Nach zehnjähriger und aufreibender Arbeit machte er eine Reise nach Italien. Aus den mitgenommenen kleinen Kunstwerken und den Vorräten seiner Stiche und Drucke hoffte er Vorteile zu erzielen, die indes nicht so reichlich ausfielen, wie die Ehrenbezeigungen, die ihm erwiesen wurden. Bei seiner Rückkehr malte er eine grosse Altartafel für den Kaufherrn Jakob Heller in Frankfurt, welche allgemeine Bewunderung erregte, aber doch so wenig lohnte, dass Dürer wieder zur Feder und zum Stichel griff. Zu den bedeutendsten seiner Leistungen gehören die drei „Passionen“ und das „Leben der Maria“ in Holzschnitt und Kupferstich. Sie haben durch Jahrhunderte ihren unvergänglichen Wert behauptet und sind wieder und wieder nachgebildet, nachdem die Originale nicht mehr für den Bedarf ausreichten.

Die Passionen.

Eine der Passionen in Folio und eine in Oktav sind in Holzschnitt ausgeführt, die dritte, auch in Oktav, ist in Kupfer gestochen. Die beiden ersteren erschienen 1511 in Buchform. Die „grosse Passion“ ist 12 Blätter stark mit ebenso vielen Darstellungen; die „kleine Passion“ 38 Blätter mit 37 Darstellungen, beide mit lateinischen Versen von Chelodonius, einem Benediktinermönch und Freund Dürers. Die dritte „Passion“ in Kupferstich von 16 Blättern ward erst 1513 vollendet; sie ist ohne Text und scheint nie in Buchform ausgegeben worden zu sein. Die, ihrem Stoff nach umfangreichste „kleine Passion“ fängt mit dem Sündenfall an und endigt mit dem jüngsten Gericht; die Bezeichnung Passion ist demnach nicht ganz korrekt.

Unser Frauen
Leben.

In keinem Werke aber prägt sich der eigentümliche Geist Dürers und überhaupt der deutschen Kunst voller und klarer aus, als in der Reihe von zwanzig, „Unser Frauen Leben“ behandelnden Holzschnitten. Auch was die Ausführung betrifft, gehört dieser Cyklus zu dem vorzüglichsten, was die Holzschneidekunst je geliefert hat.

Einzelblätter.

Neben diesen Hauptwerken schenkte uns Dürer in diesem Zeitpunkt seines reichen Schaffens eine grosse Anzahl von Einzelblättern, die den genannten an Originalität der Erfindung und in der Ausführung nicht nachstehen. Daneben musste er auch Zeit und Lust finden, Blätter für Kinder und zum Schmücken von Schachteln; Zeichnungen von Wappen der Patrizier zum Einkleben in ihre Bücher; Nachbildungen naturhistorischer Gegenstände, u. dgl. m. zu liefern.

Die Arbeiten für
Maximilian I.

Eine besondere Klasse von Arbeiten, die zu den, für den Typographen interessantesten gehören, sind die Werke, die er für den Kaiser Maximilian ausführte, der zwar ein poetisches Gemüt und einen regen Sinn für die schönen Künste besass, diese jedoch hauptsächlich nur durch deren Ausbeutung zu seiner persönlichen Verherrlichung bethätigte.

Hans Burgkmair.