Der Kaiser hatte den Gedanken gefasst, die ganze Glanzfülle seiner ruhmreichen Abstammung, seine weite Herrschaft, Leben und Thaten durch eine „Ehrenpforte“, einen „Triumphzug“ nebst einem „Triumphwagen“ darstellen zu lassen. Den hauptsächlichsten Teil der Arbeit wollte er Dürer übertragen, aber auch andere Künstler sollten bei den Werken beschäftigt sein. Unter diesen ragte besonders Hans Burgkmair, geboren zu Augsburg 1473, gestorben ebendaselbst 1529, hervor, der, durch seinen Aufenthalt in Venedig von der dortigen Kunst beeinflusst, einer der Hauptvertreter der Renaissance in Deutschland wurde. Berühmt ist er hauptsächlich durch seine Holzzeichnungen zu den erwähnten und anderen durch Maximilian i. hervorgerufenen Werken. Er lieferte 30 Platten zur Ehrenpforte, 66 zu dem Triumphzug. Von ihm stammen grösstenteils die 245 Zeichnungen zu dem „Weisskunig“, auch eine Verherrlichung des Kaisers, des weiteren arbeitete er mit an den 124 Blatt: „Heilige des österreichischen Kaiserhauses“. Berühmt ist auch sein „Turnierbuch“ mit 52 Illustrationen.

Die Ehrenpforte.

Den Auftrag zur „Ehrenpforte“ erhielt Dürer mutmasslich schon im J. 1512. Der gelehrte Johannes Stabius war mit der litterarischen Leitung und der Abfassung der vielen Inschriften betraut. Dürer ergriff die Sache mit grossem Eifer und vollendete seine Arbeit schon 1515, obwohl die Aussichten auf die entsprechende Entschädigung nicht gross waren, da der Rat von Nürnberg das Ansinnen des Kaisers, der nicht gern aus eigener Tasche zahlte, „Dürer Steuerfreiheit zu gewähren“, ablehnte oder vielmehr Dürer veranlasste, selbst den Antrag zurückzunehmen. Ebenso weigerte sich der Rat, ein, vom Kaiser auf Grund verschiedener Arbeiten Dürer zugestandenes Jahresgehalt von 100 Gulden zugunsten des Künstlers von den an Maximilian zu zahlenden Abgaben in Abzug zu bringen.

Die „Ehrenpforte“ ist das grossartigste, was jemals in Holzschnitt geschaffen worden ist. Sie besteht aus 92 Holzstöcken, die zusammengestellt eine Ausdehnung von nahe an 3 Meter 50 ctm. Höhe und 3 Meter Breite einnehmen. Mit einer Sicherheit ohne gleichen zeichnete Dürer die Blätter mit Feder und Pinsel. Mit gleicher Genauigkeit schnitt sie Hieronymus Andreä. Das Werk ist nicht ein Triumphbogen im antiken Stil, sondern ein hoher giebelgekrönter Renaissancebau, durch runde Türme flankiert und mit drei Thoren versehen. Der Reichtum an historischen Darstellungen, Allegorien, Portraitfiguren und ornamentalem Schmuck ist geradezu überwältigend.

Der Triumphzug.

Der „Triumphzug“ bildet in seiner Entfaltung ein Tableau von 54 Metern Länge bei 37 ctm. Höhe und besteht aus 135 Stöcken, war jedoch auf eine noch grössere Zahl berechnet. Von den Stöcken lieferte Burgkmair 66, Dürer zeichnete 24 Blatt. Dieses grossartige xylographische Werk bietet, abgesehen von dem Kunstgenuss, einen höchst interessanten Stoff für das Studium der Kostüme, Waffen, Geräte und Sitten damaliger Zeit. Das eingehende Programm verfasste des Kaisers Sekretär Marx Treytz-Saurwein.

Der Triumph-
wagen.

Der „Triumphwagen“, sozusagen der Mittel- und Schwerpunkt der gesamten Unternehmungen, ist ein Werk Dürers. Die Zeichnungen entstanden 1514-1515, die Holzschnitte waren 1522 fertig. Der Rat Pirckheimer hatte die Idee ausgearbeitet, die sich lediglich auf schale Lobrednerei gründet. Der Kaiser fährt auf einem von 12 Pferden gezogenen Triumphwagen, umgeben von allegorischen Figuren, die alle seine Tugenden repräsentieren. Die aus 8 Holzstöcken bestehende Komposition hat eine Länge von 2 Meter 32 ctm. bei einer Höhe von 47 ctm.

Als Kaiser Maximilian am 12. Jan. 1519 starb, gerieten seine Kunstunternehmungen ins Stocken. Dass der Kaiser nicht gern zahlte, wurde schon erwähnt. Dürer und Andere hatten ihr Honorar noch nicht erhalten. Um sich bezahlt zu machen, gab Dürer den „Triumphwagen“ auf seine Rechnung heraus. Die erste Ausgabe erschien 1522 mit deutschem, die zweite 1523 mit lateinischem Text; nachgedruckt wurde das Werk in Venedig 1589. Auch von dem „Triumphzug“ verkaufte man einzelne Blätter. König Ferdinand, dem daran lag, dass das Werk des Kaisers nicht in Privathände zersplittert würde, erwarb durch Vermittelung des Rates zu Nürnberg die noch unbezahlten Stöcke, die nach Wien kamen. Im Jahre 1759 machte man den Versuch, das ganze Werk herauszugeben. 1799 wurde eine neue Ausgabe veranstaltet und die noch fehlenden Stöcke durch Radierungen ersetzt.

Maximilians
Gebetbuch.