Albrecht Dürer[3], mit dem der Holzschnitt einen hohen Standpunkt erreichte, war am 21. Mai 1471 als dritter Sohn des gleichnamigen Vaters in Nürnberg geboren. Dürer d. ä. war als Goldschmiedegesell 1455 nach Nürnberg gekommen, wo sein Meister Hieronymus Holper ihm seine Tochter zur Frau gab, die ihm achtzehn Kinder gebar. Albrecht wurde von seinem Vater in dem Goldschmiedehandwerk unterwiesen, jedoch auf seinen dringenden Wunsch, Künstler zu werden, mit seinem fünfzehnten Jahre bei Michel Wolgemut in die Lehre gebracht, und er nahm somit vielleicht schon an den Unternehmungen Kobergers thätigen Anteil.
Jugendjahre.
Von seinen Lehrjahren und Wanderungen ist wenig bekannt. Zu Pfingsten 1494 kehrte er von letzteren nach Nürnberg zurück mit den äusseren Vorzügen des Körpers sowohl als mit den inneren des Charakters und der Tüchtigkeit ausgestattet. Er heiratete Jungfrau Agnes Frey, die hübsch und nicht unbemittelt war. Es ist behauptet worden, dass die Ehe nicht glücklich gewesen, doch liegen keine Beweise dafür vor, wenn es auch den Anschein hat, als sei die Agnes mehr eine tüchtige Hausfrau, als eine mit der Künstlernatur Dürers sympathisch gestimmte Seele gewesen. Er bezog ein Haus am oberen Ende der Zisselgasse, welches er gekauft hatte, um dort sein Atelier einzurichten. Das Haus, innerlich und äusserlich leidlich unverändert erhalten, ist in den Besitz des Dürer-Vereins übergegangen.
Die Offenbarung
St. Johannis.
Dürer, der noch nicht seinen Weltruf hatte, musste des Verdienstes wegen manche Arbeiten übernehmen, an denen er sich sonst kaum versucht haben würde. Aber schon frühzeitig beschäftigte er sich mit einem Gegenstande, woran er seine ganze Kraft bethätigen und sich selbst genügen wollte. Im Jahre 1498 erschien sein Bildercyklus von 15 xylographischen Darstellungen in Folio zur „Offenbarung St. Johannis“. Der Text ist zweispaltig auf die Rückseite der Bilder gedruckt, jedoch nicht immer so, dass Text und Bild korrespondieren. Das Werk erschien sowohl in einer deutschen als in einer lateinischen Ausgabe und in mehreren Auflagen. Komplette Exemplare sind selten. Hiermit war der, bis dahin bekannte Kreis der Leistungen weit überschritten und die Thätigkeit des Geistes zeigte sich selbst der aussergewöhnlichen Fertigkeit der Hand so weit überlegen, dass die Ausübung der Kunst nicht mehr als Handwerk gelten konnte.
Dürers bahnbrechende Richtung für den Holzschnitt lag in seiner Manier für diesen zu zeichnen. Bis dahin bestand der Holzschnitt hauptsächlich nur in derben Umrissen auf das Kolorieren berechnet. Zwar hatte Wolgemut eine künstlerische Richtung mit Glück eingeschlagen, aber erst Dürer erreichte die Vollendung. Durch Abwechselung von Licht und Schatten erzielte er eine grössere malerische Wirkung, als durch Kolorit möglich war. Dazu gehörten jedoch Formenschneider, die auf seine Intentionen eingingen. Solche konnte aber Dürer ausbilden, denn niemand verstand es besser, als er, seinen künstlerischen Willen fest und bestimmt mit der Feder anzugeben. Es blieb für den Formenschneider nichts anderes übrig, als Strich für Strich der Zeichnung zu folgen. Dürer wusste ganz genau, was er der Technik des Holzschneiders zumuten konnte. Es war dies zwar weitergehenderes als sonst üblich, jedoch nicht mehr, als was mit dem einfachen Material geleistet werden konnte. Wie sicher er dies zu berechnen wusste, zeigt am besten der Vergleich seiner Holzschnitt-Technik mit seiner Kupferstich-Technik, für die keine solche hemmenden Schranken existierten.
Verschiedene
Arbeiten.
Aus den ersten Jahren des xvi. Jahrh. stammen eine grosse Zahl von Zeichnungen, Stichen und Holzschnitten von seiner Hand. Sein überströmender Geist legte in seinen Zeichnungen zum Teil die Gedanken nieder, die er später zu abgeschlossenen Werken ausarbeitete.
Italien. Reise.