UNTER wenig günstigen Verhältnissen hatte die Malerkunst in Deutschland sich gestaltet. Das rauhe Klima gestattete keine Entwickelung der Wandmalerei mit ihren grossen Verhältnissen und die alles beherrschende gothische Baukunst benutzte die zeichnenden Künste fast nur zum Zweck der Ornamentierung. Erst um die Mitte des xiv. Jahrhunderts entstanden eigentliche Malerschulen, die jedoch in ihrer ganzen Weise noch die Spuren der früheren Unterordnung der Malerkunst unter die Architektur tragen.
Köln.
Unter diesen war die rheinische, nach dem Hauptorte KÖLN gewöhnlich die Kölnische Malerschule genannt, die bedeutendste. Sie zeichnete sich durch ideales Streben im Dienste der Kirche aus. Ihr eigentümlich waren demgemäss die schlanken, duftigen Gestalten mit heiligem Gesichtsausdruck in weichen Farben auf Goldgrund gemalt. Rundere, gedrungenere Formen entstanden erst beim Schärferwerden der fortschreitenden Naturbeobachtung und der Vervollkommnung der Technik. Wie früher die Menschen der Künstler mehr Heilige waren, so wurden jetzt die Heiligen mehr gewöhnliche Menschen.
Prag.
Im Osten war PRAG ein Hauptsitz der Kunst geworden, welche hier unter dem Einfluss des Kaiserhauses, besonders Karls iv., eine, zunächst die weltliche Macht verherrlichende Richtung nahm.
Brügge.
Wie Köln und Prag der geistlichen und staatlichen Gewalt huldigten, so entwickelte sich in Brügge, wie in Nürnberg, wo Handel und Verkehr blühten und ein mächtiges Bürgertum herrschte, die Kunst mehr in der realistischen und begrenzteren Richtung des Bürgertums. BRÜGGE wurde die Pflanzstätte der niederländischen Kunst, die ihre besondere Grösse im kleinsten Genre entwickelte und sich unter der Führung Huberts van Eyck durch eine, bis dahin unbekannte Naturtreue auszeichnete.
Nürnberg.