Zu seinem eigenen Gebrauch hatte Maximilian ein Gebetbuch zusammenstellen lassen, das er von Joh. Schönsperger in Augsburg in kostbarem Pergamentdruck ausführen liess. Die Initialen wurden nach einem, dem Congrevedruck ähnlichen Verfahren mehrfarbig eingedruckt. Man kennt bloss drei Exemplare dieses Werkes, eins in der k. k. Bibliothek zu Wien, das andere in der Münchner Bibliothek, das dritte in dem British Museum. Zu 45 Blättern zeichnete Dürer mit farbiger Tinte Einfassungen, die einen wahren Schatz von Ornamenten und Allegorien, Ernst und Scherz, Profanem und Heiligem in bunter Reihe enthalten. Dürer scheint die Absicht gehabt zu haben, sie durch seine Schüler fortsetzen zu lassen. Es existieren auch acht Blatt von anderer Hand gezeichnet, die fälschlich Lucas Cranach zugeschrieben wurden; eher dürften sie Hans Springinklee gehören[4].
Reise nach den
Niederlanden.
Im Jahre 1520 unternahm Dürer in Gesellschaft seiner Frau eine Reise an den Rhein und nach den Niederlanden, auf welcher er dort mit grossen Ehren empfangen wurde und mit vielen berühmten Persönlichkeiten in Berührung kam. Sein Hauptzweck war, den Kaiser Karl v., dessen Einzug in Antwerpen und Krönung in Aachen er beiwohnte, zur Zahlung der, ihm vom Kaiser Maximilian ausgesetzten Rente zu veranlassen, was ihm auch, nach verschiedenen vergeblichen Bemühungen an den Kaiser hinanzukommen, schliesslich in Köln gelang.
Litterarische Ar-
beiten.
Eine Hauptthätigkeit Dürers in den letzten Jahren seines Lebens war die Ausarbeitung und Herausgabe seiner litterarischen Arbeiten, für welche er sich durch sein ganzes Leben vorbereitet hatte. Sein erstes Werk erschien 1525 unter dem Titel: „Underweysung der Messung, mit dem Zirkel und Richtscheyte, in Linien ebnen wnd gantzen Corporen“. Für Buchdrucker hat das Werk ein besonderes Interesse, weil es die Verhältnisse der Buchstaben zum erstenmal in Deutschland nach geometrischen Grundsätzen feststellt. Es erlebte mehrere Auflagen, sowie eine Übersetzung in das Lateinische von Joh. Camerarius. Sein zweites Werk ist eine „Befestigungslehre“; sein Hauptwerk (1525) führt den Titel: „Hierine sind begriffen vier Bücher von mennschlicher Proportion“, und erlebte viele Ausgaben in vielen Sprachen.
Dürers Tod.
Seine letzte Zeit verlebte Dürer geschätzt von allen bedeutenden Männern in einfachen, jedoch keineswegs ärmlichen Verhältnissen. In den Niederlanden hatte er sich ein Fieber geholt, das er nicht wieder los werden konnte, trotz dessen er aber noch übermässig arbeitete. Er starb am 6. April 1528. Seit 1840 schmückt sein Standbild aus Erz den nach ihm benannten Platz in Nürnberg und die dortigen Künstler begehen zu seinem Geburtstage jährlich an seinem Grabe eine einfache Feier.
Die Zeitgenossen und Nachfolger Dürers zeigen, mit Ausnahme des durchaus selbständigen Hans Holbein, einen unverkennbaren Einfluss des grossen Meisters. Wenige unter ihnen, denen man im allgemeinen auf Grund der räumlichen Kleinheit ihrer meisten Arbeiten den Namen „Kleinmeister“ beigelegt hat, standen jedoch als Schüler in einer näheren Verbindung mit Dürer. Nur von zweien wissen wir mit Bestimmtheit, dass sie Dürers „Lehrjungen“ gewesen: Hans von Kulmbach und Hans Springinklee, und gerade über diese sind die sonstigen Nachrichten dürftig.
Hans von Kulm-
bach.
Hans Fuss, nach seiner Vaterstadt Hans von Kulmbach, trat, nachdem er die Malerei bei Jacopo dei Barberi (Jakob Walch) gelernt, 1510 bei Dürer in weitere Lehre. Ob er viel für graphische Kunst gezeichnet hat, ist nicht bekannt. Ein Blatt für den Triumphzug ist noch vorhanden mit den hineingezeichneten Korrekturen Dürers.