Unterstützt durch die Energie seiner Bürger und begünstigt durch seine, allerdings reizlose, Zentrallage war NÜRNBERG nicht allein ein Stapelplatz für die Produkte und Fabrikate Deutschlands geworden, sondern auch ein Knotenpunkt des Zwischenhandels des Nordens und des Westens mit dem Süden und dem Osten. Die Selbstregierung ruhte nach liberalen Grundsätzen in den Händen eines aufgeklärten und reichen Patriziertums, welches die Rechte der, in kleineren Verhältnissen Lebenden zu schonen verstand. Der rege Verkehr hatte den Gesichtskreis nicht allein in staatlichen und kirchlichen Verhältnissen erweitert, sondern auch den Sinn für Wissenschaft und Kunst verallgemeinert, und der Reichtum gab die Mittel, sie zu fördern.
Die Malerschule in Nürnberg nahm zwar unter solchen Umständen, wie in Brügge, einen bürgerlichen Charakter an, jedoch mit einer weit vornehmeren, gemütreicheren und religiöseren Richtung.
Kupferstich und
Holzschnitt.
Unter Einwirkung der Buchdruckerkunst und der Reformation mussten die neuen Kunstverfahren des Kupferstechers und des Holzschneiders einen besonders günstigen Boden in Deutschland finden. Ohne Unterstützung des sinnebestrickenden Farbenreizes und ohne andere Effektmittel, als die mehr oder weniger geschwellten Linien und die weiteren oder engeren Strichlagen, war der Künstler gehalten, eine um so grössere Aufmerksamkeit der Idee, der Komposition und der korrekten Formengebung zuzuwenden. Bald erreichten diese Künste, indem sie sich den Bestrebungen der sich neu gestaltenden Zeit dienstbar machten, trotz des räumlich kleinen Umfanges die Bedeutung einer monumentalen Kunst, die am fröhlichsten dort gedeihen musste, wo die erwähnten Bestrebungen sich am kräftigsten äusserten, demgemäss also auch in dem geistig-bewegten Nürnberg.
Die Formen-
schneider.
Der erste Formenschneider, der als solcher im Bürgerbuche genannt wird und zwar in den Jahren 1449-1492, ist Hans Formenschneider. Bei dem langen Zeitraum ist es anzunehmen, dass man es mit zwei Persönlichkeiten, vielleicht mit Vater und Sohn, zu thun hat. Auch andere werden genannt, von denen jedoch keine Arbeiten bekannt sind. Ein sehr unternehmender Mann war um diese Zeit Hans Sporer d. j. Seine Hauptwerke sind: „Der Endtkrist“ 2. Ausg. 1472; „Die Kunst zu sterben“ 1473; „Die Armenbibel“ 1475, in denen der Ausdruck der Figuren zum Teil noch etwas entschieden Fratzenhaftes und Gespenstisches hat. Auch Georg Glockendon d. ä. arbeitete schon um 1480 und schnitt u. a. eine „Marie“ mit fünf weiblichen Heiligen und eine „Himmelfahrt Christi“. Von Wolfgang Hamer hat man eine „Heilige Familie“[1].
Michel Wolge-
mut.
Der eigentliche Begründer der Nürnberger so berühmten Holzschneiderschule und wahrscheinlich der Einführer des Kupferstiches in Nürnberg ist Michel Wolgemut (geboren 1434). Seine künstlerische Ausbildung erhielt er am Rhein. Nach Nürnberg zurückgekehrt, heiratete er die Witwe des Hans Pleydenwurf, eines achtbaren Künstlers. Einen seiner Stiefsöhne, Wilhelm Pleydenwurf, bildete er als Künstler aus und errichtete, namentlich um die Ansprüche Kobergers für seine grossen Unternehmungen befriedigen zu können, mit ihm zusammen ein Holzschneide-Atelier. Dasselbe nahm eine grosse Ausdehnung an und es entstanden in sehr kurzer Zeit die bereits früher erwähnten Werke: „Der Schatzbehalter“ und Schedels „Buch der Chroniken“[2]. Pleydenwurf starb bereits kurz nach Vollendung derselben (1495); Wolgemut, der auch eine bedeutende Thätigkeit als Kupferstecher entwickelte, am 30. Nov. 1519. Abgesehen von seinen eigenen künstlerischen Verdiensten behält Wolgemut eine grosse Bedeutung als Lehrer Albrecht Dürers, der stets mit grosser Hochachtung von ihm sprach.
Albrecht Dürer.