, so war sie doch für damalige Zeit eine höchst bedeutende. Berühmt waren auch die vorzüglichen Einbände, die noch heute als grosse Schätze bei den Sammlern gelten.

Der Kanzler Ladislas Gerab berief einen, damals in Italien weilenden deutschen Buchdrucker Andreas Hess nach OFEN, wo er auf Kosten des Königs die Chronica Hungarorum (1473) druckte. Der Typencharakter dieses gut ausgeführten Werkes ist der der Antiqua. Da man von Hess nur noch ein sehr mittelmässiges Buch ohne Datum: Magni Basilii de legendis poetis libellus kennt, so wird man versucht, diesen Druck für einen früheren als die Chronica zu halten.

Unter den Nachfolgern des Matthias schwand die geistige Blüte. Auch die berühmte Bibliothek ging nach und nach zurück und litt durch Vernachlässigung, Diebstahl u. s. w. grosse Verluste, so dass sie bereits sehr von ihrem Glanze heruntergekommen war, bevor die Eroberung Ofens durch den Sultan Soliman den Prächtigen ihr den vollständigen Ruin brachte, indem vieles verwüstet, der Rest nach Konstantinopel geführt wurde, von wo aus später einiges, namentlich als Geschenke der Sultane, nach Wien und Pest zurückkam.

Böhmen.

Auch BÖHMEN und POLEN standen zur Zeit der Erfindung der Kunst auf einer hohen Stufe der Kultur. Prag liess sich in der Aufnahme der Kunst von PILSEN überflügeln, von wo aus schon aus dem Jahre 1475 ein Neues Testament in böhmischer Sprache stammt. Zwar trägt ein Buch, Guido de Colonnas trojanischer Krieg, die Jahreszahl 1468, doch bezieht sich diese wohl nur auf die Zeit der Abfassung des Manuskripts. Die Schriften in diesem Werk sind eben so schön, wie die Ausführung eine liederliche ist. PRAG folgte im Jahre 1478 mit: Statuum utraquestorum articuli. 1488 erschien die erste Bibel in der Landessprache; die zweite, mit Holzschnitten illustriert, wurde 1489 in der kleinen Bergstadt KUTTENBERG durch den gelehrten Martin von Tissnova gedruckt, der später Dekan der philosophischen Fakultät in Prag wurde. An diese Stadt knüpft sich eine der lächerlichsten Gutenberg-Legenden, nach welcher Johann Faust das Licht der Welt in Kuttenberg erblickte, eine Legende, die noch im J. 1840 Verteidiger aus missverstandenem Patriotismus fand. Dieser Faust soll in Prag studiert, in Mainz aber seiner Vaterstadt zu Ehren sich Johann Kuttenberger genannt haben.

Polen.

In KRAKAU, dem Sitz der Wissenschaften und der Kunst in Polen, druckte zuerst Swaybold Frank 1491; er lieferte auch russische Werke. In RUSSLAND soll 1493 in TSCHERNIGOW gedruckt worden sein und zwar Werke in illyrischer Sprache mit cyrillischen Schriften. Diese Schrift, deren sich die Süd- und Ostslawen schon im ix. Jahrh. bedienten, war von dem Bischof Cyrillus und seinem Bruder Methodus erfunden.

Türkei.

Selbst die TÜRKEI, wo die Ausübung der Buchdruckerei durch den Sultan Bajazet ii. 1483 unter Todesstrafe verboten war, hat Drucke aus dem xv. Jahrh. aufzuweisen, die von Juden ausgeführt wurden. Eine hebräische Geschichte des Josephus Ben Gorion trägt das Impressum Konstantinopel 1490.

[1] Nach Charles Fumagalli: Dei primi libri a stampa in Italia. Lugano 1875 soll Cicero vor dem Lactantius von Sweynheim und Pannartz gedruckt sein. — Ed. Frommann: Aufsätze zur Gesch. d. Buchhandels. 2. Heft. Jena 1881.