Manchmal hatten die Insignia eine bedeutende Grösse. Riesenhaft ist der wilde Löwe des Mylius von Strassburg, ebenso wie die drei reissenden Bestien Brylingers, während Couteaus kolossaler Löwe friedlich auf einem Schild von Blumen ruht.
Besonders beliebt waren die rebus-ähnlichen Wortspiele. Das Wappen Baumanns in Breslau zeigt ein unfertiges Haus mit dem Baumeister davor. Apiarius (Bienenzüchter) in Ingolstadt sendet einen Bären baumaufwärts trotz des diesen umgebenden Bienenschwarmes. Froschauer in Zürich mag für seinen schlechten Rebus einige Entschuldigung in dem Humor finden, mit welchem sein Junge den riesenhaften Frosch reitet oder letzterer auf den Baum klettert. Für Granjon lag das Wortspiel fertig in der grossen Binse (grand jonc). Das Schiff (Galliote) des Galliot du Pré fährt unter vollen Segeln dahin. Der wuchtige Elephant Regnaults gewinnt sehr in den Händen seiner Witwe durch den pikanten Zusatz, dass sie das Elephantentum fortsetzen werde: Sicut Elephas sto!
Die Drucker-
zeichen.
Namentlich die englischen Buchdrucker gefielen sich in den, oftmals bis an die Grenze des Erlaubten getriebenen Wortspielen. William Middleton stellte sein W. M. mitten auf eine Tonne. William Griffith sendet uns einen Greif mit einer Bartnelke (Sweet William) in dem Schnabel. Thomas Woodcock (Holzhahn) setzte einen Hahn auf einen Scheiterhaufen mit der Umschrift Cantabo Jehovae, quia beneficit (ich will dem gnadenreichen Gott lobsingen). Thomas Pavier führte als Zeichen einen arbeitenden Pflastersetzer (pavier) mit dem Motto: Thou shalt labour, till thou return to dust (du sollst arbeiten, bis du wieder zu Staube wirst). Reynard Wolf lässt seine Namensvettern, Fuchs und Wolf, Schildhalterdienste bei ihm verrichten. Das Zeichen John Days (Tag) zeigt eine von der aufgehenden Sonne beleuchtete Landschaft; im Vordergrunde ein Schlafender, den ein Engel weckt, mit dem Ausspruch: Arise! for it is Day (Steh auf, denn der Tag ist da).
Gewisse einfache und sehr leicht verständliche Embleme scheinen als ein Gemeingut der Drucker aller Länder gegolten zu haben, so gebrauchten Oeglin, Notary, Martens, Thanner und Weissemburger die Erdkugel; die Druckerpresse wurde benutzt von Ascensius, Vascosan, Roigny, Schilders, de Preux, Hanns Lufft u. s. w., Kreuz, Stern und Anker wurden in allen erdenklichen Zusammenstellungen verwendet, die Zeit zeigt sich in allerlei Gestalten, die Schlange windet sich durch eine Menge von Druckerzeichen, ja selbst in der Benutzung der Kohlköpfe findet Rivalität statt. Die oft vorkommende Axt, welche einen Holzblock spaltet, erhielt eine schreckliche Vorbedeutung in dem Zeichen des grausam hingeopferten Etienne Dolets.
Als nach und nach die Buchdrucker aufhörten, zugleich die tonangebenden Verleger zu sein, und Lohndrucker der Buchhändler wurden, mussten sie den Verlegern den Platz räumen und bescheiden in den Hintergrund treten. Die Verleger nahmen nun ihrerseits vielfach Embleme an, in der Regel jedoch allgemeiner Natur, z. B. eine brennende Lampe, ein aufgeschlagenes Buch, eine Presse im Strahlenkranze, einen Greif oder einen Schild mit den Anfangsbuchstaben der Firma u. s. w.
[1] R. von Rettberg, Nürnbergs Kunstleben. Stuttgart 1854.
[2] Vergl. S. 47.
[3] A. v. Eye, Leben und Wirken Dürers. 2. Ausg. Nördlingen 1869. — M. Thausing, Dürer, Geschichte seines Lebens und seiner Kunst. Leipzig 1876.
[4] Diese Randzeichnungen sind von N. Strixner 1808 in Lithographie vorzüglich nachgebildet und später auch anderweit reproduziert.